Mobile Unternehmen

Mit Handys zwei Millionen Euro jährlich sparen

02. Juni 2006
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Ulrich Schmidt, Leiter für IT und Organisation bei der Berlin Transport GmbH, hat auf der Veranstaltung "Mobilize the Enterprise" in Frankfurt seine Version eines mobilen Unternehmens präsentiert: Dabei bekommen die 1.600 Bus-, Tram- und U-Bahn-Fahrer der BT ihre Dienstpläne auf handelsübliche Handys geschickt oder senden Kurzinformation an die Zentrale zurück. BT spart dadurch zwei Millionen Euro jährlich.

Das Ganze sei technisch alles andere als eine anspruchsvolle Lösung, wie Schmidt den Teilnehmern erläuterte. Über WAP erfahren die Fahrer ihre Antrittszeiten und Einsatzorte. Über schlichte Menüs hangeln sie sich zur Urlaubsplanung vor oder melden, ob sie für Extra-Schichten zur Verfügung stehen. Rund zehn Minuten täglich sparen die Fahrer so gegenüber Kollegen, die sich in Unternehmen mit konventionellem Betriebshof ihre Dienstpläne ausdrucken lassen.

Die größte Einsparung entsteht der BT jedoch durch den geringeren Verwaltungsaufwand. Während Konkurrenz-Firmen noch Extra-Personal in den Betriebshöfen vorhalten müssen, um die Fahrer auf dem Laufenden zu halten, geschieht das bei der BT durch den "virtuellen Betriebshof". Von dort aus werden zum Beispiel die rund 1.000 Fahrplanveränderungen an die Fahrer geschickt, die jedes Jahr den Hauptstadtverkehr beeinträchtigen. Demonstrationen, Skate-Nights und andere Straßensperren müssten sonst aufwändig kommuniziert werden. Durchschnittlich dreimal am Tag greifen die Fahrer von sich aus auf die Daten der Zentrale zurück.

Rund 60 Millionen Umsatz erwirtschaftet die BT jährlich. Etwa ein Prozent davon fließt in die IT, von den 600.000 Euro wiederum fünf Prozent in den Mobilfunk. 2,5 Megabyte pro Mitarbeiter und Monat bekommt das junge Fuhrunternehmen vom Provider frei gestellt. Erzeugen die Fahrer mehr Datenvolumen, so kann das nur durch intensives Surfen oder zahllose SMS zustande kommen - was die Angestellten wiederum selbst bezahlen müssen. "Unser Spitzenreiter hat es mal auf 300 Euro in Monat mit privatem Surfen gebracht", erzählt Schmidt. Private Telefongespräche müssen ebenfalls bezahlt werden.

Schmidts technisch anspruchslose Technik wurde bei der abschließenden Podiumsdiskussion von allen Teilnehmern gelobt. Lars Vestergaard, Research Director bei IDC, nannte BT ein gutes Beispiel dafür, wie mit einem kleinem Projektbudget ein erheblicher Nutzen für das Unternehmen entstehen könne. Er warnte davor, bei der Einführung von neuen Datenfunk-Lösungen immer nur die Kosten zu sehen. Mobilfunkbetreiber würden immer noch 90 Prozent ihres Umsatzes mit Sprache erzielen. Wer spare wolle, müsse zunächst dort ansetzen.