Fairphone-Gründer

"Mit sieben Leuten das System ändern"

24. Mai 2013
Von Christof Kerkmann
Bas van Abel will die Elektronikbranche umkrempeln: Er hat ein Startup gegründet, das Handys unter fairen Bedingungen herstellen soll. Damit will er Samsung, Apple und Co ein Vorbild sein, wie er im Interview erklärt.

Warum ist es so schwierig, ein Smartphone unter fairen Bedingungen herzustellen?

Bas van Abel: Die Lieferkette der Elektronikbranche ist so komplex, dass sie niemand komplett versteht. Viele Firmen in vielen Ländern sind daran beteiligt - von der Gewinnung der Erze bis zur Herstellung. Das hat mit der globalen Arbeitsteilung in unserer industriellen Welt zu tun. Hinzu kommt der Preisdruck, unter dem die Hersteller stehen.

Wie wollen Sie für Veränderungen sorgen?

Die einzige Möglichkeit, das System zu verändern, besteht darin, ein Teil davon zu werden. Die großen Firmen sprechen zwar auch davon, dass es nicht nur um den Profit geht, sondern auch um Menschen und den Planten. Aber die meisten wurden nicht gegründet, um eine soziale Mission zu erfüllen. Das ist bei uns anders, das Soziale steht im Mittelpunkt. Wir nutzen den Profit, um ökonomisch nachhaltig zu sein und einen Systemwandel zu ermöglichen.

Wenn die Lieferkette so komplex: Wie wollen Sie das Problem konkret lösen?

Wir arbeiten daran, bei den problematischen Metallen eine saubere und transparente Lieferkette aufzubauen. Bei Zinn, Tantal, Gold, Silber und Platin ist uns das schon gelungen. Für Wolfram haben wir noch keine Lösung, wir haben kürzlich Minen in Ruanda besucht und suchen jetzt nach einem Kooperationspartner. Wir bauen also kein 100%ig faires Smartphone.

Ist das überhaupt möglich?

Es wird nie möglich sein, ein Smartphone komplett fair herzustellen. Das fängt schon damit an, dass jeder unter Fairness etwas anderes versteht, es gibt etwa unterschiedliche Standpunkte in Europa und China. Aber wir müssen die Diskussion darüber anfangen!