Wörterbücher, Übersetzer und Lernsoftware

Mit Übersetzungs-Apps auf Urlaubs- und Geschäftsreisen

Klaus Hauptfleisch ist freier Journalist in München.
Elektronische Übersetzer fürs Smartphone oder Tablet werden immer besser. Manche von ihnen können sogar Texte von exotischeren Sprachen und Schriften umwandeln - wenn auch hier und da mit lustigem Ausgang. Eine Übersicht.

Wer meint, sich in Nah- oder Fernost mit Englisch durchschlagen zu können, wird möglicherweise sein blaues Wunder erleben - und danach brav dem Rat der Reiseleitung folgen, sich nicht zu weit vom Hotel zu entfernen. Aber wer Land und Leute wirklich kennenlernen will, tut gut daran, auch mal auf eigene Faust in die Stadt zu ziehen, um auf dem Markt zu feilschen und später nach dem Rückweg zu fragen. Gut, dass man sich heute Wörterbücher und Übersetzungs-Apps aufs Smartphone laden kann. Diese sind meist besser als ihr Ruf und bringen einen am Ende meist doch ans richtige Ziel.

Die von Google übernommene Funktion Wordlens funktioniert im Google-Übersetzer auch in Echtzeit - sogar ohne Internet.
Die von Google übernommene Funktion Wordlens funktioniert im Google-Übersetzer auch in Echtzeit - sogar ohne Internet.
Foto: Google

Zweithandy gegen teures Roaming

In diesem Artikel geht es eben um solche Apps einschließlich Online-Wörterbüchern. Da nicht-lateinische Schrift für elektronische Übersetzungshilfen mit integrierter Texterkennung (OCR) zum Beispiel die größere Herausforderung darstellen, wurden die Apps im Praxistest unter anderem auf ihre Griechisch-, Chinesisch- und Arabischkenntnisse abgeklopft. China ist zwar für deutsche Urlauber meist zu weit oder zu teuer, wird aber ein immer wichtigeres Ziel für Geschäftsreisende. Man muss vorher ja keinen Crash-Sprachkurs belegen, aber mit ein paar Brocken öffnen sich im Ausland oft die Herzen.

Viele Übersetzungshilfen benötigen allerdings Internetzugang, was im nichteuropäischen Ausland mit empfindlich hohen Roaming-Gebühren verbunden sein kann. Will man sich dort länger aufhalten oder ist man aus beruflichen Gründen gezwungen, für die Geschäftspartner vor Ort immer erreichbar zu sein, ist es beispielsweise ratsam, ein ausrangiertes Zweithandy mitzunehmen und sich für das Smartphone eine lokale Prepaid-SIM-Karte zuzulegen. Für die Online-App-Nutzung sollte der Vertrag natürlich ausreichend Datenvolumen beinhalten.

Kekstorte "Cold dog"

Wie bereits schon erwähnt, bieten einige der Übersetzungs-Apps die Möglichkeit, über dieSmartphoneSmartphone-Kamera Straßenschilder und Speisekarten zu lesen und zu übersetzen. Doch kann man bei falscher Erkennung dabei auch sehr in die Irre geführt werden. Mit Speisen tun sich auch viele menschliche Übersetzer schwer. "Cold dog" schlägt der Google Übersetzer (Google Übersetzer) für die Kekstorte Kalter Hund vor, umgekehrt findet er aber über hedgehog slice (wörtlich Igelstück) die richtige Übersetzung. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Im Westen bekannte chinesische Speisen tragen oft kantonesische Namen. Der in Hongkong gesprochene Dialekt wird in Nordchina aber nicht oder kaum verstanden. Gibt man etwa Dim Sum in sein elektronisches Wörterbuch ein, mag sich die Miene des Restaurantchefs zwar sofort aufhellen, wird man aber möglicherweise schwer enttäuscht. Europäer verbinden damit meist kleine gedämpfte oder frittierte Speisen im Teigmantel, viele Chinesen aber auch Nachtisch wie die Stinkfrucht vom Durianbaum.

"Dumping" und "Teekesselchen"

Gerade aus China finden sich im Internet viele lustige oder peinliche Schreib- und Übersetzungsfehler, die mitunter den Tools von Google oder Pons angelastet werden. Doch sind manche davon wohl eher der Gerüchteküche enthoben oder mittlerweile behoben. Die Übersetzungshilfen werden tatsächlich immer besser. Teils geschieht das über bestimmte Algorithmen selbständig, teilweise auch händisch aufgrund gemeldeter Fehler oder Verbesserungsvorschläge.

Schwierigkeiten bereiten immer wieder die vom "Teekesselchen" bekannten Homonyme und Polyseme, die gleich geschrieben oder gleichlautend unterschiedliche Bedeutung haben. Beispiele dafür sind "liebe Genossen, ich habe Liebe genossen" oder franzöisch mère für Mutter und maire für Bürgermeister. In dem sehr silbenarmen Chinesisch gibt es bei exakt gleicher Aussprache oft zig Zeichen mit unterschiedlicher Bedeutung. Es gibt aber auch eine Reihe von Zeichen, die je nach Aussprache eine andere Bedeutung bekommen. Meist erschließt sich der Sinn aber aus dem Kontext. Gute Wörterbücher haben daher oft Beispielssätze.

Wörterbücher, Übersetzer und Lernsoftware

Am PC findet man am schnellsten die Übersetzung für Wörter oder Satzteile, wenn man diese gefolgt von der gewünschten Zielsprache eingibt. In der Regel melden sich dann erst Dict.cc, Linguee (für Englisch), Leo, Bab.laund neuerdings auch Pons zu Wort. Sie sind alle auch als Smartphone-Apps verfügbar, die Bab.la App vorerst aber nur für iOS. Die reinen Übersetzer für ganze Sätze und Phrasen wie der Google Übersetzer (Translator), derBabylon Translator, iTranslate und Q Multi Language Translator von Nyxcorefolgen in der Bilderstrecke später, am Schluss die Sprachlern-Apps Babbel und 50 Languages.

Die Wörterbücher und Übersetzungs-Apps leben natürlich von den Nutzern, die Verbesserungsvorschläge einreichen und mit ihren Einträgen die Datenbanken füllen. Bei der Spracherkennung war lange Zeit IBM führend, heute ist es Nuance (Dragon Naturally Speaking) dank stetigen Zukäufen.

Elektronische Wörterbücher gab es als Handhelds schon in den 1980er Jahren, die ersten von Casio. Seitdem hat sich viel getan; der von der Zahl der darstellbaren Zeichen sehr eingeschränkte ASCII-Code wurde zum Beispiel zum Unicode und UTF-8 erweitert. Das hat erst ermöglicht, dass so viele unterschiedliche Sprachen in einer App Platz finden. Die meisten von ihnen sind gut, andere eine Idee besser. Lernhilfen wie Vokabel- und Aussprachetrainer bieten sie mitunter auch an, aber natürlich nicht auf so hohem Niveau wie reine Sprachlernprogramme. Babbel gehört da, zumindest was die Präsenz im Internet angeht, sicherlich zu den führenden Lernprogrammen.

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Thema: Smartphones

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