Vertrauliche Dokumente bleiben oft im Drucker liegen

Mitarbeiter schludern bei der Sicherheit

15. Februar 2007
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Mehr als zwei Drittel der Büroangestellten in Deutschland geben zu, vertrauliche Dokumente im Netzwerkdrucker ihrer Firma zu vergessen. Bei kleineren Betrieben kann derartiges Schludern die Existenz bedrohen: 28 Prozent der Mitarbeiter europaweit schätzen den möglichen Schaden auf über 100.000 Euro. Das geht aus einer Studie des Markt- und Meinungsforschers TNS Sofres im Auftrag des Druckerherstellers Lexmark hervor.
Finanzielle Folgen von unvorsichtigem Umgang mit vertraulichen Daten.
Finanzielle Folgen von unvorsichtigem Umgang mit vertraulichen Daten.

Die Vergesslichkeit der deutschen Büroangestellten liegt über dem europäischen Durchschnitt: 68 Prozent der in der Bundesrepublik Befragten gaben an, schon einmal vertrauliche oder geheime Unterlagen im Drucker liegen gelassen zu haben; insgesamt gestanden das 64 Prozent ein. Am aufmerksamsten sind im internationalen Vergleich noch die Spanier (57 Prozent), am nachlässigsten die Briten (71 Prozent).

Fast die Hälfte der europäischen Mitarbeiter lässt vertrauliche Unternehmensdaten im Drucker liegen.
Fast die Hälfte der europäischen Mitarbeiter lässt vertrauliche Unternehmensdaten im Drucker liegen.

In den Papierfächern zurück bleiben Informationen aller Art. 79 Prozent sagten, dort Ausdrucke mit persönlichen Angaben vergessen zu haben, beispielsweise einen Lebenslauf. Die Besorgnis der Firmen dürfte eine andere Größe erregen: 62 Prozent bekannten, auch mit vertraulichen Unternehmensdaten geschludert zu haben.

Während ein Bewusstsein für das Problem durchaus vorhanden ist, zeigen sich die Angestellten hierzulande hilflos im Umgang damit. Drei Viertel vermuten, dass ihre Kollegen die Insider-Informationen lesen könnten, und sorgen sich deshalb um die Sicherheit. Ebenso fehlt allerdings bei 67 Prozent jegliche Vorstellung davon, wie sich dieses Risiko vermeiden lässt.

Nur 37 Prozent der Deutschen werden selbst aktiv, um hier eine größere Sicherheit zu gewährleisten - europaweit handeln immerhin 48 Prozent der Angestellten aus eigenem Antrieb. Offenbar möchten die Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten bei der Hand genommen werden: Knapp die Hälfte erklärt sich bereit, von oben eingeführte Prozesse auch einzuhalten.