Modulare Strukturen

MLP setzt auf Linux

19. Februar 2004
Von Andreas Schmitz
Zur Zeit setzt MLP noch hauptsächlich auf Unix-basierte Systeme. Doch dies könnte sich schon sehr bald ändern. Schon jetzt setze der Finanzdienstleister bei einigen geschäftskritischen Anwendung auf Linux, sagte MLP-CIO Carsten Stockmann auf den Hamburger IT-Strategietagen.

Carsten Stockmanns Herz schägt für dieOpen Source-Plattform Linux. Ob das in der Praxis für geschäftskritische Anwendungen nicht zu unsicher sei, fragt Moderator Alfons Rissberger auf den Strategietagen. "Das hoffe ich nicht. Seit ein paar Monaten laufen bei uns geschäftskritische Anwendungen auf Linux", erwidert der 34-jährige IT-Manager vor dem vollbesetzten Podium in seinem Vortrag über die IT-Strategie von MLP.

Nach den Berichten über Bilanzfälschungen, die MLP sehr geschadet haben, hat das Unternehmen sein Geschäftskonzept vor vier Jahren neu strukturiert. Anders als die Konkurrenz verfolgt MLP das Ziel, sämtliche Leistungen der Berater auf einer Plattform abzubilden. Ob Lebensversicherungen, Darlehen, Konten oder Depots: Die gesamte Finanzwelt des Kunden findet sich dort aufgelistet untereinander.

"MLP-Berater betreuen die Kunden lebenslang und haben die Informationen jederzeit vor sich", verspricht Stockmann. Darüber hinaus soll eine modulare Struktur finanzielle Risiken dämpfen. So bietet MLP etwa eine Art "Lebensversicherungs-Fond" an, der sich aus Bausteinen mehrerer Versicherungsgesellschaften zusammensetzt. Die IT-Strategie, so meint Stockmann, müsse optimal auf dieses Geschäftskonzept angepasst werden. Das bedeutet etwa für die IT-Organisation, dass Stockmann die Selbstverantwortung der einzelnen Geschäftsbereiche besonders wichtig, ja fast heilig ist. "Die Frage, wer das Business macht und wer die IT soll gar nicht erst auftreten", so Stockmanns visionäre Forderung.

Das bedeutet für das "Staffing", also die Auswahl des Personals, vor allem, dass IT-Manager eingestellt würden, keine Softwareentwickler. "Manager, die auch in juristischen Fragen versiert sind, sich mit SLAs und Verträgen gut auskennen", so Stockmann. Doch oft kämen diese Fähigkeiten selbst in der Ausbildung zu kurz - selbst bei Wirtschaftsingenieuren, so Stockmanns Erfahrung. Hier klingt der CIO wie ein weiser Mann, der schon viele Jahre Erfahrung mitbringt. Dabei ist der smarte Stockmann erst 34 Jahre alt. Welche Ratschläge wird er den Kollegen wohl mit 50 auf den Weg geben?

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