Klärung rechtlicher Probleme

München stoppt Linux-Migration

04. August 2004
Von Thomas Zeller
Die Stadt München bricht die Linux-Migration in der Verwaltung ab. Als Grund für diese Entscheidung wird eine genauere Untersuchung rechtlicher Probleme angegeben. Im Detail geht es um Gefahren durch Softwarepatente, die bei dem Einsatz von Open-Source-Software auftreten könnten.

Am Dienstagabend hatte der IT-Leiter der Stadt München, Wihelm Hoegner, angekündigt, dass die für Ende Juli geplante Ausschreibung des "LiMux Base Client" vorerst nicht starten werde. Die Stadtverwaltung müsse nach einem Hinweis der Grünen zunächst die rechtlichen und finanziellen Risiken analysieren.

Der städtische IT-Verantwortliche Hoegner stoppt Ausschreibung des Linux Basisclients.
Der städtische IT-Verantwortliche Hoegner stoppt Ausschreibung des Linux Basisclients.

Softwarepatente gelten nach Ansicht der Beratungsfirma SWM als größte Gefahr für den Einsatz und die Weiterentwicklung von Linux und anderer freier Software. Alleine der "Basisclient" aus der Machbarkeitsstudie der Stadt München, der in dieser oder ähnlicher Form auf den Computern von 14.000 Mitarbeitern installiert werden soll, steht nach einer ersten Recherche im Konflikt zu über 50 europäischen Softwarepatenten. Jedes einzelne Patent könnte den Ausfall der gesamten Stadtverwaltung bewirken.

SWM, die den Open-Source-Softwareentwickler MySQL berät, macht unter anderem auch die deutsche Bundesregierung für die Probleme bei Linux-Migrationen mitverantwortlich. Immerhin trete sie in der EU für die umstrittenen Softwarepatente ein.

SWM-Berater Florian Müller sieht bundesweite Auswirkungen der Münchener Entscheidung. "Die Entscheidung der Stadt München sollte alle Alarmsirenen in der Bundesregierung schrillen lassen. Das Bundesinnenministerium empfiehlt allen öffentlichen Verwaltungen den Umstieg auf Linux, und das Bundesjustizministerium macht das Ganze zu einer Fehlentscheidung, die Milliarden von Euro kosten kann."

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