Expertin Hagedorn-Saupe

Museen sollten sich für Digitalisierung zusammenschließen

23. Januar 2014
Es gibt eine Bibliotheksplattform, es gibt ein Filmportal, aber bei Museen macht jeder sein eigenes Ding. Wir brauchen ein zentrales deutsches Museumsobjekte-Portal, meint Prof. Monika Hagedorn-Saupe.

Das Institut für Museumsforschung befragt jährlich die rund 6.000 Museen in Deutschland, auch zum Thema DigitalisierungDigitalisierung. Eine Erkenntnis der jüngsten Umfrage: Die Museen müssen sich dringend über ihre digitale Strategie Gedanken machen. Das sollten sie am besten gemeinsam machen, findet Prof. Monika Hagedorn-Saupe, Vorstandsmitglied im Deutschen Museumsbund. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Wie steht es um die Digitalisierung der deutschen Museen?

Prof. Monika Hagedorn-Saupe: Nur etwa jedes zweite Haus verfügt über eine Datenbank. Nur 17 Prozent machen ihre Sammlung über das Netz zugänglich. Web 2.0. wie TwitterTwitter sind eher noch die Ausnahme, aber eine ganze Reihe von Museen haben inzwischen Facebook-Seiten. Etwa zehn Prozent unserer Museen sind Kunst-Museen, die sind ein bisschen weiter. Die umfangreichste digitale Online-Datenbank hat das Deutsche Historische Museum in Berlin. In den sozialen Medien ist das Städel in Frankfurt sehr weit voraus. Alles zu Twitter auf CIO.de

Das Städel Museum in Frankfurt am Main.
Das Städel Museum in Frankfurt am Main.

Welche Strategien verfolgen die Museen im Netz?

Prof. Monika Hagedorn-Saupe: Die meisten haben keine explizite. Eine Frage ist zum Beispiel, ob man Kommentare zulässt, da sind manche Kuratoren sehr zurückhaltend. Viele Museen machen sich auch nicht genug bewusst, dass man die Dinge aktuell halten muss. Wer junge Menschen über die sozialen Medien in eine Ausstellung einladen will, muss sie anders ansprechen. All diese Dinge müssen bedacht werden - daher ist es besser, sich bewusst für eine digitale Strategie zu entscheiden.

Was raten Sie den Museen - oder was wünschen Sie sich?

Prof. Monika Hagedorn-Saupe: Die Museen sollten sich zusammenschließen. Die Bibliotheken sind da schon viel weiter. Sie arbeiten schon länger in Verbünden zusammen, Museen waren zu lange fixiert auf das eigene Haus, den eigenen Bestand, aber das beginnt sich zu verändern. Was wir brauchen, ist ein Zugangspunkt für das kulturelle Erbe in Deutschland. Dazu gehört auch ein zentrales Portal für Museumsobjekte. Natürlich ist das eine Frage des Geldes und des Aufwands - aber das wäre meine Vision.

Prof. Monika Hagedorn-Saupe hat Soziologie, Psychologie und Mathematik studiert. Sie leitet am Institut für Museumsforschung das Referat "Besucherbezogene Museumsforschung und Kulturstatistik". Hagedorn-Saupe ist zudem Vorstandsmitglied im Deutschen Museumsbund und Sprecherin der Fachgruppe Dokumentation. (dpa/rs)

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