Autonomous Infrastructure

Naht das Ende des IT-Betriebs?

12. September 2016
René Büst ist Technology Analyst & Advisor mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
Das Thema Software-defined Infrastructure (SDI) ist derzeit in aller Munde. Für die Flexibilisierung auf Infrastruktur-Ebene setzen sich hierzu immer häufiger Software-basierte oder durch Programmcode gesteuerte IT-Umgebungen durch. Dabei ist eine SDI nur die Grundlage für eine neue Revolution innerhalb des IT-Betriebs.

Denn eines ist gewiss: Ein ständig steigender Automatisierungsgrad und Algorithmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz werden auf infrastruktureller Ebene Folgen haben, die nicht jedem Administrator schmecken werden.

Was ist Software-defined Infrastructure?

Innerhalb einer Software-defined Infrastructure (SDI) befindet sich die Intelligenz nicht mehr direkt in den Hardwarekomponenten der IT-Infrastruktur, sondern auf einer höheren Management-Ebene. Somit lässt sich die Konfiguration der kompletten Infrastruktur oder einzelner Teilbereiche schneller vornehmen. Das Konzept sieht vor, dass die gesamte Infrastruktur-Umgebung auf Basis von Software und Automation, also weitestgehend ohne menschliche Interaktion, aufgespannt und gesteuert wird.

Aufbau und Konfiguration moderner Infrastrukturen sind heute bereits mit Programmcode oder Skripten programmiert und anhand von "Infrastructure as Code" entwickelt. Die Infrastruktur arbeitet dabei unabhängig von einer bestimmten Hardwarekonfiguration, besitzt keine technischen Abhängigkeiten und ist programmatisch erweiterbar. Die Idee hinter dem Konzept besteht darin, die Infrastruktur jeweils nach den Anforderungen einer Applikation zu definieren, automatisch herzuleiten und aufzubauen.

Zu den Vorteilen einer SDI zählt die Möglichkeit, den Übergang von einer fertig konfigurierten Infrastrukturlandschaft zu einer anderen quasi ohne Unterbrechung sicherzustellen. Das bedeutet, dass sich eine komplette Infrastrukturlandschaft (Server, Storage, Networking) rein durch Software austauschen lässt. Damit lässt sich eine SDI-basierte IT-Umgebung wie eine typische Applikation auch versionieren und damit einem Rollback unterziehen beziehungsweise klonen. Zu den typischen und zugleich wichtigsten Elementen einer SDI-Umgebung gehören derzeit Software-defined Networks (SDN) und Cloud-Technologien für den Infrastrukturbau.

SkyNet IT: Was ist Autonomous Infrastructure?

Ein auf die Software-defined Infrastructure aufbauendes Konzept ist eine "Autonomous Infrastructure". Basierend auf Konzepten aus dem Machine Learning, Cognitive Computing und Künstlicher Intelligenz, geht es hierbei um den Aufbau und den Betrieb von selbstlernenden respektive regelbasierten und somit selbstheilenden Infrastruktur-Umgebungen. Das bedeutet, dass IT-Infrastrukturen und -Umgebungen ohne manuelle beziehungsweise menschliche Interaktion

  • automatisch und eigenständig nach den jeweiligen Anforderungen (Rechenleistung, Speicherplatz, Netzwerk, Datenbanken usw.) der Workloads und Applikationen hoch- und wieder herunterfahren;

  • stetig das verändernde Verhalten und den Zustand der einzelnen Infrastruktur-Komponenten analysieren und damit sich selbst verstehen lernen;

  • auf Zustände einzelner Infrastruktur-Komponenten reagieren und im Fehlerfall eigenständig Aktionen auslösen, um die betreffende Komponente - und damit die gesamte Infrastruktur - wieder in einen fehlerfreien Zustand zu überführen.

Eigenschaften einer Autonomous Infrastructure
Eigenschaften einer Autonomous Infrastructure
Foto: Crisp Research AG

Das Konzept der "Autonomous Infrastructure" ist völlig neu und nicht mit typischen Automatisierungslösungen zu vergleichen, welche üblicherweise mit vordefinierten Skripten arbeiten. Denn eine "Autonomous Infrastructure" macht sich das vorhandene Wissen im Unternehmen zunutze und wendet dies automatisch an. Sie muss demnach zunächst von den Administratoren im Unternehmen "angelernt" werden und arbeitet anschließend eigenständig. So lassen sich Störungen bei individuellen Applikationen beheben und aufgrund von angelerntem Wissen auch auf zuvor unvorhergesehene Ereignisse reagieren.