Spekulationen nach Übernahme durch Microsoft

Navision-Anwender verunsichert

03. Juni 2002
Heinrich Seeger arbeitet als IT-Fachjournalist und Medienberater in Hamburg. Er hat über 25 Jahre IT-journalistische Erfahrung, unter anderem als Gründungs-Chefredakteur des CIO Magazins. Er entwickelt und moderiert neben seiner journalistischen Arbeit Programme für Konferenzen und Kongresse in den Themenbereichen Enterprise IT und Mobile Development, darunter IT-Strategietage, Open Source Meets Business, droidcon und VDZ Tech Summit. Zudem gehört er als beratendes Mitglied dem IT Executive Club an, einer Community von IT-Entscheidern in der Metropolregion Hamburg.
Microsoft schluckt Navision. Die Kunden des dänischen ERP-Spezialisten, vor allem Mittelständler, spekulieren jetzt darüber, welche Konsequenzen das für sie haben wird.

"Zuerst eher positiv" habe ihn die Nachricht von der Übernahme gestimmt, erinnert sich Christoph Strauß, Navision-Administrator bei Columbus Systeme, einem Metall verarbeitenden Betrieb mit 60 Mitarbeitern aus Obergünzburg im Allgäu. MicrosoftMicrosoft, so seine Überlegung, schlucke nur Unternehmen mit Perspektive. Daher fühle er sich als Navision-Anwender auf der sicheren Seite.

Allerdings hegt Strauß auch Befürchtungen: "Hoffentlich werden wir nicht unter dem Microsoft-Beamtentum zu leiden haben." Er fürchte, dass die Wege zwischen dem Technologielieferanten über dessen Partner zum Anwender und zurück länger werden könnten; zudem könnten kleinere Navision-Partner einer Bereinigung des Partner-Portfolios zum Opfer fallen. Der "worst case" wäre für Strauß, wenn die Navision-Software an Microsoft-Standards angepasst würde. Deren Benutzerführung finde er wegen der verschachtelten Menüs schlecht. "Das darf bei Navision-Produkten nicht durchschlagen."

Hoffnung auf mehr Professionalität

Auch Alfred Schoon, IT-Leiter der PHW-Gruppe ("Wiesenhof-Hähnchen") im oldenburgischen Visbek, wünscht sich, dass die Navision-Software eine eigenständige Produktlinie bleibt. Vor allem für größere Anwender wie PHW (350 Arbeitsplätze) sei die Übernahme jedoch von Vorteil. Vor allem erhoffe er sich eine Verbesserung auf Datenbankseite, so Schoon. Bisher verwendet Navision die XAL-Datenbanktechnologie, mit der er nicht zufrieden sei. "Ein Wechsel zu Microsoft SQL würde ein Plus an Professionalität bedeuten", ist der PHW-Mann überzeugt.

Bei Navision Deutschland ist das Feedback der Kunden unterschiedlich, sagt Unternehmenssprecher Heiko Elmshäuser. Das bislang in Navision gesetzte Vertrauen werde nicht automatisch auf Microsoft übertragen. Überwiegend positiv hätten größere Kunden reagiert. Elmshäuser erklärt das damit, dass die IT-Investitionssicherheit hier im Vordergrund stehe, und die werde im Zusammenhang mit Microsoft als hoch eingeschätzt.

Offen ist die Frage, welche Software-Lizenzbedingungen künftig für Navision-Kunden gelten. Microsoft-Anwender müssen sich bis zum 31. Juli entscheiden, ob sie an einem neuen Lizenzierungsprogramm teilnehmen wollen, dass statt auf Lizenzkauf auf Grund- und Nutzungsgebühren basiert und zu einer engeren Bindung der Nutzer an Microsoft führt. Im herkömmlichen Kaufmodell werden die Lizenzen dafür teurer. Elmshäuser zufolge sei bei Navision über anstehende Änderungen des Lizenzmodells noch nichts bekannt. Und "künftige Entscheidungen werden in Fargo, North Dakota getroffen" - am Sitz des neuen Microsoft-Bereichs Business Solutions also. - Von Microsoft Deutschland war keine Stellungnahme zum Thema Navision-Lizenzen zu erhalten.

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Microsoft-CEO Steve Ballmer (oben) will mit Navision (CEO Preben Damgaard) den europäischen ERP-Markt erobern.
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