Kiosksysteme, RFID, Mobile Store Assistant

Neue IT bewegt den Einkauf

16. Juni 2006
Von Reinhold Hölbling
Die Kunden sind geizig, die Margen klein und das Interesse an IT ist praktisch nicht vorhanden. Erst langsam merken die Branchen-Vorreiter, dass sich mit neuer Technik im Handel wieder Geld verdienen lässt.

Nach Angaben des Hauptverbandes Deutscher Einzelhandel (HDE) wurden im Jahr 2005 382,3 Milliarden Euro umgesetzt, gegenüber 380 Milliarden Euro in 2004. Dieses leichte Plus markiert gleichwohl keine generelle Trendwende, sondern resultiert vorwiegend aus dem guten Weihnachtsgeschäft 2005 sowie der Fußball-Weltmeisterschaft, die bereits im Vorfeld für sanfte Umsatzbelebung sorgte. Der HandelHandel bleibt deshalb vorsichtig. Keine andere Branche bereitet ihre Investitionen und den Einstieg in neue Technologien so intensiv vor. Investitionszyklen von bis zu zehn Jahren und Projektvorlaufzeiten von bis zu drei Jahren sind keine Seltenheit.Mit der Folge, dass der IT-Innovationsgrad im Retail-Markt vergleichsweise niedrig ist. Die unbefriedigende wirtschaftliche Situation der Unternehmen und die traditionell wenig ausgeprägte IT-Affinität der Top-Entscheider verstärken diese Tendenz. Top-Firmen der Branche Handel

„Sehr lange wird an ältlicher, aber bewährter Hardund Software festgehalten, neuen IT-Konzepten und -Lösungen begegnet man mit Skepsis“, sagt Stefan Lüschow, Geschäftsführer des Marktanalysten MB MedienMedien aus Krefeld. „Das Ergebnis sind zum Großteil hinderliche, weil manuell und intern gepflegte Schnittstellen für den Datenaustausch zwischen den teils gekauften und teils selbst entwickelten Systemen.“ Die von den Systemen und Kassen generierten Daten werden an verschiedenen Stellen abgelegt und vorgehalten, aufgrund fehlender Datenintegration kommt es zu inkonsistenten Datenansichten. Top-Firmen der Branche Medien

Stefan Lüschow, Gf. MB Medien:
„Sehr lange wird an ältlicher, aber bewährter Hard- und Software festgehalten.“

Ein 2006er-IT-Jahresbudget zwischen 100000 und 500000 Euro ist für deutlich die meisten der Marktteilnehmer Stand der realen Dinge. Das ergab im Herbst 2005 die Befragung von 376 Unternehmen (58 Prozent Fast Moving Consumer Goods, FMCG; 42 Prozent Slow Moving Consumer Goods, SMCG) im Rahmen der MBMedien-Retail-IT-Studie. Über 40 Prozent der Befragten haben 2006 ein bis um 15 Prozent höheres IT-Budget zur Verfügung als 2005. Dabei liegt die Steigerung meistens zwischen fünf und zehn Prozent. Auf das größte Investitionsinteresse stoßen laut MB Medien Rechner und EDV-Peripherie. Visionäre Themen interessieren die Branche nur wenig, obwohl es davon genügend gäbe.

Vision 1: Hybride Kiosk-Systeme

Multifunktionale Kiosk-Systeme mit integrierter Ansprache von Unternehmenspersonal, Endkunden und Geschäftspartnern sind eindeutig auf dem Vormarsch und beinhalten üblicherweise Funktionen wie Kundeninformationen, Self Checkout, Internet-Zugang, Mitarbeiter-Selbstbedienung, Personalsuche sowie Lösungen wie etwa Photokiosk. Das nunmehr hohe Nutzungspotenzial hat den Kiosk-Systemen erstärkten Einsatz in Theatern, Kinos, Freizeitparks, Krankenhäusern, Veranstaltungen, Messen und in Industriehallen beschert. Dieses Anwendungsszenario ergänzt fortschreitend die bislang etablierten Applikationen im Handel, in Restaurants, Hotels, Einkaufszentren, öffentlichen Einrichtungen und Flughäfen.