DaimlerChrysler soll für Linux zahlen

Neue SCO-Klagewelle

04. März 2004
Von Patrick Goltzsch
Mit taktisch klug platzierten Klagen zielt SCO nur scheinbar auf Linux-Anwender. Statt dessen zerrt das Unternehmen auch eigene Kunden vor Gericht.

In der Auseinandersetzung um die Rechte an Unix und Linux hat SCO die nächste Runde eingeläutet und, wie bereits letzten November angekündigt, Klagen gegen Linux-Anwender eingereicht. Die Opfer seiner Klagewut hat SCO taktisch klug gewählt. Zwar setzen DaimlerChrysler und Autozone, ein amerikanischer Autoteile-Händler, Linux ein, aber beide sind auch (ehemalige) SCO-Kunden. Dementsprechend geht es in beiden Klagen weniger um Linux als um das jeweilige Vertragsverhältnis mit SCO. In der öffentlichen Wahrnehmung erscheinen jedoch Linux-Anwender gefährdet.

Von DaimlerChrysler als SCO-Anwender verlangt SCO die Versicherung, sich mit seiner Nutzung von Unix an die vertraglichen Vereinbarungen mit SCO zu halten. Autozone soll dagegen bei der Migration von SCO auf Linux unrechtmäßig Code des SCO Unix verwendet haben.

Begonnen hat der Streit um Linux mit SCOs Klage gegen IBMIBM vor einem Jahr. IBM habe geistiges Eigentum von SCO in die Linux-Entwicklung einfließen lassen. Den ursprünglichen Streitwert von einer Milliarde Dollar hat SCO sukzessive auf nunmehr fünf Milliarden Dollar erhöht. Belege für seine Behauptung ist SCO bislang allerdings schuldig geblieben. Alles zu IBM auf CIO.de

SCO ist Besitzer von Rechten an Unix, die das Unternehmen Novell abgekauft hat. SCO macht geltend, dass es sich bei Linux um ein Unix-Derivat handle und somit Linux-Anwender Lizenzgebühren an SCO zu entrichten hätten. Novell bestreitet, dass SCO dafür ausreichende Rechte besitzt und sieht sich selbst als Inhaber des Copyrights an Unix. Wegen dieser Behauptung verklagte SCO Novell im Januar.

Bei einer Erhebung unter Linux-Entwicklern stellte das Marktforschungsunternehmen Evans Data fest, dass 60 Prozent der Unternehmen bereits eine Risikoabschätzung des Verfahrens vorgenommen haben. Allerdings sehen nur 13 Prozent die Adaption von Linux durch das Verfahren gefährdet.