Finanzgeflecht

Neue Verdachtsmomente im Hypo-Alpe-Adria-Skandal

17. März 2010
Von Ulric Papendick
Vermögensverwalter Tilo Berlin pries die BayernLB schon frühzeitig als möglichen Käufer des Kärntener Instituts an.

Beim Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) durch die Münchener BayernLB gab es möglicherweise schon deutlich früher Kontakte zwischen den Bankhäusern als bisher bekannt. Demnach hat der Hamburger Vermögensverwalter Tilo Berlin offenbar bereits im November 2006 gegenüber Londoner Investoren die Chance angesprochen, die Kärntener Hypo-Bank relativ schnell an die BayernLB weiterverkaufen zu können. Das berichtet das manager magazin.

Berlin und der frühere BayernLB-Chef Werner Schmidt beteuern, erst 2007 über einen möglichen Kauf geredet zu haben. Ein Londoner Investor berichtete hingegen, Berlin habe ihm die BayernLB schon im November 2006 als möglichen Käufer genannt. Berlin ließ gegenüber manager magazin ausrichten, dies treffe nicht zu.

Mit den Umständen der Übernahme beschäftigen sich seit Monaten Staatsanwälte in Deutschland und Österreich. Die Ermittler gehen unter anderem der Frage nach, ob Schmidt einen zu hohen Preis bezahlte für die Kärntener Bank, die sich später als Sanierungsfall entpuppte. Der Verdacht lautet auf Untreue; die Ermittler gehen auch Hinweisen auf Korruption nach.

Vermögensverwalter Berlin spielt bei dem Deal eine Schlüsselrolle. Gemeinsam mit einer Gruppe von Investoren kaufte er ab Ende 2006 zunächst 25 Prozent der HGAA-Anteile und reichte das Aktienpaket dann im Mai 2007 mit einem hohen Aufschlag an die BayernLB weiter.

Sollte die BayernLB tatsächlich schon Ende November 2006 mit Berlin in Kontakt gestanden haben, wirft dies unter anderem die Frage auf, warum die Münchener Bank ihre Anteile an der HGAA nicht direkt von den Alteigentümern kaufte, sondern stattdessen den Umweg über Berlins Investorengruppe wählte. Direkte Verhandlungen mit den Alteigentümern hätten der Münchener Bank womöglich viel Geld erspart.

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