Sparpläne

Neuer Karstadt-Chef will nichts von Tabus hören

31. Juli 2014
Karstadt kämpft mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Die neue Führung will deshalb den Sparkurs intensivieren. Dass das Konzept "Warenhaus" noch nicht tot ist, zeigt Konkurrent Kaufhof.

Die neue Karstadt-Spitze stimmt Belegschaft und Öffentlichkeit auf einen harten Sparkurs ein. Finanzchef Miguel Müllenbach sagte dem "Handelsblatt" (Donnerstag), das Unternehmen habe im Geschäftsjahr 2012/2013 einen operativen Verlust von 124 Millionen Euro verbucht. Gleichzeitig sei der Umsatz von 2,9 Milliarden auf 2,7 Milliarden Euro gesunken. Der Sparkurs müsse deshalb intensiviert werden: "Dabei können wir uns keine Tabus mehr in der Hauptverwaltung, der Logistik oder den Filialen leisten." Auch die Tageszeitung "Die Welt" berichtete über die neuen Zahlen.

Müllenbach, der seit dem überraschenden Rücktritt von Eva-Lotta Sjöstedt zusammen mit Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz an der Spitze der Warenhauskette steht, betonte: "Unsere Betriebskosten waren und sind nach wie vor zu hoch für unser Geschäftsmodell." Er untermauerte damit frühere Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Fanderl. Dieser hatte "schmerzhafte Einschnitte" angekündigt: Alles müsse bei Karstadt auf den Prüfstand gestellt werden. Das Unternehmen mache sich "berechtigte Sorgen um die Profitabilität" von mehr als 20 Warenhäusern, hatte Fanderl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. Konkrete Schließungsbeschlüsse gebe es aber noch nicht.

Müllenbach räumte ein, dass die bisherigen Sanierungsbemühungen nicht die erhoffte Wirkung gehabt hätten. Außerdem leide Karstadt unter dem Siegeszug des Online-Handels - ohne selbst bislang vom Internetboom profitieren zu können. Dennoch sei das Unternehmen "keinesfalls chancenlos", wenn die erforderlichen schmerzhaften Maßnahmen so schnell und so gut wie möglich umgesetzt würden.

Der Manager betonte, Karstadt habe kein Liquiditätsproblem. Die finanziellen Mittel seien ausreichend, um handlungsfähig zu sein. Bereits im laufenden Geschäftsjahr erwarte das Unternehmen durch die bereits eingeleiteten Maßnahmen eine leichte Verbesserung des operativen Ergebnisses.

Dass das Warenhausgeschäft funktionieren kann, zeigt der zum Metro-Konzern gehörende Konkurrent Kaufhof, der in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2013/2014 bei einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 179 Millionen Euro erzielte, wie die Metro am Donnerstag mitteilte. (dpa/rs)

Kommentare zum Artikel

comments powered by Disqus
Zur Startseite