Finance IT


Avaloq-Vorstandschef Bittner

"Niemand wechselt mal eben ein Kernbanken-System aus"

12. August 2013
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die Avaloq Sourcing (Deutschland) AG, ein neues Joint Venture von der Berliner Quirin Bank und dem Schweizer Anbieter Avaloq, will nach eigenen Worten den deutschen BPO-Markt aufrollen. Der Dienstleister sieht sich in einer Linie mit SAP und Tata. Analysten sehen das anders.
Andreas Bittner steht an der Spitze der neuen Avaloq Sourcing. Sein Ziel: Den deutschen BPO-Markt aufrollen.
Andreas Bittner steht an der Spitze der neuen Avaloq Sourcing. Sein Ziel: Den deutschen BPO-Markt aufrollen.
Foto: Avaloq Sourcing Deutschland AG

Der britische Marktforscher Ovum hat den stark fragmentierten Markt für Kernbanken-Systeme unter die Lupe genommen. Die Analysten sehen große Namen wie den indischen Dienstleister Infosys, SAPSAP aus Walldorf und das Schweizer Unternehmen Temenos vorn, nicht jedoch lokale Anbieter wie Avaloq. Alles zu SAP auf CIO.de

Andreas Bittner beeindruckt das nicht. Bittner ist Vorstandschef der neu gegründeten Avaloq Sourcing AG, einem Joint Venture der Berliner Quirin Bank und des Schweizer Bankensoftware-Spezialisten Avaloq. cio.de sprach mit Bittner über die Konkurrenz und den deutschen BPO-Markt.

Der Markt für Bankensoftware

Mehrere hundert Anbieter tummeln sich auf dem Markt für Bankensoftware, darunter internationale Größen wie SAP, Infosys und Tenemos ebenso wie viele Lokalmatadore. Der britische Marktforscher Ovum beobachtet, dass Entscheider in Banken gern beim Hersteller vor Ort kaufen, weil sie diesem mehr Kompetenz in Sachen Compliance zutrauen - die Bankenbranche hat viele Regularien zu erfüllen. Die Analysten geben jedoch zu Bedenken, dass internationale Player über mehr technologische Stärke verfügen. Sie erwarten, dass diese Anbieter aufholen. Gute Chancen rechnet Ovum neben SAP, Infosys und Tenemos auch der US-Firma FIS und dem indischen Unternehmen TCS (Tata Consultancy Services) aus. TCS gab erst vor wenigen Tagen den Zukauf von ALTI bekannt. Der französische IT-Dienstleister bringt nach eigener Darstellung führende Unternehmen aus dem Banken- und Finanzsektor als Kunden mit.

cio.de: Herr Bittner, deutsche Banken sind nicht gerade für ihre Outsourcing-Affinität bekannt. Wie sehen Sie den Markt?

Andreas Bittner: Der Bedarf für Business Process OutsourcingOutsourcing ist im deutschen Markt vorhanden. BankenBanken müssen sich von Prozessen freimachen, mit denen sie sich nicht differenzieren können. Das ermöglicht ihnen, sich auf das Entwickeln neuer Produkte und die Kundenberatung zu konzentrieren. Kurz gesagt: den Krieg gewinnen Sie im Umsatz. Alles zu Outsourcing auf CIO.de Top-Firmen der Branche Banken

cio.de: Sie haben Konkurrenten wie SAP, Tata oder Lokalmatadore wie die DWP Bank.

Andreas Bittner: Die DWP-Bank zum Beispiel ist auf die Wertpapierabwicklung spezialisiert, wir bieten eine komplette und integrierte Abwicklung im Private Banking-Bereich an. Sie basiert auf der Avaloq Banking Suite. Und wir verfügen über hohe Sicherheitsstandards, denn wir sind und in Deutschland und die Daten bleiben in Deutschland.

cio.de: Wo sehen Sie Hemmnisse?

Andreas Bittner: Natürlich werden wir Überzeugungsarbeit leisten müssen. Niemand wechselt mal eben ein Kernbankensystem aus oder lagert Prozesse an einen externen Dienstleister aus. Outsourcing ist immer auch eine kulturelle Geschichte. Wir beobachten jedoch, dass der Druck auf Banken wächst, etwa durch immer mehr Regularien …

cio.de: … Allerdings sitzt Avaloq in der Schweiz und nicht im Euro-Zahlungsraum…

Andreas Bittner: Der Hauptsitz von Avaloq ist in der Schweiz, aber wir verfügen über 14 Niederlassungen in den anspruchsvollsten Finanzzentren und betreuen Kunden in über 25 Ländern. Avaloq hat beispielsweise Kunden in Deutschland, Liechtenstein und Spanien. Daher sind wir SEPA-fähig und können Banken fit machen für EU-Regularien. Diese Verantwortung übernehmen wir.

cio.de: Sind deutsche Banken als Kunden wesentlich anders als Schweizer?

Andreas Bittner: Nicht in ihren Ansprüchen an Datenqualität und Datensicherheit.

cio.de: Wie definieren Sie den Erfolg Ihres noch jungen Unternehmens?

Andreas Bittner: Wir wollen das durch uns betreute Volumen an Assets under Administration bis 2015 auf 30 Milliarden Euro verdreifacht haben. Unser Plan bis 2015 ist, mindestens drei weitere Mandanten unterschiedlicher Größe zu gewinnen.

Avaloq Sourcing (Deutschland) AG

Der BPO-Dienstleister Avaloq Sourcing (Deutschland) AG entstand Anfang 2013 als Joint Venture der Berliner Quirin Bank (49 Prozent) und dem Zürcher Bankensoftware-Hersteller Avaloq (51 Prozent). Das Unternehmen operiert nach deutschem Recht und sitzt in Berlin und Leipzig. Kunden der Avaloq Sourcing sind die Bank Julius Bär Europe AG, die Tradegate AG Wertpapierhandelsbank, die Bank Vontobel Europe AG, die V-Bank AG und die Quirin Bank AG. Zum Vorstandssprecher wurde Anfang März Andreas Bittner ernannt. Die Avaloq Sourcing bietet nicht nur Wertpapierabwicklung und Zahlungsverkehrsabwicklung an, sondern stellt auch komplette Bankensysteme bereit.