Umsatzeinbußen der IT-Anbieter

NSA-Skandal schadet der US-Industrie

06. Februar 2014
Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Große amerikanische IT-Firmen appellieren gemeinsam mit ihrem IT-Verband an die US-Politik, die NSA-Überwachung zu zügeln. Der Vertrauensverlust unter südamerikanischen und europäischen Kunden schade dem Geschäft.

Anfang dieser Woche haben die großen US-Internet-Companies die Zahl der Accounts veröffentlicht, die sie gegenüber dem Auslandsgeheimdienst National Security Agency (NSA) im ersten Halbjahr 2013 offengelegt haben. Das Recht zur Transparenz mussten sich AppleApple, LinkedInLinkedIn, FacebookFacebook, GoogleGoogle, LinkedIn, MicrosoftMicrosoft und Yahoo vor Gericht erstreiten, allerdings mit der Einschränkung, nur Tausenderblöcken anzugeben. Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de Alles zu LinkedIn auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

Demnach hat Yahoo auf Forderung des Spionagedienstes bis zu 31.000 Nutzer-Accounts offengelegt. Microsoft reichte bis zu 16.000 Nutzerkonten weiter. Google rückte weniger als 10.000 und Facebook maximal 6000 Mitgliederprofile heraus. Bei Apple und LinkedIn waren jeweils weniger als 249 Nutzer betroffen. Das ist gemessen an der Zahl der absoluten Nutzer und Kunden minimal, reicht aber aus, um das Vertrauen in die Dienste zu erschüttern.

"Made in USA" bedeutet heute: Misstrauen

Die jüngsten Nachrichten über das Überwachungsprogramm hätten einen falschen Eindruck über die US-Technology-Industrie hinterlassen und für einen Vertrauensverlust gesorgt, beklagte nun Dean Garfield, President und CEO des Branchenverbands Information Technology Industry Council (ITI). Die Wut über die NSA-Schnüffelei könnte der IT-Industrie zweistelligen Milliarden-Dollar-Summen kosten. Die USA benötigen eine öffentlichen Kurskorrektur für alle NSA-Aktivitäten, forderte Garfield gegenüber dem Justiz-Komitee des Repräsentantenhauses. "Made in the USA ist kein Markenzeichen mehr, sondern Quelle für Zweifel an Integrität und Unabhängigkeit der US-Technologie", warnte Garfield. "Viele Länder nehmen die NSA-Veröffentlichungen zum Anlass, Richtlinien für mehr lokale Dienste und für Protektionismus zu erlassen."

Den Kongress forderte Garfield auf, die NSA-Überwachung transparenter zu machen. Er müsse den Geheimdienste enger kontrollieren und einen Obmann einsetzen, der dafür sorge, dass die Bürgerrechte gewahrt bleiben. Zudem solle der Kongress zügig dafür sorgen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Das gelte insbesondere für den Standardprozess für die Verschlüsselung von Daten, den das National Institute of Standards and Technology (NIST) betreut, und der laut Edward Snowden vom NSA unterwandert wurde.

USA beklagen Protektionismus in Deutschland und Brasilien

Bis 2009 haben fast ausschließlich US-Firmen in Cloud-Infrastrukturen investiert. Das Gewicht verschiebt sich in den kommenden Jahren erheblich zu Investoren außerhalb der USA. Die Denkfabrik ITIF wertet die Entwicklung als Beleg dafür, dass der Einfluss der US-Firmen im weltweiten Cloud-Geschäft schwinden wird.
Bis 2009 haben fast ausschließlich US-Firmen in Cloud-Infrastrukturen investiert. Das Gewicht verschiebt sich in den kommenden Jahren erheblich zu Investoren außerhalb der USA. Die Denkfabrik ITIF wertet die Entwicklung als Beleg dafür, dass der Einfluss der US-Firmen im weltweiten Cloud-Geschäft schwinden wird.
Foto: ITIF

Weil erhebliche wirtschaftliche Schäden drohen, könnten die Warnungen der großen Internet-Firmen eher Gehör finden, als die Beschwerden ausländischer Regierungen und Politiker. Schon im vergangenen August, also wenige Wochen nach den ersten Snowden-Veröffentlichungen, bezifferte der in Washington ansässige Think-Tank ITIF (Information Technology and InnovationInnovation Foundation) die möglichen Umsatzeinbußen für die US-Anbieter auf 21.5 Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren. Alles zu Innovation auf CIO.de

Beispielhaft für protektionistische Tendenzen nennt das Papier "How Much Will PRISM Cost the U.S. Cloud Computing Industry?"die Bestrebungen deutscher Politiker und IT-Manager, den Einfluss der US-Firmen auf das europäische Cloud-Geschäft zu begrenzen. Dazu verweist die ITIF unter anderem auf Äußerungen vom damaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich sowie auf T-Systems-Chef Reinhard Clemens.

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