Rekordüberschuss

Ökostrom-Umlage soll sinken

08. September 2014
Gute Nachrichten für die Verbraucher in Deutschland: Die Ökostrom-Umlage wird 2015 wohl erstmals sinken. Damit könnte auch die Kostendebatte bei der Energiewende etwas versachlicht werden.

Die Verbraucher in Deutschland können auf einen leichten Rückgang der Stromkosten hoffen. Die Ökostrom-Umlage wird aller Voraussicht nach erstmals sinken - Grund ist ein Überschuss auf dem Umlage-Konto. Dieser stieg bis Anfang September auf 1,5 Milliarden Euro, trotz hoher Ausgaben für Solar- und Windstrom. Da die Umlage für das nächste Jahr auf Basis des Kontostands Ende September berechnet wird, gilt ein Sinken der Umlage als sicher.

Vertreter von Sozialverbänden forderten die große Koalition aus Union und SPD zum Handeln auf. "Die 1,5 Milliarden Euro müssen verwendet werden, um einkommensschwache Haushalte zu unterstützen, für die Strom mittlerweile zum Luxusgut geworden ist", meinte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider. Konkret fordere der Verband eine Reform des Wohngeldes und eine Neuregelung der Stromkostenübernahme bei Hartz IV-Haushalten.

Die Umlage für 2015 wird am 15. Oktober von den für die Verwaltung des Kontos zuständigen Übertragungsnetzbetreibern bekanntgegeben. Verbraucher und Wirtschaft zahlen die Umlage über den Strompreis. Diesen Einnahmen stehen die Milliardenausgaben für die Vergütung des produzierten Ökostroms gegenüber - Betreiber von Biogas-, Solar- und Windkraftanlagen erhalten auf 20 Jahre garantiert feste Vergütungen.

Vor einem Jahr war das Konto Anfang September noch 2,3 Milliarden Euro im Minus, es sind also nun 3,8 Milliarden Euro mehr auf dem Konto. Es sei nicht die Frage, ob die Umlage sinke, sondern wie stark, berichtete auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Kreise der zuständigen Netzbetreiber.

Seit 2010 ist die Umlage von zwei Cent auf netto 6,24 Cent je Kilowattstunde in diesem Jahr geklettert. Mit der im August in Kraft getretenen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die Förderkürzungen vorsieht, hat die Entwicklung kaum etwas zu tun - die Auswirkungen werden erst bei der Umlage 2016 sichtbar.

Das Plus hängt damit zusammen, dass nach dem Anstieg der Vorjahre ein Puffer eingebaut wurde. Nun könne sie bis auf 5,86 Cent sinken, errechneten Experten. Der Bundesverband Erneuerbare Energie machte Hoffnung auf eine dauerhafte Entspannung: "Jetzt beginnt die Phase der Normalisierung und Stabilisierung". Die Umlage macht derzeit 18 Prozent des Strompreises aus. Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt ohne Mehrwertsteuer knapp 250 Euro im Jahr an Ökostrom-Umlage, bei 3500 Kilowattstunden sind es 218 Euro. (dpa/rs)

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