Die wöchentliche CIO-Kolumne

Offshore-Outsourcing: Der Inder als Gehaltsbremse

19. Januar 2004
Von Thomas Zeller
Das Thema Offshore-Outsourcing sorgt in den deutschen Vorstandsetagen zurzeit für heftige Debatten. Eine Studie liefert nun wieder neuen Zündstoff. Demzufolge führt die Auslagerung von Jobs in Billiglohnländer zu deutlichen Gehaltsrückgängen bei den verbliebenen Angestellten.

Offshore-Outsourcing kostet nicht nur Jobs in den Industrieländern sondern führt nach einer Studie von Foote Partner LLC zu deutlichen Gehaltseinbußen in der IT-Branche. So sei das Einkommen der amerikanischen IT-Profis im vergangenen Jahr gegenüber 2001 im Durchschnitt um mehr als ein Fünftel gesunken. Selbst die Bezahlung für ausgesuchte Spezialisten habe sich in diesem Zeitraum um etwa elf Prozent reduziert.

Diese Studie, bei der 400 der größten amerikanischen Unternehmen befragt wurden, dürfte Wasser auf den Mühlen der Offshore-Gegner nicht nur in den USA sein. Dabei war es erst vor zwei Wochen zu einer überraschenden Übereinkunft zwischen Barclays und der britischen Bankengewerkschaft Unifi gekommen. Die Abmachung erlaubt die Verlagerung von Arbeitsplätzen in asiatische Niedriglohnländer. Im Gegenzug sicherte die Bank zu, den Arbeitsplatzverlust in Großbritannien zu minimieren. Diese Einigung könnte in der britischen Finanzindustrie Pilotcharakter bekommen, da auch VersicherungenVersicherungen wie beispielsweise Prudential aus Kostengründen weitere Jobs nach Asien verlagern wollen. Top-Firmen der Branche Versicherungen

Auch wenn in Deutschland die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer bei Fragen des OutsourcingOutsourcing wesentlich größer sind als in Großbritannien, forcieren die Firmen auch hier das Verlagern von IT-Jobs ins Ausland. So wird der Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer in verschiedenen MedienMedien mit der Aussage zitiert, dass in einigen Jahren etwa ein Drittel der Entwicklungsarbeiten für Siemens an Niedriglohnstandorten geleistet wird. Der Konzern setzt dabei vor allem auf Osteuropa. Hier gibt es gut ausgebildete Software-Entwickler zu einem Bruchteil der deutschen Kosten. Zudem befindet sich Siemens in guter Gesellschaft. So hat SAPSAP bereits angekündigt, einen Teil seiner Entwicklung, Buchhaltung und Kundenbetreuung in Ländern wie Russland, Indien oder China anzusiedeln. Alles zu Outsourcing auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de Top-Firmen der Branche Medien

Den deutschen IT-Profis bläst somit ein scharfer Wind ins Gesicht. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland kostet ein indischer IT-Profi rund 40 Dollar pro Arbeitsstunde, ein Spezialist eines deutschen Dienstleisters könne dagegen das Fünffache kosten. Das Preisargument zieht nicht nur hierzulande. Nach der Foote Partners-Studie gingen allein 2002 in den USA rund 540.000 Jobs in der IT-Industrie verloren. Dieser Trend hält nach Meinung der Analysten an. Bis 2006 könnte fast die Hälfte der amerikanischen IT-Jobs ins Ausland verlagert werden. Sichere Jobs gibt es zumindest mittelfristig nur in den Bereichen Systemarchitektur, Daten- und Prozessmodellierung. Außerdem würden die Bereiche Netzwerk-Administration, Sicherheit und Management von einem Unantastbarkeitsbonus profitieren, so die Untersuchung.

Doch nicht immer läuft das Offshore-Outsourcing so wie es soll. Kulturelle Unterschiede und Probleme mit der Kommunikation führen immer öfter zu gescheiterten Offshore-Projekten. CIOs geraten zudem ins Visier der Politik. So wird in den USA bereits darüber nachgedacht, der Verlagerung von hoch qualifizierten Arbeitsplätzen ins Ausland per Gesetz entgegenzutreten.

Mehr zum Thema Offshore-Outsoucing lesen Sie auch im nächsten CIO-Heft. Es erscheint am 2. Februar 2004.

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