IT-Manager wetten

Ohne Asien fehlen uns Fachkräfte

Ulrich Bäumer ist Partner im Fachbereich Informationstechnologie bei Osborne Clarke in Köln. Er berät die Mandanten der Kanzlei insbesondere in den Bereichen Informationstechnologie und (Offshore) Outsourcing. Er erstellt und verhandelt komplexe internationale IT Projektverträge - vor allem Outsourcing - und unterstützt die Technologiemandanten der Sozietät bei deren M&A Transaktionen.
Ulrich Bäumer, Partner bei Osborne Clarke wettet, dass asiatische Dienstleister in zehn Jahren 15 Prozent der Wertschöpfungskette in deutschen Unternehmen erbringen.
Ulrich Bäumer, Partner bei Osborne Clarke.
Ulrich Bäumer, Partner bei Osborne Clarke.
Foto: Osborne Clarke

In Deutschland droht ein massives Ressourcenproblem - nicht nur, aber vor allem im IT-Bereich. Wir alle kennen die mahnenden Botschaften und Hilferufe seit Langem. Nun werden die Auswirkungen spürbar: Schlichtweg weil Fachkräfte fehlen, kann mancher Auftrag nicht angenommen oder nur in Teilen erledigt werden. Dieses Problem des gravierenden Ressourcenmangels spitzt sich in den nächsten zehn Jahren dramatisch zu. Obwohl bekannt, sind durchgreifende Lösungen nicht in Sicht. Sowohl die Politik als auch die Unternehmen sind hier gefragt und müssen in den nächsten Jahren Antworten auf die drängenden Fragen finden. Ich wette, dass eine dieser Antworten die noch engere Einbindung asiatischer Dienstleister und der Aufbau eigener F&E-Abteilungen deutscher Unternehmen in Asien sein wird. Diese Einbindung wächst bis 2024 auf einen Anteil, der 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Die Ausgangslage

Im November 2010 gab der IT-Branchenverband Bitkom bekannt, dass aktuell circa 28 000 Arbeitsplätze für IT-Spezialisten unbesetzt sind. Zwei Jahre später lag die Zahl bereits bei rund 43 000. Mit anderen Worten: Binnen zwei Jahren kamen 15 000 offene Stellen hinzu. Rechnet man dies rein linear bis zum Jahr 2024 hoch, so würden nach dieser Berechnung in zehn Jahren bereits 133 000 IT-Stellen in Deutschland offen sein. Wohlgemerkt, dies ist eine rein lineare Hochrechnung der heutigen Zahlen und lässt die demografische Entwicklung, zu der ich später noch weiter ausführen werde, völlig außer Betracht.

Das CIO-Jahrbuch 2014.
Das CIO-Jahrbuch 2014.
Foto: cio.de

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Verlassen wir für einen Moment den klassischen Bereich der IT und wenden uns dem allgemeinen Ingenieurwesen zu. Im September 2011 veröffentlichte der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Kooperation mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln den Ingenieurmonitor. Danach hat die Zahl der offenen Ingenieurstellen im September 2011 mit 99 000 einen Höchststand erreicht. Der Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Hans-Peter Klös, kommentierte diese Daten wie folgt: "Auf jeden arbeitslosen Ingenieur kommen mehr als fünf offene Stellen. So eine große Lücke haben wir seit Beginn der Aufzeichnungen im August 2000 noch nie gesehen."

Zahl der Graduierten in IT und Ingenieurwesen in Europa.
Zahl der Graduierten in IT und Ingenieurwesen in Europa.
Foto: cio.de

Bei diesen Zahlen ist es kein Wunder, dass Bitkom-Präsident Dieter Kempf dieses Problem offen als "demografische Zeitbombe" betitelt. Nach den Berechnungen des Bitkom aus dem Jahr 2012 entgehen den ITK-Unternehmen jährlich rund elf Milliarden Euro an Umsatz durch den Mangel an Fachkräften und den Verlust von Mitarbeitern. Drei Viertel aller Mitarbeiter in den ITK Unternehmen sind zwischen 31 und 40 Jahre alt. Keine andere Branche hat seiner Ansicht nach auch nur entfernt vergleichbare Altersstrukturen. Dieser Bauch in der Alterspyramide wird sich Jahr für Jahr nach oben schieben.

So ist am Ende des Problemaufrisses nüchtern festzustellen, dass schon heute absehbar ist, dass die ITK-Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre die Hälfte aller Mitarbeiter ersetzen müssen - ein fast unmögliches Unterfangen. Besser sieht es auch nicht bei den Ingenieurberufen aus. Hier sind bereits heute 100 000 offene Stellen zu vermerken, und der Bedarf wird in der Zukunft um ein Vielfaches steigen.

Mögliche Lösungen

Es ist erstaunlich, dass die möglichen Lösungsansätze allesamt bekannt und diskutiert sind, jedoch in der Praxis wenig politischer oder unternehmerischer Wille zu erkennen ist, diese Lösungen umzusetzen. Trotz der offensichtlichen Dringlichkeit der Situation mahlen die Mühlen hier sehr langsam. Fakt ist, dass deutsche Unternehmen in den nächsten zehn Jahren in ausreichender Anzahl Ressourcen finden müssen, um die akquirierten Aufträge auch abarbeiten zu können.

Bereits heute kann laut einer Studie des Fraunhofer-IAO-Instituts jedes elfte Unternehmen in Deutschland personalbedingt Aufträge nicht zu Ende führen, und jedes zwölfte Unternehmen muss mit ansehen, wie Kunden wegen des Personalengpasses abwandern. In der gleichen Umfrage gaben 45 Prozent aller Unternehmen an, dass ihre Mitarbeiter infolge knapper Personalressourcen überlastet sind.