Analysten-Kolumne

Ohne SOA keine Industrialisierung?

23. April 2008
Von Martin Bettels
Service-orientierte Architekturen (SOA) werden mittlerweile nicht mehr nur diskutiert, sondern auch umgesetzt. Allerdings scheint den IT-Leitern erst jetzt richtig bewusst zu werden, wie stark SOA die Zukunft der IT beeinflussen wird: Bislang setzten viele IT-Verantwortliche auf Standard-Anwendungen eines Herstellers, um Integrationsprobleme zu vermeiden.
Capgemini-Vice President Martin Bettels: "SOA kann die Industrialisierung der IT beschleunigen."
Capgemini-Vice President Martin Bettels: "SOA kann die Industrialisierung der IT beschleunigen."

Die Ergebnisse der Capgemini Studie "IT-Trends 2008") zeigen, dass SOA diese Einstellung ändert. Immer mehr Unternehmen werden in Zukunft zusätzlich zum Standard auch Individual- und Best-of-Breed-Lösungen einsetzen, um Wettbewerbsvorteile durch individuelle Prozesse auszuschöpfen. SOA als Plattform hat aber noch einen anderen Effekt: die neue Freiheit treibt die Industrialisierung der IT voran.

Weniger Eigenleistung

Durch die Industrialisierung soll der Spagat zwischen niedrigen Kosten auf der einen Seite und hoher Qualität sowie Agilität auf der anderen Seite gelingen. Der Weg dorthin führt über die Verringerung der Eigenleistungstiefe, sprich die Auslagerung von Infrastruktur-, Applikations- und Geschäftsprozess-Management sowie Software-Entwicklung. Dafür benötigt das Unternehmen eine flexible Plattform, auf der sich Services verschiedener Partner aggregieren lassen. SOA liefert diese Grundlage, denn sie befreit sowohl Auftraggeber als auch Lieferant von den Problemen, die inkompatible Schnittstellen verursachen.

SOA als Drehscheibe für Prozesse

Die Ergebnisse der IT-Trends 2008 zeigen, dass die Eigenleistungstiefe bei der Software-Entwicklung in einigen Jahren bei zirka 25 Prozent liegen wird, im Anwendungs- und Infrastruktur-Management fällt sie unter 45 Prozent. Allerdings sind mit SOA noch andere Auslagerungs-Modelle denkbar: Anstatt klassische IT-Leistungen zuzukaufen ermöglicht sie beispielsweise, Geschäftsprozesse oder auch nur Teile davon extern abwickeln zu lassen.

Unter diesen Bedingungen kann sich die IT-Abteilung vom Vertragnehmer zum Generalunternehmer entwickeln. Als zentrale Instanz hält sie alle Fäden zu internen und externen Lieferanten in der Hand und steuert den Einkauf von Leistungen und Produkten. Ähnlich der Automobilindustrie kauft sie zu, was andere preiswerter und qualitativ hochwertiger anbieten können, und erbringt nur noch diejenigen Leistungen selbst, die zu kritisch oder zu kostenintensiv für die Auslagerung sind. Commodity wird standardisiert, Kernfunktionalitäten individuell ausgebaut.