Größere Rolle in Europa angepeilt

Orange macht Fortschritte

28. Juli 2015
Der französische Telekomkonzern Orange sieht sich nach dem ersten Halbjahr gestärkt und will künftig in Europa eine größere Rolle spielen.

Beim Umsatz hat der ehemalige französische Staatsmonopolist wieder festeren Boden unter den Füßen und profitiert von der Nachfrage nach Breitbandanschlüssen und mobilem Internet. Dem Unternehmen griff auch der günstige Euro unter die Arme, und beim Gewinn konnte das Management um Stephane Richard ebenfalls Fortschritte vorweisen.

Orange-Chef Stephane Richard
Orange-Chef Stephane Richard
Foto: Orange

Der Konzernchef verwies für das zweite Quartal am Dienstag stolz auf die Rückkehr zu Umsatzwachstum aus eigener Kraft, also ohne Zukäufe und Rückenwind vom Eurokurs - wenn man die Tarifkürzungen durch die Regulierungsbehörden herausrechnet. Nach dieser Sichtweise habe der Konzern erstmals seit 2011 wieder ein Plus erzielt. Damit folgt Orange den großen europäischen Konkurrenten Deutsche Telekom und Vodafone, die in den vergangenen Quartalen bereits auf den Wachstumspfad zurückgefunden hatten.

Für Orange gab es nun auch im wichtigen und umkämpften Heimatmarkt Anzeichen der Besserung - hier bröckelten die Erlöse im zweiten Quartal deutlicher weniger ab als noch in den ersten drei Monaten. Konzernweit lag der Umsatz mit 9,89 Milliarden Euro dank des günstigen Eurokurses ein Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um gut ein Prozent auf 3,29 Milliarden Euro. Mit beiden Werten schnitt das Unternehmen besser ab als von Analysten erwartet, die Prognose wurde bestätigt. Die Aktie legte in Paris am Vormittag um fast zwei Prozent zu.

Richard begründete das Abschneiden beim operativen Ergebnis unter anderem mit laufenden Kostensenkungen. Beim Nettoergebnis, das Orange nur halbjährlich ausweist, ergab sich nach dem ersten Halbjahr ein Sprung auf 1,10 Milliarden Euro - fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Das lag vor allem an einer höheren Gewinnausschüttung des britischen Gemeinschaftsunternehmens Everything Everywhere (EE), das Orange noch zusammen mit der Deutschen Telekom betreibt, aber an die britische BT Group verkauft. Eine geringere Steuerbelastung half zusätzlich.

Eingang zur Orange-Zentrale in Paris
Eingang zur Orange-Zentrale in Paris
Foto: Orange

Auch wenn Orange das Geschäft in Großbritannien zusammen mit der Telekom milliardenschwer an den Festnetzprimus BT abgibt: Die Franzosen wollen bei einer anstehenden Konsolidierung in Europa kräftig mitmischen, wie Finanzchef Ramon Fernandez im Interview des Finanzfernsehsenders Bloomberg sagte. Dazu könnten auch die Milliarden aus dem EE-Verkauf hilfreich sein. Rund 3,4 Milliarden Pfund (4,8 Milliarden Euro) will Orange dafür neben einer Aktienbeteiligung von vier Prozent an BT einstreichen.

Die jüngste größere Übernahme hatte sich Orange in Spanien mit dem Breitbandspezialisten Jazztel für 3,4 Milliarden Euro geleistet. Daneben ist das Management vor allem auch in Afrika und im Nahen Osten umtriebig: In Marokko baut Orange sein Engagement aus, und auch in Ländern wie Burkina Faso, dem Tschad und im Kongo stehen Zukäufe auf dem Plan. Seinen armenischen Mobilfunker will das Unternehmen hingegen abgeben. (dpa/tc)

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