CIO-Fortbildung

Organisationen gestalten statt Projekte managen

01. Oktober 2012
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
IT-Manager müssen den Blick fürs Ganze lernen und auch die menschliche Seite des Unternehmens verstehen. Prof. Dr. Martin Högl von der LMU München erläutert, weshalb auf der Karriereleiter Schluss ist, wenn diese Kompetenzen fehlen.

Wo beobachten Sie bei IT-Führungskräften besonderen Nachholbedarf?

Prof. Högl: Ich habe in meiner Forschungstätigkeit oft mit IT-Experten zusammengearbeitet, insbesondere im Bereich der Softwareentwicklung. Bei den Führungskräften aus der IT liegen die Defizite ganz ähnlich gelagert wie bei Topmanagern aus anderen Bereichen auch. Viele sehen sich sehr stark in einer funktionalen Rolle und optimieren zeitintensiv an dieser Rolle. Das geht dann oft ein Stück weit zu Lasten des Blickes auf die Gesamtorganisation und ihre strategischen und organisatorischen Fragen. Es ist nicht einfach, sich aus der funktionalen in eine ganzheitliche Unternehmensperspektive weiterzuentwickeln. Das ist jedoch kein IT-Problem, sondern der normale Wachstumsprozess in der Laufbahn einer Führungskraft.

Wie vielen Führungskräften gelingt die ganzheitliche Perspektive?

Prof. Dr. Martin Högl ist Vorstand des Instituts für Führung und Organisation an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.
Prof. Dr. Martin Högl ist Vorstand des Instituts für Führung und Organisation an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.
Foto: Prof. Högl

Prof . Högl: Da möchte ich mich mit einer prozentualen Angabe wirklich nicht aus dem Fenster lehnen. Aus seiner funktionalen Rolle herauszuwachsen, ist eine Herausforderung. Jeder Mensch verhält sich ein Stück weit so, dass er erst einmal das tut, was er schon immer getan hat. Denn das ist die Tätigkeit, bei der er sich sicher fühlt. Gerade in den frühen Berufsjahren hat die fachliche Komponente einen sehr starken Einfluss auf Karrieresprünge, doch das ändert sich.

Wie verändert sich das im Laufe der Karriere?

Prof. Högl: Je weiter man die Leiter nach oben klettert, desto wichtiger werden Führungskompetenzen. Der weitere Karriereerfolg hängt dann irgendwann nicht mehr davon ab, ob man seine technische Kompetenz noch weiter verbessern kann, sondern ob man StrategienStrategien versteht und mit Blick fürs Ganze gestalten kann. Kann man als Führungskraft starke Teams um sich herum schaffen, fördert das den Aufstieg. Man muss den Sprung vom Projektmanager zu einem Organisation Shaper mit Weitblick schaffen, wenn man auf der Karriereleiter weiter nach oben möchte. Der Seminartag im Rahmen des Leadership Excellence Programs soll auch dazu anregen, den Blick von technischen Fragen auf Themen wie das Zusammenspiel von Strategie und FührungFührung zu lenken. Alles zu Führung auf CIO.de Alles zu Strategien auf CIO.de

Beim angesprochenen Intensivseminar übernehmen Sie den Block mit dem Titel "Organisationen, Strategien und Menschen". Was verstehen Sie darunter?

Prof. Högl: Das Seminar soll bei den Teilnehmern Verständnis dafür wecken, welchen Einfluss die menschliche Seite des Unternehmens ausübt. Etwa auf Wettbewerbsvorteile, die das Unternehmen sich erarbeitet. Darüber hinaus geht es darum, welche Bedeutung die menschliche Seite des Unternehmens und mit ihr auch die Performance der Führungskraft in der Umsetzung von Strategien hat. Denn die Entwicklung einer guten Strategie ist eine notwendige Bedingung für den Erfolg. Aber ausreichend ist sie nicht.

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