Analysten-Kolumne

Outsourcing-Potenzial besser ausschöpfen

05. März 2008
Von Christoph Hölscher
"Nur wer sich verändert, bleibt sich treu": Diese Devise gilt auch - und in besonderem Maße - für Unternehmen und ihre IT-Landschaft. Und er gilt für das Outsourcing: Wer Prozesse 1:1 auslagert, verschenkt wertvolles Optimierungspotenzial.
Capgemini-Analyst Christoph Hölscher: "In der Frage des Outsourcings sollte man flexibel sein und Optimierungschancen nutzen."
Capgemini-Analyst Christoph Hölscher: "In der Frage des Outsourcings sollte man flexibel sein und Optimierungschancen nutzen."

Auch wenn in den vergangenen Wochen wieder über große aktuelle Outsourcing-Projekte berichtet wurde, hat die IT-Welt diesbezüglich sehr unterschiedliche Meinungen. Viele CIOs sehen in der Auslagerung eine einmalige Chance, Verantwortung zu delegieren, Kosten zu senken und sich selbst in der deutlich komfortableren Rolle des Kunden zu positionieren. Zugleich hofft man vom Know-how eines spezialisierten Dienstleisters zu profitieren und betont, dass die IT ja mitnichten das Kerngeschäft des Unternehmens ist: Das alles sind gute Gründe, den Schritt zum OutsourcingOutsourcing zu wagen. Alles zu Outsourcing auf CIO.de

In anderen Unternehmen hingegen fürchtet man einen Dienstleister, der das "Backbone" der Geschäftsprozesse und somit sehr viel Verantwortung übernimmt, um dann nach Vertragsabschluss die aktuelle Ist-Situation zu konservieren und zu wenig der Tatsache gerecht zu werden, dass die Unternehmensstrukturen immer stärkeren Veränderungen ausgesetzt sind. Man scheut das "Blackbox-Modell" der 1:1-Verlagerung der IT an einen externen Anbieter, da dieses häufig zu wenig die kontinuierliche Verbesserung des Prozesses oder eine Analyse, wie man IT zum Nutzen der Gesamtprozesse im Unternehmen verbessern kann, beinhaltet. Es steht also die Befürchtung im Raum, dass klassisches Outsourcing Veränderungs- und Verbesserungspotenzial verschenkt.

Die Kernfrage: Warum Outsourcing?

Beide scheinbar widersprüchlichen Sichtweisen haben einen wahren Kern. Und beide können sich auf Praxisbeispiele berufen. Welchen Schluss sollte der IT-Verantwortliche also ziehen - Outsourcing ja oder nein? Sicherlich muss man hier - je nach Erfahrungswert - differenzieren. Das ist ganz einfach. Es gilt nur eine einzige Frage zu beantworten: Was will man mit dem Outsourcing erreichen? Wenn die Antwort ausschließlich heißt: "Gleiche Dienstleistung zu geringeren Kosten" - dann kann ein klassisches IT-Outsourcing-Modell die Lösung sein. Lautet die Antwort hingegen: Wir wollen besser werden, dann sind erheblich größere Optimierungspotenziale zu erschließen, weil das Unternehmen die IT-gesteuerten Prozesse besser auf Marktsituationen abstimmen kann und in Zukunft effizienter und intelligenter arbeiten wird.

Verbindung von Business Consulting und Outsourcing

Beim Transformational Outsourcing ist das Delegieren des IT-Betriebs nur eine - wenn auch eine ganz wesentliche - Komponente. Die andere, ebenso wichtige, Komponente dieses Modells ist das klassische Business Consulting und die daraus abgeleitete Transformation der IT. Das bedeutet im Klartext: Bevor man Prozesse und die Betreuung der zugehörigen IT-Landschaft ausgliedert, prüft man, ob sie verbessert werden können. Nur so lässt sich das vorhandene Optimierungspotenzial bestmöglich ausschöpfen. Auch während der Laufzeit der Outsourcing-Vereinbarung sollte man Veränderungen der Prozesse und der korrespondierenden Systeme nicht nur einkalkulieren, sondern fördern. Ziel ist dabei die bessere Ausrichtung auf nachhaltiges Wachstum - mit anderen Worten: die Transformation von Prozessen nebst IT.