Zukunft von DHL

Post testet erstmals Paket-Drohne im Alltagsbetrieb

25. September 2014
Premiere an der Nordseeküste: Eine Paket-Drohne soll im Linienbetrieb eine Apotheke auf der Insel Juist beliefern. Die Post DHL testet, was künftig machbar ist.

Die Deutsche Post testet erstmals den Einsatz von Drohnen für die alltägliche Paketzustellung. Bis zum Jahresende soll ein sogenannter Paketkopter Medikamente von der niedersächsischen Hafenstadt Norden zu der "Seehund"-Apotheke auf der Nordsee-Insel Juist fliegen. Der Feldversuch sei weltweit einzigartig, sagte ein Sprecher des Paketdienstes DHL der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch.

"Wir sind im Bereich der Drohnen der erste gewerbliche, nicht-militärische Anwender, der im Pilotprojekt Paketkopter einen regulären Linienbetrieb unterhält", sagte Paketvorstand Jürgen Gerdes in einem dpa-Interview.

Erste Testflüge mit dem unbemannten Kleinfluggerät fanden nach Angaben der Deutschen Post DHL bereits vergangene Woche statt. Am Freitag soll der reguläre Lieferbetrieb mit der "Seehund"-Apotheke zu bestimmten Uhrzeiten aufgenommen werden, wenn das Wetter mitspielt.

Einen einmaligen Probelauf für die Paketzustellung per Drohne hatte DHL bereits Ende 2013 mit einem Flug über den Rhein absolviert. Bei dem jetzt eingesetzten unbemannten Fluggerät handelt es sich um eine Weiterentwicklung des damals benutzten Paketkopters. Er wurde mit Blick auf Flugdauer, Reichweite und Geschwindigkeit für den Einsatz bei Wind und Wetter an der Nordseeküste optimiert.

Die etwa zwölf Kilometer lange Distanz zur Insel legt der neue "DHL Paketkopter 2.0" völlig autonom - also ohne jeglichen Eingriff von außen - per Autopilot in etwa 50 Meter Höhe zurück. Je nach Wind soll er Nachmittags mit einer Geschwindigkeit von bis zu 18 Meter pro Sekunde unterwegs sein.

Allerdings verfolgt eine mobile Bodenstation von Norddeich aus jede Phase des Fluges, um in Notfällen eingreifen zu können. Für die 1,2 Kilo schwere Nutzlast wurde ein extrem leichter wetter- und wasserfester, tropfenförmiger Behälter entwickelt. Er ist unter der knapp fünf Kilogramm schweren Kohlefaser-Karosserie der Drohne befestigt, die über ihre vier Rotoren in der Luft gehalten wird.

Obwohl das behördliche Okay von der Flugsicherung, der Nationalparkverwaltung Wattenmeer und anderen Stellen für den mehrmonatigen Feldversuch vorliegt, muss aus Sicherheitsgründen aber jeder Flug noch einzeln angemeldet werden.

Neben der Deutschen Post DHL und dem Drohnen-Hersteller Microdrones ist für die wissenschaftliche Begleitung auch das Institut für Flugsystemdynamik der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) an dem Test beteiligt. "Erstmals darf mit dem DHL Paketkopter ein unbemanntes Luftfahrzeug außerhalb der Sichtweite des Piloten in der realen Welt eine Transportaufgabe erledigen", betonte der für die technische InnovationInnovation zuständige Paketvorstand Gerdes. "Das ist ein regulärer Flugbetrieb." Alles zu Innovation auf CIO.de

Konkrete Pläne für den regulären Betrieb derartiger Drohnen hat DHL nach eigenen Angaben aber noch nicht. DHL schließt allerdings deren Einsatz in dünn besiedelten oder schwer erreichbaren Gebieten künftig nicht aus - vorausgesetzt er ist ökonomisch sinnvoll und technisch machbar. "Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung nimmt täglich zu. Heute kann kaum noch jemand ohne Smartphone und Tablet leben - vor wenigen Jahren waren diese Geräte völlig unbekannt, weil nicht existent. Insofern geht es manchmal sehr viel schneller, als man am Anfang glaubt", sagte Gerdes.

Auch der Online-Handelsriese AmazonAmazon arbeitet daran, künftig mit unbemannten Fluggeräten Pakete auszuliefern. Der US-Konzern GoogleGoogle will neben kleinen Paket-Drohnen mit Hilfe großer Fluggeräte Internet in entlegene Gebiete bringen. FacebookFacebook hat ähnliche Pläne. (dpa/rs) Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de