Richtig verkabeln

Ratgeber zum Thema LAN

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Sie sind heute die Lebensadern moderner Unternehmen - die LANs. Wird hier bereits beim Verkabeln geschlampt, dann sind Probleme mit Echtzeit- oder Multimedia-Anwendungen fast unausweichlich.
Ein solide geplante Netzinfrastruktur ist die Grundlage für eine leistungsfähige IT.
Ein solide geplante Netzinfrastruktur ist die Grundlage für eine leistungsfähige IT.

Sie liegen gut verborgen in Unterböden oder Zwischendecken und werden oft vergessen. Dabei sind die Kupferkabel und Glasfaser die zentralen Informationskanäle in der vernetzen Arbeitswelt und Gesellschaft. Egal ob Voice over IP, Video on Demand, Echtzeitanwendungen für Verkauf und Produktion - ohne eine leistungsfähige Infrastruktur, die mittlerweile Daten im Gigabit-Tempo weitertransportieren muss, funktioniert nichts.

Vor diesem Hintergrund erscheint es unverständlich, warum gerade das Thema Verkabelung so stiefmütterlich behandelt wird. Aber vielleicht liegt es wirklich daran, dass die Kabel nicht sichtbar sind und sich viele IT-Entscheider darüber auch keine Gedanken mehr machen - denn schließlich werden Büroimmobilien heute ja mit passiver LAN-Infrastruktur vermietet. Diese Laissez faire Haltung rächt sich spätestens dann, wenn die Infrastruktur angesichts neuer Anforderungen wie 10 Gigabit Ethernet über Kupfer, IP-Multimedia-Services oder etwa Power over Ethernet schlapp macht, weil bei der Installation am falschen Ende gespart wurde. Grundsätzlich sollte eine Netzplanung so aussehen, dass die Kabel auch bei steigenden Anforderungen für die nächsten zehn bis 20 Jahre genügend Reserven bieten.

Planung beginnt im Rohbau

Dabei beginnt - was viele nicht wissen - aufgrund der deutschen Vorschriften eine solide Netzplanung schon vor dem Bau eines Bürogebäudes. Wer nämlich später, etwa bei 10 Gigabit Ethernet über Kupfer, geschirmte Kabel einsetzen will, muss die Schirmung mit dem Erdpotenzialausgleich des Gebäudes verbinden. Im Gegensatz zu früher genügt hierfür ein einziger Punkt nicht. Deshalb ist beispielsweise bereits beim Bau darauf zu achten, dass die Stahlmatten elektrisch miteinander verbunden (also etwa verschweißt) werden, um später möglichst viele Punkte für einen Potenzialausgleich errichten zu können.

Ebenfalls bereits im Rohbau wird der Grundstein für einen anderen Teil der Netzinfrastruktur gelegt - die Schächte für Steigleitungen. Entweder werden diese sehr geräumig konzipiert, oder es muss hier später zwangsläufig zur Glasfaser gegriffen werden. Da in diesem Bereich Geschwindigkeiten im Gigabit-Ethernet-Bereich genutzt werden, muss der Anwender nämlich die physikalischen Feinheiten der Hochfrequenztechnik berücksichtigen. Nur ein Beispiel: Bei 10-Gigabit-Ethernet, das auch über ungeschirmte Kabel realisierbar ist, treten bereits Frequenzen von bis zu 500 Megahertz auf. Entsprechend groß ist die Gefahr eines "alien crosstalk" (Übersprechens).

Deshalb schreiben die Verlegevorschriften auch einen ausreichend großen Abstand zwischen zwei 10-Gigabit-Ethernet-Kabeln vor. Das gilt auch gegenüber Starkstromkabeln, da diese häufig als Störer fungieren. So weit die Theorie - weil in der Praxis diese Anforderungen aufgrund der beengten Verhältnisse in den Steigschächten in der Regel nicht zu erfüllen sind, führt hier eigentlich kein Weg an Glasfasern vorbei. Apropos Kabelschächte: Im Alltag sind immer wieder schön geordnete Kabelbündel anzutreffen, bei denen die Ethernet-Kabel parallel zueinander geführt werden. Das sieht zwar ordentlich und strukturiert aus, ist aber hinsichtlich der Übertragungssicherheit kontraproduktiv. Um ein Übersprechen möglichst wirkungsvoll zu vermeiden, müssten die Kabel dieser Stränge eigentlich miteinander verseilt werden.