Expert bedient sich

Rewe teilt Elektroniktochter ProMarkt

09. Juli 2013
Der Handelsriese Rewe will seine Elektroniktochter ProMarkt verkaufen - allerdings kommt ein Komplettverkauf nicht zustande. Als erster Konkurrent sucht sich Expert passende ProMarkt-Filialen aus.

Aus dem scharfen Preiskampf bei Fernsehern, Computern und Telefonen zieht sich der Handelsriese Rewe nach hohen Verlusten jetzt scheibchenweise zurück. Der Kölner Konzern will fast ein Drittel des Filialnetzes seiner Tochter ProMarkt mit insgesamt rund 420 Arbeitsplätzen bis Ende Oktober an die Expert-Gruppe überführen.

Rewe-Vorstand Frank Wiemer zeigte sich bei der Bekanntgabe des Vertrages am Dienstag sehr zuversichtlich, dass in den kommenden Wochen weitere Teile von ProMarkt verkauft werden können. Bei der Prüfung von Verkaufsmöglichkeiten für ProMarkt-Filialen werde der Übernahme von Mitarbeitern eine große Bedeutung beigemessen.

Rewe hatte Mitte Mai zum Rückzug aus dem hartumkämpften Markt für Unterhaltungselektronik geblasen. Mit der Vereinbarung mit Expert, für die noch grünes Licht des Bundeskartellamtes benötigt wird, ist ein Komplettverkauf von ProMarkt nun endgültig vom Tisch. Die Rewe- Tochter verfügte zuletzt über 54 Filialen und rund 1300 Mitarbeiter.

Deutschlands zweitgrößter Elektronikhändler Expert weitet trotz des Internet-Booms sein Ladennetz aus. Zu der Verbundgruppe gehören derzeit 232 Mitglieder mit insgesamt 450 Fachmärkten. In dem seit April laufenden Geschäftsjahr 2013/14 sollte bereits ohne den jetzt bekanntgegeben Zukauf die Fachmärktezahl um mindestens 19 steigen.

Im Detail werden die ProMarkt-Filialen in Altenkirchen, Augsburg, Bad Salzuflen, Bad Säckingen, Bonn, Dormagen, Euskirchen, Gersthofen, Göttingen, Kronach, Mayen, Memmingen, Mindelheim, Montabaur, Weißenburg und Wittlich in das Eigentum von neun selbstständigen Unternehmern überführt, die zur Expert-Verbundgruppe gehören.

Zum Verkaufspreis machten Rewe und Expert keine Angaben. Damit blieb unklar, ob Rewe letztlich Geld behält. Beobachter halten es für möglich, dass gutlaufende Läden Geld einbringen, bei anderen Filialen beispielsweise mit Investitionsbedarf aber Geld gezahlt werden muss.

Rewe-Vorstand Wiemer hatte die Rückzugsabsicht im Mai mit einem verschärften Wettbewerb und dem boomenden Internethandel begründet. "Perspektiven für eine profitable Zukunft des stationären Geschäfts von ProMarkt sind derzeit auch mittelfristig nicht gegeben", erklärte er damals. Kerngeschäfte der Rewe sind Lebensmittel und Reisen.

Der Umsatz von ProMarkt war 2012 um 15,5 Prozent eingebrochen. 2011 war er um 3,8 Prozent auf knapp 600 Millionen Euro gesunken. Zur Höhe der Verluste machte Rewe keine Angaben. Nach Informationen der "Lebensmittel Zeitung" sind derzeit zwei weitere Handelsgruppen im Gespräch mit Rewe über ProMarkt-Filialen. Sie hatte kurz vor der Rewe online über den Verkauf der 16 ProMarkt-Filialen an Expert berichtet. (dpa/rs)

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