Wertstoffe werden verunreinigt

RFID-Chips gefährden Müllentsorgung

29. November 2007
Von Nicolas Zeitler
Der zunehmende Einsatz von RFID-Chips könnte Müllentsorgung und Recycling gefährden. Vor allem in der Automobil-Branche, dem Handel und im Verkauf von Eintrittskarten dürfte der Einsatz von Etiketten zur Radiofrequenz-Identifikation in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Diese Entwicklung führt unvermeidlich zu einem Versagen der Müllsortierung, Schäden an den Sortieranlagen und zur Verunreinigung von Wertstoffen, wenn keine Vorkehrungen getroffen werden. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Dortmund in einer Studie fürs Bundesforschungsministerium.
Eine Umfrage des Informationsforums RFID bescheinigt der Technologie großes Potenzial in verschiedensten Wirtschaftsbereichen.
Eine Umfrage des Informationsforums RFID bescheinigt der Technologie großes Potenzial in verschiedensten Wirtschaftsbereichen.
Foto: BMBF

Die Wirtschaftsingenieure aus Dortmund stellen der RFID-Technologie für die kommenden Jahre ein starkes Wachstum in Aussicht. An immer mehr Produkten würden die Chips angebracht - und letztlich auch mit ihnen entsorgt. Ein Grund für diesen Boom liegt im stetig sinkenden Preis für das einzelne Einweg-Tag. Sollten in Deutschland einmal alle Verkaufsverpackungen, die über das Duale System entsorgt werden, mit RFID-Chips bestückt sein, würden auf diesem Wege Jahr für Jahr 200 Milliarden Tags in Umlauf kommen. Als Zugpferde für den verstärkten RFID-Einsatz sehen die Wissenschaftler neben dem HandelHandel die Automobil-Branche und das Ticketing. Top-Firmen der Branche Handel

Für alle drei Branchen wurden für die Studie jeweils ein konservatives und ein Hightech-Szenario erstellt, das die Situation im Jahr 2011 abbilden soll. Für das Hightech-Szenario im Handel erwarten die Autoren, dass bis 2011 jede zehnte Verpackung mit einem RFID-Tag versehen ist. Insgesamt sei mit 15 Milliarden Transpondern unterschiedlicher Bauweise zu rechnen. 1.900 Tonnen Kupfer, 570 Tonnen Aluminium und 2.200 Tonnen Silberleitpaste gelangten mit den Verpackungen in den Müll. Sollte das konservative Szenario eintreten, würden sich diese Zahlen auf ein Drittel verringern.

Für die Automobil-Branche ist im Falle des Hightech-Szenarios mit bis zu 500 RFID-Chips pro Fahrzeug zu rechnen. RFID-Chips werden hier vermehrt zum Einsatz kommen, um zum Beispiel Originalteile von Fälschungen zu unterscheiden. Fälschungen zu vermeiden ist auch ein Motiv für die Verwendung von RFID-Tags in Eintritts- oder Fahrkarten. Im Hightech-Szenario der Studie wird mit 16 Milliarden Transpondern für das Jahr 2011 gerechnet. Die in den Chips verwendete Silbermenge beträgt 28 Tonnen. Sammel- und Aufbereitungsprozesse sind hier nach Ansicht der Autoren unabdingbar. Denn bei einem Wegwerfsystem würde der Silberbedarf derart ansteigen, dass die Rohstoffpreise in Höhen kletterten, die den Einsatz der Chips auf lange Sicht unwirtschaftlich machen.

Für ihre Studie haben die Autoren auch die Müllentsorgung untersucht. Es zeigte sich eindeutig, dass die Entwicklung beim Einsatz von RFID-Tags die Entsorgung und Wiederverwertung von Abfällen stark beeinträchtigen wird, sollten nicht Vorkehrungen getroffen werden. In Gesprächen mit Branchen-Vertretern habe sich indes gezeigt, dass diese Problematik den meisten noch gar nicht bewusst sei, betonen die Wissenschaftler. Heute gibt es allerdings noch kaum schwerwiegende Auswirkungen auf die Müllentsorgung, weil bisher vor allem Mehrweg-Transponder eingesetzt werden.

Zur Startseite