Deutsche Unternehmen kaufen vorzugsweise im Inland ein

Risiken bei der Beschaffung aus Niedriglohnländern

07. September 2005
Von Dorothea Friedrich
Die Beschaffung von Waren und Dienstleistungen aus Niedriglohnländern steigt weiter an. 2010 werden IT-Verantwortliche 23 Prozent ihres Elektronik-Bedarfs über Low-Cost Country Sourcing (LCCS) decken. Der Grund ist ein hohes Sparpotenzial beim Bezug von Waren, aber auch von Dienstleistungen. Dem stehen jedoch eine Reihe von Risiken gegenüber, die die Spareffekte zunichte machen können, wie eine Studie der European Business School im Auftrag des Software-Herstellers Ariba herausfand. Deshalb bleibt der inländische Markt das bevorzugte Beschaffungsterrain für deutsche Unternehmen.

Bis zu 40 Prozent Einsparmöglichkeiten bei Waren und bis zu 60 Prozent bei Dienstleistungen klingen angesichts knapper IT-Budgets für manchen IT-Entscheider oder Einkäufer im Unternehmen nur allzu verlockend. Zumal inzwischen die Qualität der aus Niedriglohnländern bezogenen Waren durchaus konkurrenzfähig ist. Die Befragten stuften "qualitätskritische Güter" als "ziemlich gut geeignet" für den Export aus LCCSs ein.

Doch politische Instabilität in den Beschaffungsländern, Steigerung des Preisniveaus, aber auch Kriminaliät und Korruption sind für die Befragten Unwägbarkeiten, die eine erfolgreiche LCCS-Strategie in Unternehmen zunichte machen können.

Auch qualitativ hochwertige Güter lassen sich mittlerweile durch LCCS beschaffen. (Quelle: European Business School)
Auch qualitativ hochwertige Güter lassen sich mittlerweile durch LCCS beschaffen. (Quelle: European Business School)

Mag sein, dass die deutschen Studienteilnehmer deshalb nach wie vor am liebsten in Deutschland einkaufen. 53 Prozent setzen beim Bezug von direkten Gütern auf inländische Lieferanten. Beim Erwerb von indirekten Gütern, also Waren und Dienstleistungen für Wartung, Reparatur und Betrieb, sind es sogar 69 Prozent.

Weder Einkaufsverantwortliche noch CIOs wollen in den kommenden fünf Jahren daran besonders viel ändern. Auf 50 beziehungsweise 67 Prozent soll der Anteil der in Deutschland einkauften direkten und indirekten Güter bis 2010 zurückgehen. Die Studie folgert daraus, dass "die Diskussion über eine Offshoring-Welle in Deutschland möglicherweise etwas übertrieben" ist.