Public IT


6 wichtige Schritte

Roadmap zur Digitalisierung von Stadtwerken

19. August 2016
Dr. Lars Schatilow ist selbstständiger Unternehmensberater und Gründer der Marke BUTRAN Business Transformation. Er war Mitglied im acatech-Expertenbeirat "Smart Service Welt" und ist Gründer eines code_n Start-up. Schatilow hat zum Thema Geschäftsmodell-Innovation die Hightech-Strategie der Bundesregierung begleitet. Als Berater unterstützt er Unternehmen bei ihrer digitalen Business Transformation.
Die meisten Stadtwerke befinden sich in einer Phase der Restrukturierung. Mitarbeitern und Führungskräften wird viel abverlangt, Zeit und Mittel für digitale Strategien bleiben da kaum. Doch der Bürgermeister erwartet von der Geschäftsführung Vorzeigeprojekte.
Digitalisierung in der Stadt: Bis alles miteinander vernetzt ist, dauert es noch viele Jahre.
Digitalisierung in der Stadt: Bis alles miteinander vernetzt ist, dauert es noch viele Jahre.
Foto: Ekaphon maneechot - shutterstock.com

Der Alltag der Menschen in den Städten und GemeindenGemeinden ist digitalisiert: Wartende an Haltestellen oder in Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs verbringen ihre Zeit mehrheitlich in der Online-Welt. Und zu Hause in den Familien sind internetfähige Endgeräte im Dauereinsatz. Alles zu Public IT auf CIO.de

Die kommunalen Versorgungs- und Dienstleistungsunternehmen haben auf den Grad der DigitalisierungDigitalisierung ihrer Endkunden bislang kaum reagiert. Intelligente Dienste fehlen. Das Internet der Dinge hat weder in Straßen, Laternen, in Bussen und Bahnen oder in Kraftwerken großflächig Einzug gehalten. Dies liegt vor allem an dem Druck, der sich in den vergangenen Jahren aus Wettbewerb und Regulierung ergeben hat. Die meisten Stadtwerke befinden sich in einer Phase der Restrukturierung, die Mitarbeitern und Führungskräften viel abverlangt. Zeit und Mittel für Zukunftstechnologien und (digitale) Strategieprozesse bleibt da kaum. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Für die Digitalisierung von Städten und Gemeinden sind Stadtwerke jedoch zumeist das Vehikel für die Umsetzung. Als Anteilseigner sind Bürgermeister, Stadt- oder Gemeinderäte im Aufsichtsrat vertreten. Sie haben zwar das Interesse daran, der Wirtschaftlichkeit der Stadtwerke durch Restrukturierungen zu erhöhen. Doch auf der anderen Seite benötigen sie rasch Vorzeigeprojekte, um die Zukunftsorientierung der Politik öffentlichkeitswirksam zu beweisen, den Megatrend "Digitalisierung" zu bedienen sowie die Standortattraktivität zu erhöhen.

Schritt I: Interessen sondieren, Wissen aufbauen und Vision entwickeln

Die Entwicklung einer Strategie zur Digitalisierung von Stadtwerken beginnt daher mit der Sondierung der Interessen der Anteilseigner. Welche Rolle soll das kommunale Unternehmen bei der Digitalisierung der Stadt einnehmen? Was sind die Erwartungen des Bürgermeisters sowie der relevanten, lokalen politischen und medialen Meinungsführer?

Bei diesem Vorgehen wird man allerdings schnell feststellen, dass die kommunalen Anteilseigner keine klare und einheitliche Vorstellung von der Digitalisierung haben. In den meisten Städten und Gemeinden gibt es keine gemeinsam geteilte digitale Vision.

Das Stadtwerk muss daher den Anspruchsgruppen zunächst die Weitsicht ermöglichen und ein Zukunftsbild des digitalen Zeitalters entwickeln, das fasziniert und greifbare Chancen für die Stadt sichtbar macht. Durch diese Aufgabe kann das Stadtwerk den Handlungsrahmen für die digitale Transformation von Beginn an erweitern.

Dazu bieten sich Learning Journeys zu branchen-internen und -übergreifenden Startups, der fachkundige Austausch mit Experten und "digitalen Pionieren", Szenario-Workshops, Vorträge sowie die Bereitstellung von Studienergebnissen aus dem internationalen Digital-Urban-Innovation-Scouting (strategischer Foresight) an.

Neben den externen Stakeholdern des Stadtwerks ist es ebenfalls erforderlich, die internen Anspruchsgruppen am Wissensaufbau zu beteiligen. Geschäftsführer und Führungskräfte brauchen Unterstützung, um sich der Digitalisierung annähern und sich mit Vorgehensweisen und Geschäftsmodellen anzufreunden, die teilweise fernab der klassischen Managementpraxis sowie der bisherigen Wertschöpfung liegen.

Vor allem die Learning Journeys, verbunden mit Unterbrechungen zum intensiven Durchdenken und Verstehen, können dabei als besonders wirksam erachtet werden. Abschließend ist es wichtig, das gemeinsame Zukunftsbild im Rahmen eines Workshops an die Wand zu werfen (Digital Public Utility Canvas), um die gemeinsame Vorstellung zu definieren, zu teilen und Projekte entwickeln zu können, die der Verwirklichung des Bildes Rechnung tragen.