Fundgrube Müllkippe

Rohstoff-Suche im Abfall könnte sich bald lohnen

24. Januar 2014
Ob wertvolles Kupfer oder Seltene Erden - auf alten Mülldeponien in Deutschland lagern so manche Schätze. Wenn die Preise für diese Rohstoffe wieder anziehen, dürfte sich die Suche danach rechnen.

Der weltweite Rohstoffhunger könnte Müllkippen zu Goldminen der Zukunft machen. Jahrzehntelang landeten wertvolle Metalle wie Kupfer, Eisen und Aluminium, aber auch hochwertige Kunststoffe achtlos im Hausmüll und danach auf Deponien im ganzen Land. Das ist Vergangenheit, denn offene Mülldeponien, auf denen der Abfall früher unsortiert auf einen Haufen geworfen wurde, sind seit 2005 verboten. Seit einiger Zeit werden die Deponien nun von Wissenschaftlern und Unternehmen mit viel Aufwand unter die Lupe genommen. Die Spezialisten wollen die Rohstoffe wieder aufspüren und die Chancen für eine wirtschaftlich lohnende Rückgewinnung ausloten.

Deutschlandweit fünf Deponien haben verschiedene Teams in den vergangenen Jahren erkundet und auf ihren Wertstoffgehalt untersucht, in Europa seien es etwa 20, sagt Stefan Gäth von der Universität Gießen. Der Professor für Abfall- und Ressourcenmanagement hat drei solcher Vorhaben wissenschaftlich begleitet. Je nach Beschaffenheit und Zielsetzung kostet so ein Projekt im Schnitt zwischen 50.000 und 500.000 Euro, sagt Gäth.

Weil die Rohstoffpreise künftig weiter zulegen dürften, könnte sich das Einsammeln und Wiederverwerten nach seiner Einschätzung in etwa zehn bis 20 Jahren rechnen. Die auf Deponien im ganzen Land lagernden Mengen an Eisen, Kupfer und Aluminium könnten reichen, um den deutschen Bedarf ein bis zwei Jahre lang zu decken, glaubt Gäth. Und ganz nebenbei dürfte auch die Umwelt vom Rückbau manch alter Müllkippe profitieren.

Dabei gilt: Deponie ist nicht gleich Deponie. Je nach Nutzungsdauer und Umfeld finden sich auf den Müllhalden ganz unterschiedliche Wertstoffe in verschiedener Konzentration. Hausmüll etwa habe einen vergleichsweise hohen GehaltGehalt an Wertstoffen, sodass die Ausbeute selbst bei kleinen Müllhalden an Ortsrändern ordentlich ausfallen könne, sagt Gäth. Aber auch Deponien in der Umgebung von Industrie-Anlagen seien oft vielversprechend. Alles zu Gehalt auf CIO.de

Regional betrachtet werden die Experten auf Deponien im Westen Deutschlands häufiger fündig, als in den neuen Ländern. Das liegt nicht nur am früher unterschiedlichen Konsumverhalten in der Bundesrepublik und der DDR, sondern auch daran, dass der Recycling-Gedanke im Osten früher etabliert war als im Westen, sagt ein Sprecher des Entsorgungsunternehmens Tönsmeier aus Porta Westfalica in Nordrhein-Westfalen.

Als Konsortialführer erkundet die Firma seit Anfang 2013 eine Deponie im Kreis Minden-Lübbecke. 8.000 Tonnen Deponat hat Tönsmeier eingesammelt und untersucht, um zu klären, ob sich daraus Wertstoffe gewinnen lassen und welche technischen Voraussetzungen dafür nötig sind. Und genau hier liegt ein springender Punkt: "Viele Aufbereitungsanlagen sind allenfalls bedingt dazu geeignet, die unbehandelten Abfälle in der gewünschten Qualität und Genauigkeit zu trennen", sagt Michael Krüger, Leiter Forschung & Entwicklung bei Tönsmeier. Die Verschmutzung, Verdichtung und Vermischung des lange abgelagerten Abfalls stelle die hochsensible Technik moderner High-Tech-Anlagen vor Probleme.

So aufwendig das Aufspüren und das Sichten der Abfälle aber auch ist - noch schwerer zugänglich sind die Schätze, die bei vielen Verbrauchern zu Hause schlummern: Experte Gäth beispielsweise geht davon aus, dass alleine in Deutschland bisher rund 200 bis 300 Millionen ausrangierte Handys, die unter anderem Gold, Silber und Seltene Erdenmetalle enthalten, in den Schubladen ihrer Besitzer statt in der Wertstoffsammlung gelandet sind. Um an solch wertvolle Stoffe leichter wieder heranzukommen, sollten effizientere Pfand- und Leasingsysteme oder Leihverbünde entwickelt werden, sagt auch Georg Mehlhart vom Öko-Institut in Darmstadt.

Aber auch viele Unternehmen tüfteln angesichts steigender Kosten zunehmend an StrategienStrategien, um wertvolle Rohstoffe einzusparen oder effizienter zu nutzen. Der Elektrokonzern Siemens etwa entwickelt Methoden zur Wiederverwertung von Magneten für Elektromotoren, die in der Prozesstechnik eingesetzt werden. Zusammen mit Partnern arbeitet Siemens aber auch an Verfahren, um Carbonfasern aus Verbundwerkstoffen wiederzugewinnen. "Das Bewusstsein für Kosten- und Einsparpotenziale ist sehr gewachsen", sagt Siemens-Experte Gotthard Rieger. (dpa/rs) Alles zu Strategien auf CIO.de

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