Funkstandard Tetra

Rundum sicher

04. April 2005
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Der digitale Funkstandard Tetra soll dem veralteten Betriebsfunk den Garaus machen. Der Bündelfunk ist abhörsicher, schnell und überträgt gleichzeitig Daten und Sprache in hoher Qualität. Im neuen Münchener WM-Stadion laufen die ersten Tests.

Analoger Betriebsfunk ist ein Auslaufmodell. Auf dem Gelände vieler Firmen verrichten veraltete Systeme die Funkversorgung: Der Pförtner koordiniert über ein großes Schaltpult den Werkschutz, das Schutzpersonal spricht über anfällige Analogfrequenzen miteinander.

Die oft mehr als 20 Jahre alten Anlagen entsprechen nicht mehr den Anforderungen: Kosten für Energie und Instandhaltung der alten Anlagen steigen fortlaufend, die Teilnehmeranzahl lässt sich häufig nicht mehr erweitern, Komfort und Handhabung lassen zu wünschen übrig. Vor allem die mangelnde Abhörsicherheit und IT-Integrationsfähigkeit macht Unternehmen zunehmend zu schaffen. "Zwar reichen die analogen Endgeräte vielfach noch für Sprache und für einfache Datenübertragung ohne Anspruch an Sicherheit", so Jan Steuer, Geschäftsführer der Garbsener IuK-Beratungsgesellschaft DOK Systeme. "Häufig steckt jedoch ein erheblicher Instandhaltungsaufwand hinter dem Betrieb der alten Technik."

Der Bündelfunk Tetra (Terrestrial Trunked Radio) soll den Analogsystemen ein Ende bereiten. Der vom europäischen Normierungsinstitut ETSI standardisierte Bündelfunk für geschlossene Nutzergruppen bietet vieles von dem, was dem Analogfunk fehlt: Sicherheit, Komfort sowie Sprach- und Datenkommunikation. Das Kölner Energieversorgungsunternehmen GEW Rhein-Energie war von der Funktechnologie überzeugt: "Tetra-Bündelfunk war die einzige Technologie im Ausschreibungsverfahren, die alle Anforderungen für unsere Bedürfnisse erfüllt hat", sagt Jost Hermanns, Leiter des IT-Produktionszentrums bei der GEW Rhein-Energie.

Mehrere Gründe veranlassen Unternehmen wie GEW Rhein-Energie zum Umstieg auf Tetra. Ein erster Pluspunkt: Schnelligkeit und Sprachqualität. Tetra verbindet per Tastendruck Gesprächspartner innerhalb von Millisekunden - in kritischen Situationen für den Werkschutz ein entscheidender Faktor. Die digitale Sprachübertragung sorgt nicht nur für eine glasklare Sprachqualität, sie unterdrückt auch Nebengeräusche wie Straßen-, Triebwerks- oder Baustellenlärm.

Außerdem überträgt Tetra im Gegensatz zu GSM Daten und Sprache gleichzeitig. Wie im Internet werden die Daten im TCP / IP-Format transportiert. Werkseinsätze können so telefonisch besprochen und parallel Positionen und Fahrzeugzustände übertragen werden. Funkchips an Gefahrgut-Containern geben über Tetra an, wo sich die Container gerade befinden oder in welchem Produktionsprozess sie stecken.

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