Europäischer Mega-Börsengang

Samwer-Brüder bereiten Sprung aufs Parkett vor

26. August 2014
Nach monatelangen Spekulationen rücken zwei mit Spannung erwartete Börsengänge in der deutschen Internet-Szene näher. Die Samwer-Brüder bereiten gewieft den Boden für den Sprung aufs Parkett mit ihrer Startup-Schmiede Rocket Internet und der Mode-Händler Zalando.
Oliver Samwer, Chef von Rocket Internet
Oliver Samwer, Chef von Rocket Internet
Foto: Rocket Internet

Rocket Internet weiß, wie man die Spannung vor einem Börsengang auf die Spitze treibt. Noch ist nichts offiziell angekündigt, aber schon seit Monaten wird heftig über Details spekuliert. Zuletzt erhöhte die Berliner Startup-Schmiede das Tempo: Schlag auf Schlag gab Rocket Deals mit Investoren bekannt, bei denen die Firmenbewertung hochgeschraubt wurde. Als jüngste Marke wurde Rocket beim Einstieg des Internet-Konzerns United Internet mit rund 4,3 Milliarden Euro bewertet. Nun werde mit dem öffentlichen Startschuss für den Börsengang für Anfang September gerechnet, berichtete jüngst die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen.

Kurz davor könnte den Informationen zufolge der Mode-Händler Zalando den Gang aufs Parkett ankündigen. Das würde ebenfalls zum Rocket-Drehbuch passen: Die beiden Unternehmen sind verwandt. Zalando war unter den Fittichen von Rocket Internet groß geworden. Und die Samwer-Brüder, die das Sagen bei Rocket haben, sind auch Großaktionäre beim Online-Händler.

Oliver, Marc, und Alexander Samwer werden auch den meisten Grund haben, den Zalando-Werbeslogan "Schrei vor Glück" zu beherzigen. Die Börsengänge werden sie offiziell zu Milliardären machen. Beide Unternehmen peilen laut Medienberichten einen Marktwert von jeweils bis zu fünf Milliarden Euro an. Über ihren Global Founders Fund hielten die Samwers zuletzt die Mehrheit von 52,3 Prozent an Rocket Internet und 17 Prozent an Zalando. Stimmen die bisherigen Informationen, wären das schon zum Startpreis um die sieben Milliarden Euro - wahrscheinliche spätere Kurssteigerungen nicht einmal einberechnet.

Dabei ist Zalando als ein klassischer, wenn auch außergewöhnlich aggressiver Online-Händler im Vergleich zu Rocket eine eher berechenbare Größe. Mit dem sogenannten Internet-Inkubator haben die Samwers eine regelrechte Startup-Fabrik mit globalen Ambitionen aufgebaut. Aktuell sind über 50 Firmen in allen Weltregionen aktiv. Die Brüder haben die Startup-Produktion wie am Fließband organisiert. Eine Geschäftsidee wird schnell in verschiedenen Ländern an den Start gebracht.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Online-Handel. Zalora etwa ist eine Art Zalando für Asien und Dafiti setzte das Konzept in Südamerika um. Das Online-Kaufhaus Lazada macht der weltweiten Nummer eins AmazonAmazon auf den Philippinen Konkurrenz und Jumia in Afrika. "Wir konzentrieren uns in jedem Markt auf die Einzelhandelsbereiche, in denen wir glauben, dass wir in ihnen zur Nummer eins werden können", skizzierte Rocket-Chef Oliver Samwer die Strategie schon im vergangenen Sommer. Alles zu Amazon auf CIO.de

Zum Rocket-Stall gehören zudem Dienstleistungs-Anbieter aus unterschiedlichsten Bereichen: Taxi-App, Putzfrauen-Vermittlung, Busreise-Plattform, Online-Bezahldienst, Kredit-Vermittler für Privatleute und Unternehmen. Auch hier ist das Potenzial mit vielen weißen Flecken auf der Weltkarte noch groß. Rocket will sich auf Dauer als größter E-Commerce-Anbieter außerhalb der USA und Chinas etablieren.

Ein erfolgreicher Mega-Börsengang von Rocket könnte die europäische Startup-Szene endlich aus dem Schatten des Silicon Valley führen. Das Verhältnis der Samwers zum Startup-Zentrum in Kalifornien ist allerdings schwer getrübt. Praktisch seit Beginn ihrer Internet-Karriere wird ihnen vorgehalten, Ideen aus Amerika schnöde zu kopieren. Schon lange vor der Gründung von Rocket Internet war ihr erster großer Deal, 1999 die deutsche Auktions-Website Alando an das US-Vorbild Ebay zu verkaufen.

Für die meisten Rocket-Unternehmen finden sich Blaupausen in den USA. Oliver Samwer hört die Vorwürfe nicht gern und hat eine eingespielt Antwort parat: "Neue Unternehmen bauen immer auf Geschäftsmodelle auf, die es bereits irgendwo auf der Welt gab. Das war schon immer so." Etwa die BankenBanken: "So ist Citibank eine Großbank, aber das Bankenwesen erfunden haben beispielsweise eher die Medici." Zu 99 Prozent entscheide die Umsetzung einer Idee. "Am Ende kommt es nicht darauf an, ob ich als erster eine Idee gehabt habe, sondern darauf, ein Unternehmen aufzubauen, das langfristig existiert, und Kunden zufriedenstellt." (dpa/rs) Top-Firmen der Branche Banken

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