BARC-Studie über BI-Markt Deutschland

SAP hängt Oracle weiter ab

13. September 2013
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Der Markt für Business Intelligence hat 2012 wieder deutlich zugelegt. SAP profitiert von HANA, andere Riesen schwächeln und kleine Spezialisten wachsen enorm.
Diese BI-Anbieter fuhren laut BARC-Studie 2012 die größten Umsatzzuwächse ein.
Diese BI-Anbieter fuhren laut BARC-Studie 2012 die größten Umsatzzuwächse ein.
Foto: BARC

Business Intelligence (BI) ist in Deutschland nach wie vor sehr gefragt. Die Analysten des Business Application Research Center (BARC) bezeichnen den BI-Markt in einer aktuellen Studie als „insgesamt stark". Demnach kauften deutsche Unternehmen 2012 für knapp 1,2 Milliarden Euro BI-Software – ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2011.

Das ist die größte Zuwachsrate seit 2007, und das vor dem Hintergrund, dass der BI-Markt über die vergangenen sechs Jahre im Jahresdurchschnitt um stolze 11 Prozent zugelegt hat. Gleichwohl erkennt BARC ein Schwächeln beim Absatz von BI-Frontends. Während SAPSAP neben einigen kleineren Spezialanbietern glänzend abschneidet, stehen die Aktien etwa für OracleOracle oder MicrosoftMicrosoft laut Studie nicht gut. Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Oracle auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Neben dem Big Data-Trend sowie einer wachsenden Nachfrage nach Technologie zur Datenintegration stellt BARC speziell im Umfeld von HANA einen steigenden BI-Bedarf fest, was naturgemäß SAP zugute kommt. Im Segment der Datenintegrations-Lösungen konnte SAP seine Umsätze um 61 Prozent steigern und den Marktanteil von 16 auf 20 Prozent ausbauen. Die Konkurrenten wie Oracle, Informatica und SAS Institute verloren laut Studie hingegen Anteile. Microsoft habe auf Vorjahresniveau stagniert.

„Wenngleich Prognosen für 2013 aufgrund der unklaren wirtschaftlichen Entwicklung unsicher sind, so scheint sich dennoch eine weitere positive Entwicklung für den deutschen BI-Markt abzuzeichnen", blickt BARC optimistisch voraus. „BI-Lösungen sind weiterhin hoch priorisiert auf der Agenda von CIOs und Fachbereichen."

Blue Yonder übertrumpft alle

Die Studie unterteilt den BI-Markt in zwei Segmente: BI-Anwenderwerkzeuge und Datenmanagement-Software. Das Wachstum im Segment der BI-Frontends habe sich mit 11,3 Prozent derart verlangsamt, dass es hinter das Vorjahresergebnis zurückfällt. Es liegt sogar unter dem Plus von 15,6 Prozent beim Datenmanagement. Bei den BI-Frontends ist SAP laut Studie unangefochtener Marktführer, wenngleich einige kleinere Anbieter wie Blue Yonder oder Splunk mit dreistelligen Zuwachsraten für Furore sorgten.

Im Datenmanagement-Bereich ist trotz der erwähnten schwachen Performance Oracle weiterhin Platzhirsch im Markt. Neben SAP macht BARC als starke Herausforderer auch Exasol mit seinen analytischen Datenbanken sowie die Integrations-Spezialisten Talend und Theobald aus.

Insgesamt legte Blue Yonder im vergangenen beim Umsatz um fulminante 175 Prozent zu, Talend und Splunk verdoppelten ihre Umsätze. Auf den ersten Blick nehmen sich da die 37 Prozent an Umsatzwachstum durch SAP vergleichsweise bescheiden aus. Allerdings bewegen sich die genannten Überflieger alle in einer Größenordnung zwischen 3 und 8 Millionen Euro Gesamtumsatz, SAP hingegen bei 240 Millionen – kaum mit gleicher Elle zu messen also. BARC betont zudem, dass einstige Top-Performer wie Rapid-I oder Jedox ihr Wachstumstempo aus dem Vorjahr in 2012 nicht halten konnten.

Entsprechend ordnet auch Studienautor Carsten Bange die Zahlen ein. „SAP hat in beiden Segmenten ordentlich zugelegt – das ist bärenstark", sagt der BARC-Geschäftsführer. Dass die Walldorfer wie kein anderer Anbieter ihrer Größenordnung wachsen konnten, liegt vor allem auch an der In-Memory-Datenbank HANA. „Gerade in Deutschland wird HANA auch aus strategischen Gründen eingekauft", beobachtet Bange. „Die CIOs möchten dieses Instrument gerne haben." Die geschieht in der Regel in der Annahme, dass SAP den HANA-Werkzeugkasten zum zentralen Baustein seiner BI-Produktpalette gestaltet.

Oracle noch ohne Antwort auf HANA

Oracle entwickle sich im Vergleich weniger dynamisch. Zwar habe es weltweit und in Deutschland im Datenmanagement-Bereich ein Wachstum von rund 4 bis 5 Prozent gegeben, so Bange. Gerade in Deutschland hat Oracle aber im Bereich der BI-Werkzeuge offenkundig an der SAP-Stärke zu leiden. Auf die Herausforderung HANA habe Oracle bisher noch keine schlüssige Antwort gefunden, konstatiert Bange: „Aber das dürfte sich im kommenden Jahr ändern."

Gute Chancen für Spezialanbieter

Nach BARC-Einschätzung agieren die großen BI-Anbieter häufig notgedrungen träge, was kleineren Spezialisten gute Perspektiven eröffnet – insbesondere dann, wenn sie sich klar zu profilieren verstehen. Splunk beispielsweise habe sich momentan mit großem Erfolg auf die Analyse von Log-Daten spezialisiert. „Der Anbieter ist im Bereich der semi-strukturierten Daten sehr gut aufgestellt", sagt Bange. Blue Yonder habe sich ebenso gewinnträchtig auf spezialisierte Prognose-Werkzeuge verlegt. Das gelte auch für Talend mit Datenintegrationslösungen, die über Hadoop-Integration und Analyse von Big Data-Quellen verfügen.

Trend zu Self Service BI

Allgemein verstärkt sich laut BARC der Trend zu Self Service BI. Immer mehr Fachanwender scheuten sich nicht, geeignet erscheinende BI-Services beispielsweise aus der Cloud oder mobile BI-Anwendungen zu nutzen oder auch Tools von weniger etablierten Anbietern anzuschaffen. Die um Kostensenkung bemühte IT sei demgegenüber eher zurückhaltend, auch weil es die Gesamtkomplexität so niedrig wie möglich zu halten gilt. Dennoch sieht Bange die Rolle der IT durchaus kritisch. „Viele IT-Abteilungen agieren sehr starr in ihrer Strategie", moniert der Analyst.

Bange geht davon aus, dass größere Spielräume für die Fachanwender bei der BI-Nutzung auf Dauer nicht zu verhindern sein werden. Die Rolle der IT reduziere sich dabei auf Aufgaben wie Datenbereitstellung, Qualitätssicherung, Performance Tuning und Definition der Service Level Agreements (SLAs).

Die Studie „Der Markt für Business-Intelligence-Software in Deutschland im Jahr 2012" ist bei BARC erhältlich. Im Markt vertreten sind mittlerweile laut BARC 250 Anbieter.