Berliner Stadtreinigungsbetriebe

SAP selbst gemacht

03. November 2003
Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Die Berliner Stadteinigungsbetriebe (BSR) wollten ihr selbst entwickeltes Modul als Grundlage einer Branchenlösung für die Entsorgungswirtschaft an SAP verkaufen. Dass daraus nichts wurde, lag nicht an der Qualität der Software.
Martin Urban, CIO der Berliner Stadtreingungsbetriebe, nähert sich neuerdings, nach einigen Irritationen, wieder an SAP an.
Martin Urban, CIO der Berliner Stadtreingungsbetriebe, nähert sich neuerdings, nach einigen Irritationen, wieder an SAP an.

Im Telegrammstil hört sich die Geschichte so an: "Fast abgeschlossene Verhandlungen zur Übernahme unserer Branchenlösung durch SAPSAP, Scheitern der Verhandlungen, eigene Unternehmenstochter mit SBS zur Weiterentwicklung der Branchenlösung, Entwicklung der SAP-Branchenlösung IS-U-Waste, schwieriger, gesättigter Markt, Rückzug aus dem Wettbewerb mit SAP, jetzt wieder Annäherung an SAP." Alles zu SAP auf CIO.de

Doch die Geschichte begann schon im Jahr 1996 und zog sich über sechs Jahre hin. Zwar sind die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) nicht die Einzigen, die SAP eine selbst entwickelte Lösung als neuen Standard verkaufen wollten. Doch Martin Urban, Leiter der Geschäfts-einheit Datenverarbeitung, Informations- und Kommunikationssysteme, ist als einer der wenigen CIOs bereit, über seine Erfahrungen zu berichten.

Allerdings kennt der heutige IT-Leiter die komplexen Ereignisse um die eigenentwickelte, SAP-basierte Branchenlösung auch nur vom Hörensagen und natürlich aus den Akten. "Die Entscheidungsträger, die in die Vorgeschichte direkt involviert waren - die Gründung der Tochter und die Verhandlungen mit SAP zur Übernahme der Branchenlösung -, sind nicht mehr im Hause tätig."

Tradtionell Eigenlösungen bevorzugt

Urbans Vorgänger hatten Großes im Blick, als sie beschlossen, ihr selbst entwickeltes System als Branchenlösung an die Walldorfer zu verkaufen. Die Berliner sind, so betont Urban, einer der größten kommunalen Entsorger Europas mit 6000 Beschäftigten und 2000 Fahrzeugen, die durch IT täglich koordiniert werden müssen.

Doch auf ihre selbst entwickelte Software konnten die IT-Chefs wirklich stolz sein. Denn ein ähnliches Modul für die Abfallwirtschaft gab es damals noch nicht - und das ist bis heute eigentlich so geblieben. Die meisten Entsorger haben traditionell Eigenlösungen entwickelt. Dagegen waren die Berliner die Ersten, die bei ihrer Eigenentwicklung auf SAP gesetzt haben.