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SAP und Daimler: CEO und CIO im Gespräch

16. Januar 2013
Christoph Witte arbeitet als Publizist, Sprecher und Berater. 2009 gründete er mit Wittcomm eine Agentur für IT /Publishing/Kommunikation. Hier bündelt er seine vielfältigen Aktivitäten als Autor, Blogger, Sprecher, PR- und Kommunikationsberater. Witte hat zwei Bücher zu strategischen IT-Themen veröffentlicht und schreibt regelmäßig Beiträge für die IT- und Wirtschaftspresse. Davor arbeitete er als Chefredakteur und Herausgeber für die Computerwoche, Deutschlands wichtigster IT-Publikation für Unternehmen. Außerdem ist Witte Mitbegründer des CIO Magazins, als dessen Herausgeber er bis 2006 ebenfalls fungierte.
Wir haben Michael Gorriz, den CIO von Daimler, mit Jim Hagemann Snabe, einen der beiden CEOs von SAP, zusammengeführt. Die Themen waren Cloud, Mobile und Big Data - und nicht zuletzt die Frage, was "Partnerschaft" eigentlich bedeutet.

Herr Gorriz, zur Vorbereitung dieses Gesprächs haben wir uns über potenzielle Themen ausgetauscht. Eins davon war die Co-Existenz von Public Cloud und Enterprise IT. Was interessiert Sie daran in Zusammenhang mit der SAP?

Gorriz: Wir wollen in zehn Jahren 30 Prozent unserer Anwendungsfälle aus der Cloud beziehen. Dazu müssen wir die Cloud in unsere Lösungsarchitektur einbauen. Die Frage lautet deswegen, wie wir die Vorteile der Cloud mit denen der On-Premises-Lösungen verbinden? Dazu brauche ich einen Partner, der uns dabei sinnvoll unterstützt.

Die von Herrn Gorriz genannten 30 Prozent scheinen über einen Horizont von zehn Jahren etwas mager, oder?

„Nichtstrategische Aufgaben wandern zuerst in die Cloud.“ Jim Hagemann Snabe, SAP
„Nichtstrategische Aufgaben wandern zuerst in die Cloud.“ Jim Hagemann Snabe, SAP
Foto: SAP

Snabe: Wenn wir die jetzigen Funktionen betrachten, halte ich diese Zahl für nicht falsch, behaupte aber, dass durch neue Themen, die wir heute überhaupt noch nicht bearbeiten, die Cloud-Services enorm zunehmen werden. Das heißt, der Kuchen der IT-Services wird insgesamt viel größer und das Verhältnis wird eher bei 50 zu 50 liegen in zehn Jahren. Nehmen Sie zum Beispiel Sentiment-Analysen, die wir über verschiedene soziale MedienMedien und das Web ausführen. Das machen wir von Anfang an in der Cloud. Ein anderes Beispiel ist die Vernetzung zwischen Unternehmen, wie wir sie über Ariba (ein B2B-Commerce Netzwerk, Anm. d. Red.) anbieten. Das kann man nur über die Cloud realisieren. Top-Firmen der Branche Medien

Gorriz: Der Einfluss der IT dehnt sich natürlich aus. Als ich die 70-zu-30-Losung ausgab, habe ich die neuen Themen nicht berücksichtigt. Aber auch wenn man die außer Acht lässt, sind 30 Prozent sehr viel. Sie müssen bedenken, dass wir nur sechs Prozent der Anwendungslandschaft pro Jahr überhaupt verändern. So gesehen müsste ich bis zum Jahr 2022 die Hälfte meines Veränderungsbudgets in die Cloud investieren, um diese 30 Prozent zu erreichen. Heute bringe ich allerdings nur einen sehr viel geringeren Beitrag für die Cloud auf. Da sich die Cloud-Entwicklung aber beschleunigen wird, steigt der Anteil in den kommenden Jahren kräftig an.

Snabe: Das bestätigen auch unsere Zahlen. Cloud ist die bei weitem am schnellsten wachsende Kategorie.