Eine Geschichte des Fremdelns

SAP und der Mittelstand

13. Februar 2015
Daniela Hoffmann ist freie IT-Fachjournalistin in Berlin.
Anfang der Nuller-Jahre blies SAP zur Jagd auf den Mittelstand, um seinen Markt zu erweitern: SAP Business byDesign sollte die Lösung für kleinere Unternehmen sein. Doch Entwicklungs- und Strategieprobleme machten die Pläne vorerst zunichte. Wo SAP heute im Mittelstand steht.

"Im Bereich des traditionellen deutschen Mittelstands und auch bei den 'Hidden Champions' mit teilweise nur 100 bis 300 Mitarbeitern ist SAPSAP durchaus zu Hause", sagt Karsten Sontow, Vorstand des ERP-Beratungshauses Trovarit AG. "Wenn aber von Betrieben mit fünf bis 50 Mitarbeitern und wenigen ERP-Usern die Rede ist, darf man auch heute noch fragen, ob SAP da angekommen ist." In diesem "Small"-Markt mit rund 750.000 Unternehmen in Deutschland täten sich die Walldorfer schwer. Um hier auf maßgebliche Marktanteile zu kommen, müsse das Angebot massentauglich sein. Alles zu SAP auf CIO.de

Auch aus Sicht der Deutschen SAP Anwender Gruppe (DSAG) ist der Hersteller im Markt der kleineren mittelständischen Unternehmen nicht präsent genug. "SAP Business byDesign ist hinter den Erwartungen zurück geblieben", kommentiert Gerhard Göttert, DSAG-Vorstand Anwendungsportfolio: "Die Informationspolitik war in den letzten anderthalb Jahren nicht immer glücklich - bis hin zur Pressemeldung, dass SAP das Produkt selbst in Frage stellt."

Vor allem aber habe die Software mit Blick auf kleine Unternehmen Nachholbedarf. An vielen Stellen stoße man auf komplexe ERP-DNA wie beispielsweise eine stark arbeitsteilige Rollenausprägung. Hinzu komme, dass wichtige Standardfunktionen für Kleinunternehmen fehlten oder nur mit externer Unterstützung nutzbar gemacht werden könnten. Beispielsweise gibt es ein sehr flexibles Werkzeug zur Formularanpassung, das jedoch nur von wenigen Kleinunternehmen ohne zusätzlichen Support genutzt werden kann.

Business byDesign: Patient tot?

Als der ERP-Hersteller 2007 mit Business byDesign antrat, hieß es, die Software sei ausgelegt für Unternehmen mittlerer Größe aller Branchen mit 100 bis 500 Mitarbeitern. Mittlerweile spricht SAP von Unternehmen ab 500 Mitarbeiter. Eigentlich war der Softwarekonzern mit dem ersten Cloud-ERP-System der Zeit voraus, der geplante Siegeszug jedoch blieb aus: Zu viele Probleme nach dem Start der Software und die Skepsis der Anwender standen im Weg.

2012 wurde dann auch Business One, das Angebot für die ganz kleinen Unternehmen, in der Cloud angeboten und ist über Amazon Web Services zu bestellen. Dass sich die Zielgruppen der Lösungen - Unternehmen, die bisher nicht über ein ganzheitliches ERP-System verfügen und Tochtergesellschaften von Großunternehmen - überschneiden, nahm SAP in Kauf.