Alloy

SAP und IBM Lotus umwerben Tausende Kunden

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Das gemeinsam entwickelte Produkt Alloy zur Integration von SAP-Prozessen in Lotus Notes ist startbereit. Doch es bleiben Fragen.

Alloy soll im März auf den Markt kommen und richtet sich an Unternehmen, die Lotus Notes und ihr SAP-System enger und vermeintlich einfacher miteinander integrieren wollen. Kunden müssen Lotus Notes 8.0.2 und "SAP ERP 6.0" , Service-Pack 14 auf SAP NetWeaver 7.0 Service-Pack 17 mit ESA-Erweiterung (Enterprise Service Architecture), ECC–SE 602 oder höher, im Einsatz haben (weitere Details zu den Anforderungen finden Sie hier). Das erste Release von Alloy enthält unter anderem Workflows für Urlaubs- und Abwesenheitsanträge, die nach der Installation als grafische Symbole in der neuen Sidebar von Lotus 8 auftauchen (siehe auch die Neuerungen in Notes 8.5).

Technisch wurden hierfür "SAP-Business-Objekte" in Notes-Objekte integriert, die in sich die benötigte Logik des jeweiligen Workflows zwischen Collaboration-Software und ERP-Systems kapseln. Diese "Isolation" von SAP-Code zu erzielen und ihn in Notes einzubringen, war eine der wesentlichen Herausforderungen bei der Alloy-Entwicklung, die IBM und SAP in den letzten zwei Jahren zunächst unter dem Codenamen "Atlantic" betrieben hatten.

30 000 SAP-Kunden im Visier

Eine weitere Besonderheit von Alloy ist die Kommunikation mit der ERP-Umgebung über XML-Aufrufe kommuniziert und nicht per RPCs wie in SAP-Anwendungen. Diese Lösung und die Kapselung als Web-Service bringen Kunden den Vorteil, dass sie künftig auf beiden Systeme Änderungen und Updates vornehmen können, ohne, dass sie sich grundsätzlich auf die Schnittstellen von Alloy auswirken, erläutert Christian Holsing, Product Manager Alloy bei IBM Deutschland.

Durch Alloy können Unternehmen den Workflow für der Berarbeitung von Reiseanträgen in Lotus Notes abbilden.
Durch Alloy können Unternehmen den Workflow für der Berarbeitung von Reiseanträgen in Lotus Notes abbilden.

Zudem folgt Alloy "wo möglich" dem Rollenkonzept und der Benutzerverwaltung der ERP-Umgebung und gestattet dadurch Nutzern ein Single-sign-on an beiden Systemen. Unklar ist indes, wie groß der Anpassungsaufwand wird, wenn Kunden und Partner erhebliche Modifikationen vornehmen, die über einen von den Herstellern definierten "User Exit" hinausgehen.

Beide Hersteller, die seit 35 Jahren Partnerschaften unterhalten, verbinden große kommerzielle Hoffnungen mit Alloy. Viele der über 30.000 gemeinsamen Notes-SAP-Kunden hätten in der Vergangenheit eine bessere Integration zwischen den Systeme gefordert und seien nun potenzielle Käufer des Plugins, sagte Michael Reh, Senior Vice President und General Manager PTU Information Worker bei SAP. Die neue Software sei daher auch bei Kunden in Form von Proof of Concepts evaluiert worden. Tester waren Coca Cola, Colgate Palmolive und Arla Foods, die bis dato versucht hatten, die Integration über Individuallösungen anzugehen.

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