IT-Aufwand wurde unterschätzt

Sarbanes Oxley hemmt Softwaremarkt

02. August 2004
Von Detlef Scholz
Viele wichtige Software-Projekte werden derzeit in US-Firmen verschoben. Grund: IT-Mitarbeiter sind mit der Einrichtung von Kontrollsystemen beschäftigt, um das Finanzreporting an den Sarbanes-Oxley-Act anzupassen. Auch die Finanzabteilungen der Unternehmen richten derzeit ihren Fokus auf das neue US-Bilanzgesetz.

Am Ende des jüngst abgelaufenen Quartals zeigte sich, dass große Softwareunternehmen wie Computer Associates, Filanet, BMC und Veritas ihre Umsatzziele nicht erreicht hatten. Wie die FTD berichtet, machen die hauptsächlich im Business-Sektor agierenden Firmen für den schleppenden Absatz vor allem geringe Verkäufe an börsennotierte US-Konzerne verantwortlich. Deren IT- und Finanzmanager setzen derzeit die "Section 404" des Sarbanes Oxley Act um. Dabei handelt es sich um Vorschriften für ein internes Kontrollsystem für die Finanzberichterstattung. Es muss bis zum 15. November fertig gestellt sein.

Auch Craig A. Conway, CEO von Peoplesoft, verfehlte die Umsatzziele im zweiten Quartal 2004.
Auch Craig A. Conway, CEO von Peoplesoft, verfehlte die Umsatzziele im zweiten Quartal 2004.

"Der Aufwand für die Umsetzung der Vorgaben des Sarbanes Oxley Act in den Unternehmen wurde unterschätzt und ist höher als erwartet", so Siegfried Filla von der Beratungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers. Bei Verstößen gegen die Vorschriften drohen teilweise hohe Geld- oder sogar Gefängnisstrafen.

Die endgültigen Prüfungsstandards wurden erst im laufenden Jahr vom US-Kongress verabschiedet. Viele Unternehmen haben vor allem den Aufwand, der in den IT-Abteilungen entsteht, falsch eingeschätzt.

Die Nachfrage nach Software soll sich bis zum Jahresende wieder einpendeln. Das dritte Jahresviertel wird voraussichtlich noch schwächeln. Im letzten Quartal könnte der Markt dafür aber einen rasanten Zuwachs zeigen. Aufgeschoben ist eben nicht gleich aufgehoben.

Einige Anbieter von Accounting- und Finanzsoftware wie SAPSAP und Peoplesoft profitieren gemäß eigener Angaben von den neuen Bilanzierungsvorschriften. OracleOracle hingegen sieht seit drei Quartalen eine konstante Nachfrage, ein Umsatzsprung im Zusammenhang mit Section 404 blieb aus. Alles zu Oracle auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Zum Jahresende werden die Umsatzeinbußen wieder wettgemacht, hofft Peoplesofts CEO Craig A. Conway.
Zum Jahresende werden die Umsatzeinbußen wieder wettgemacht, hofft Peoplesofts CEO Craig A. Conway.

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