CeBIT 2014

Schlankheitskur für die größte Computermesse

06. März 2014
Vorhang auf für die runderneuerte CeBIT 2014: Erstmals gibt es keine Besuchertage für private Nutzer mehr. Vorbei der Spagat zwischen Publikums- und Fachmesse - als Tummelplatz für Manager und Tüftler erfindet sich die Branchenschau gerade neu.

Impulsgeber, Netzwerker-Plattform, Drehscheibe für den Wissenstransfer: Die Computermesse CeBIT will diesmal vor allem Begegnungs- und Konferenzbasis für Profis sein. Wo in den vergangenen Tagen noch etwa 10.000 Arbeiter in Hannovers Messehallen hämmerten, schraubten und sägten, tummeln sich ab Montag fünf Tage lang Entscheider aus der weltweiten IT-Branche. 230.000 Fachbesucher werden erwartet - so viele wie im Jahr 2013. Damals kamen allerdings noch 43.000 Privatbesucher dazu, weil die CeBIT auch eine Publikumsmesse war. Das ist nun vorbei.

Zum Auftakt ihrer Neuausrichtung als reine Fachmesse wollen die Organisatoren mit Großbritannien als Partnerland punkten. Zum einen, weil der britische IT-Markt ein starkes Wachstum aufweist und die Briten den Ausbau sogenannter intelligenter Stromnetze ("smart grids") vorantreiben, also auch an entsprechendem Know-how interessiert sind. Zum anderen sicherlich auch, weil Hannover eh im Großbritannien-Fieber ist: Im Mai stehen die Feiern zum 300. Jahrestag einer Epoche an, in der Hannovers Herrscher in Personalunion gleichzeitig als Könige von Großbritannien ein Weltreich lenkten. Der Union Jack ist im Stadtbild deutlich sichtbar.

Doch Großbritannien hat im Vorjahr auch mit seinem gigantischen Datensammel-Programm Tempora Schlagzeilen gemacht, das von Edward Snowden im Zusammenhang mit der Ausspäh-Affäre um den britischen Geheimdienst GCHQ und um den US-Dienst NSA enthüllt wurde. Dessen Chef, General Keith Alexander, wurde zwar nach Hannover zu einer Datensicherheits-Konferenz eingeladen, schickte aber eine Absage. Immerhin wird sich dafür der stellvertretende Nato-Generalsekretär Jamie Shea nun am Donnerstag zu Cyber-Attacken äußern. Denn das Top-Thema der Messe lautet diesmal "Datability" und zielt auf den verantwortungsvollen Umgang mit großen Datenmengen ab.

Mit ihrem neuen Konzept hat die Messe nun eine ganze Halle mit drei Bühnen sowie diversen Treff- und Debattierecken speziell für Veranstaltungen und Konferenzen bereitgestellt. Für den Besuch eines der rund 1.500 Fachvorträge, Seminare und Workshops wird anders als früher die Registrierung diesmal jedoch nicht reichen: Sie sind diesmal zahlungspflichtig. Die Organisatoren haben sich daher um zugkräftige Namen bemüht und haben etwa den russischen Virenjäger Eugene Kaspersky, Apple-Mitbegründer Steve Wozniak und Wikipedia-Gründer Jimmy Wales im Programm.

Zum Auftakt der Konferenzserie wird am Montag die EU-Kommissarin Neelie Kroes nach Hannover kommen und den Marktplatz für Entscheider, Kreative und Investoren eröffnen, als den sich die Messe mittlerweile sieht. "Jünger und internationaler", lautet das Motto der Organisatoren. Fast alle Vorstände der großen Dax-Konzerne seien vertreten, sagte Messechef Oliver Frese bei einer Pressekonferenz.

Mit rund 4.000 Quadratmetern hat die Deutsche Telekom den größten Messestand unter einem Himmel aus Magenta-farbenen Regenschirmen. Großer Raum ist auch den 300 jungen innovativen Unternehmen gewidmet, die auf der Messe um potenzielle Investoren werben können. Im Kampf gegen den FachkräftemangelFachkräftemangel wird es zudem eine Job-Börse geben. Alles zu Fachkräftemangel auf CIO.de

Erstmals seit 2008 kommen nach Angaben der Messe mit 55 Prozent wieder mehr als die Hälfte der rund 3400 erwarteten Aussteller aus dem Ausland. Größtes Ausstellerland neben Deutschland ist China mit 500 Betrieben, vor dem diesjährigen Partnerland Großbritannien (130 Unternehmen). Eröffnet wird die Messe am Sonntag von VW-Chef Martin Winterkorn und Kanzlerin Angela Merkel, die dann am Montag mit dem britischen Premier David Cameron zu ihrem traditionellen Messe-Rundgang aufbrechen wird. (dpa/rs)

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