4.600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr

"Schnell mal eine rauchen" ist für Unternehmen teuer

26. Juni 2013
Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Raucher sind länger krank, unkonzentrierter, leisten weniger – und kosten dem Arbeitgeber eine Stange Geld. Es lohnt sich also, Mitarbeitern bei der Entwöhnung zu helfen.

Mal schnell eine rauchen, ist ja nicht so schlimm, dauert nur fünf Minuten. Ist doch jetzt ein guter Zeitpunkt, die Besprechung ist gerade vorbei. Nach dem Mittagessen, nur eine kurze Kippe. Das ist Alltag in vielen Betrieben. Aber "schnell mal eine rauchen" ist teuer, für die Gesundheit und das Unternehmen.

Alle 90 Minuten eine Zigarette: Einer Studie zufolge kosten kleine Rauchpausen eines Mitarbeiters eine Firma etwa 3.000 Dollar im Jahr.
Alle 90 Minuten eine Zigarette: Einer Studie zufolge kosten kleine Rauchpausen eines Mitarbeiters eine Firma etwa 3.000 Dollar im Jahr.
Foto: Fotolia.com/Stephan Janz.de

Viele Mitarbeiter, egal auf welcher Ebene sie angesiedelt sind, machen sich keine Gedanken darüber, wie viel das eigene Laster ihren Arbeitgeber kostet. Eine ganze Menge – wie US-Wissenschaftler nun herausgefunden haben: Etwa 6.000 Dollar, rund 4.600 Euro, mehr pro Jahr müssen Unternehmen für rauchende Mitarbeiter mehr berappen. (Lesen Sie dazu auch: Arbeitsrecht und Rauchen am Arbeitsplatz – was ist erlaubt?)

Größter Kostenfaktor: Pausen

Viele Nichtraucher müssen sehr an sich halten, wenn die rauchenden Kollegen, mal wieder ein "Rauchpäuschen" einlegen (siehe auch "Gefährliche Raucherpause"). Insgesamt, so die Forscher der Ohio State University, kostet die "kleine Rauchpause" im Schnitt etwa 3.077 Dollar im Jahr. In der Metastudie kalkulierten die Wissenschaftler, dass ein Raucher zwei Zigaretten während der Arbeitszeit raucht. Für jede Kippe fallen 15 Minuten Arbeitszeit weg. Der Weg zur Raucherzone, der Plausch, die Zigarette selbst – das alles summiert sich. Daher müsste ein Raucher eigentlich eine halbe Stunde am Tag länger als ein Nichtraucher arbeiten, um die unproduktiver Zeit auszugleichen.

Braucht der Raucher nur eine Minute bis "vor die Tür", wird keine Viertelstunde daraus. Diese kurzen Wege aber verleiten häufig dazu, öfter eine Zigarette zu rauchen. Rein körperlich braucht ein Raucher alle 90 Minuten eine Zigarette, nicht nur zweimal am Tag. Wahrscheinlich ist der Zeitverlust also höher anzusiedeln. Zudem stören Pausen den Arbeitsablauf erheblich und die Raucher benötigen hinterher mehr Zeit, wieder in ihre Aufgabe hineinzufinden.

Raucher kosten 33 Milliarden Euro im Jahr

Die höheren Krankenversicherungskosten, die in den USA auf Firmen zukommen, schlagen in Deutschland nicht zu Buche. Daher sind die Mehrkosten hierzulande deutlich geringer anzusetzen als in Amerika. Trotzdem kosten Raucher die Volkswirtschaft jedes Jahr mindestens 33 Milliarden Euro, wie eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) herausfand.

Für das Einzelunternehmen entscheidend dürfte folgende Zahl sein: Raucher sind viel häufiger krank als Nichtraucher. Jedes Jahr liegt ein Raucher in den USA etwa drei Tage länger im Bett. In Deutschland, so die dkfz-Studie, litten Raucher acht Tage länger an Krankheiten, insgesamt hatten sie 50 Prozent mehr Fehlzeiten. Diese Fehltage wären einfach zu vermeiden und kosten die Firma Unsummen.

Trugschluss Konzentration durch Kippe

Tatsächlich macht Rauchen müde und unkonzentriert.
Tatsächlich macht Rauchen müde und unkonzentriert.
Foto: granata68 - Fotolia.com

Viele Raucher glauben, dass sie durch die Entwöhnung müde und unkonzentriert bei der Arbeit sind und dadurch weniger leistungsfähig. "Wenn ich rauche, bin ich konzentrierter", sagen viele. Doch das ist ein Trugschluss. "Der Raucher gerät schon nach eineinhalb Stunden in den Entzug", erklärt der Psychiater Tobias Rüther, Leiter der Tabakambulanz der Münchner Uniklinik. "Er wird eher unkonzentriert, weil er nicht raucht – und nicht umgekehrt." Erst der Qualm beruhigt die Nerven wieder. Nichtraucher sind produktiver, weil sie eben nicht zittrig werden.

Kommentare zum Artikel

Yellow Wall

Jo mei, wie sie krampfhaft nach Ausreden suchen - unsere Stinker. Vielleicht sollte man das atmen auch mit einrechnen bei den Nichtrauchern - gell. Das braucht auch Zeit - Raucher benutzen die Raucherpausen um sich dabei intensiv über Arbeitsthemen zu unterhalten - jo, den Spruch hab ich schon öfter gehört, Rauchen fördert die kreativität, Raucher sind produktiver als Nichtraucher - mit welchem scheiß will man sich noch rausreden ? Wenn dann der Raucher auch noch an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt um weiter im Gesichtsbuch zu "arbeiten" bekommt das noch ne zusätzliche Note - nä ?

hirnwuehler

Solange ich sehe das meine 'nichtrauchenden' Kollegen den halben Tag sich mit Fratzenbuch und sinnfreien YouTube Videos beglücken oder die Besprechungen mit 'BullShit Bingo' künstlich verlängern kann ich mich in der Raucherpause mit anderen Kollegen auch etwas produktiver über die Arbeitsthemen unterhalten.

Querschlaeger

Dito! Soviel zum Thema Work/Life-Balance und dem Versuch der KV über den Arbeitgeber an Daten zur Lebensführung zu kommen. Angeblich steht doch der "Mensch im Zentrum der Arbeit 4.0"? Irgendwann kommen die Tipps, wie sich der Toilettengang beschleunigen lässt. Pampers? Für manche dieser "innovativen" Ideengeber sicher angebracht. Und wer wird im Kampf der Lobbyisten gewinnen? Die Korruption! Verlieren wird der Mensch, die Kollegialität und die Kommunikation - aber das ist egal, solange der Profit stimmt!

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