Gestresste IT-Admins

Schuld ist nur der Boss

26. Mai 2014
Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Eine Umfrage unter IT-Administratoren verdeutlicht, wie gestresst sich diese Berufsgruppe fühlt. Die Ursache: das Management.

Kaum Zeit zum Durchatmen, IT-Vorgesetzte im Nacken und nicht sonderlich schlaue Anwender - das Leben als IT-Admin ist nicht einfach. Wie viel Stress die Administratoren tatsächlich haben, verraten zwei aktuelle Studien aus den USA und Großbritannien. Die Umfrage zeigt auch : Für IT-Admins hat sich in den vergangenen Jahren die schlechte berufliche Gesamtsituation nicht geändert.

Im Königreich waren ganze zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten gestresst von ihrem Job. Das ist zwar ein Prozent weniger als in der Vorgänger-Umfrage, die 2012 durchgeführt wurde. Doch diesen geringen Unterschied kann man getrost ignorieren. Die Umfrage zeigt zudem deutlich, dass sich knapp zwei Drittel der Befragten als am meisten gestresst oder zumindest genauso stark unter Druck fühlte wie ihr Freundeskreis.

Bloß weg hier!

Zwei Drittel der IT-Admins würde gern den Job wechseln.
Zwei Drittel der IT-Admins würde gern den Job wechseln.
Foto: Minerva Studio - Fotolia.com

Angesichts solcher Zahlen überrascht es nicht, dass in Großbritannien mehr als ein Drittel (38 Prozent) darüber nachdenkt, den Job zu wechseln, und 31 Prozent dies gelegentlich in Erwägung ziehen. Angesichts zahlreicher unbesetzter Stellen im IT-Bereich sollten es sich Firmen vielleicht überlegen, ob sie ihre Arbeitnehmer nicht vielleicht doch etwas besser behandeln wollen. Einen neuen IT-Admin zu finden, ist kostspielig und dauert.

Der Druck auf die Berufsgruppe wirkt sich negativ auf ihr Privatleben aus: Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Befragten gab, schon Verabredungen verpasst zu haben und genauso viele britische IT-Administratoren verbringen wegen ihres Jobs weniger Zeit mit ihrer Familie. Fast jeder fünfte gab zu Protokoll, dass seine Stelle dafür verantwortlich gewesen sei, dass eine Beziehung oder eine Freundschaft zu Bruch gegangen sei. Besorgniserregend ist zudem, dass etwa jeder fünfte IT-Administrator angab, gesundheitliche Probleme zu haben. Gerade unter den IT-Profis sind Bluthochdruck oder Schlafprobleme verbreitet. Sie können erste Symptome einer "Burnout"-Erkrankung sein.

Der Chef ist schuld

Viele IT-Admins machen das Management für ihren Stress verantwortlich.
Viele IT-Admins machen das Management für ihren Stress verantwortlich.
Foto: ArtFamily - Fotolia.com

Was sind die Ursachen für den StressStress der IT-Administratoren? Noch immer sei, so die Studie, das Management der Unternehmen der Hauptgrund, warum sie so leiden. Mehr als die Hälfte der IT-Profis (51 Prozent) macht die Chefs für den Job-Stress verantwortlich. Auch andere Ursachen dürften bekannt vorkommen: 24 Prozent beklagten den Mangel an Budget und Mitarbeitern. Immerhin hier zeigt sich eine leichte Verbesserung gegenüber der vorhergegangenen Umfrage ab. Alles zu Stress auf CIO.de

Ein weiterer Grund für die Unzufriedenheit ist nicht nur die Art der Arbeit, sondern auch die Menge. Eine 48-Stunden-Woche ist unter britischen IT-Administratoren keine Seltenheit. Mehr als jeder Vierte (28 Prozent) kommt sogar auf mehr als acht Überstunden pro Woche: Sie schenken oft der Firma einen ganzen Tag Arbeitskraft. Auf ähnliche Werte dürften auch deutsche IT-Admins kommen. Dabei sollten Unternehmen bedenken: Eine schlechte Work-Life-Balance vertreibt Mitarbeiter.

Im Vergleich zu den USA sind die europäischen IT-Admins noch im Paradies: Die US-Kollegen sind mit 77 Prozent der Befragten deutlich gestresster. Allerdings machen in den USA nur 36 Prozent der Befragten das Management für die Misere verantwortlich, deutlich weniger als in Großbritannien. Warum sich die beiden Länder so stark unterscheiden, dafür hat die Studie leider keine Antwort parat. Klar wird nur: IT-Admin scheint kein Traumberuf zu sein. Das mag auch an Kollegen liegen.

Denn eine weitere Ursache für den Stress am Arbeitsplatz mögen auch die Nicht-ITler sein, denen die Admins zuhören müssen und deren Probleme sie lösen müssen. Die Befragten gaben in der Studie nämlich auch Anekdoten zum Besten. So beschwerte sich laut Studie ein Nutzer dem Admin gegenüber über einen Geist im PC, als die IT sich remote einloggte, um ein Problem zu lösen (was Admins sonst noch so erleben: "Skurrile Geschichten aus dem Helpdesk").

Marktforscher Opinion Matters hat die Umfrage durchgeführt, Initiator ist der US-Sicherheitsanbieter GFI. 200 Administratoren aus den USA und 200 aus Großbritannien haben für die Umfrage über Stress im ihrem Job gesprochen. Es wurden nur Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern berücksichtigt.

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