Personalauswahl

Schummlern auf der Spur

06. Oktober 2003
Von Marita Vogel
Weil Bewerber dazu tendieren, ihre Lebensläufe zu manipulieren, gehen Unternehmen mit harten Bandagen gegen Schummeleien vor - bis hin zur Überprüfung durch externe Detekteien.

Die Zahlen sprechen für sich: 51 Prozent der Angaben zur Beschäftigung oder Ausbildung in einer Bewerbung stimmen nicht. Das ergab die Überprüfung von drei Millionen Bewerbungen durch die US-Personalserviceagentur ADP. Weitere Ergebnisse: 24 Prozent der Bewerber sind schon gepfändet worden oder mussten eine eidesstattliche Versicherung abgeben, 9 Prozent machten Entschädigungsansprüche gegen Ex-Arbeitgeber geltend.

Deutsche Personalberater bestätigen: "Manipulationen am Lebenslauf kommen immer häufiger vor", so Martina Eder von der Managementberatung Steinbach und Partner in Wien. Fast jeder Bewerber hat Lücken im Lebenslauf; doch je härter die Zeiten auf dem Arbeitsmarkt werden, desto eher neigen Stellensuchende dazu, ihren Lebenslauf zu optimieren.

Detektivähnlicher Bewerbungscheck

Manipuliert wird immer da, wo es kaum auffällt: "Die nicht bestandene Diplomprüfung wird versteckt, indem nur das Studium selbst aufgeführt wird, die Prüfung aber nicht", sagt Georg Revesz, Partner bei der Personalberatung Civitas in München. Auch die kurze Verweildauer in einem Unternehmen, die auf einen Rauswurf in der Probezeit hindeute, werde gern mal vergessen. Aufgewertet werde dagegen die Position: Eine IT-Kraft, die ab und zu mit dem CIO spreche, sei dann jemand, der "an den Vorstand berichtet". Neu, so Revesz: "Das Alter wird verändert."

Georg Revesz, Partner bei Civitas „Die nicht bestandene Diplomprüfung wird versteckt, indem nur das Studium aufgeführt wird.
Georg Revesz, Partner bei Civitas „Die nicht bestandene Diplomprüfung wird versteckt, indem nur das Studium aufgeführt wird.

Der Kerpener IT-Dienstleister CC Compunet (3700 Mitarbeiter) versucht dem vorzubeugen: Bevor dort ein Arbeitsvertrag unterschrieben wird, checkt eine Agentur stichprobenartig die Angaben der Kandidaten - wie eine Detektei. "Wir spielen bei diesem Background-Check mit offenen Karten; die Bewerber werden von der Überprüfung in Kenntnis gesetzt", betont Personalchef Mirko Appel. Eingeführt wurde der Check vom früheren Eigentümer General Electric nach den Anschlägen vom 11. September. Doch auch unter dem neuen, englischen Besitzer Computacenta laufen die Profilabgleichungen weiter. Das sei notwendig: "Leider neigen immer mehr Bewerber dazu, Angaben in ihren Bewerbungsunterlagen zu beschönigen, um ihre Einstellungschancen zu erhöhen", so Appel.

Allerdings sollten potenzielle Arbeitgeber es mit ihrem Informationsbedürfnis nicht übertreiben. Kontrolliert werden dürfen in Deutschland - anders als in den USA - nur die Daten, die im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis stehen, und Informationen, die vom Bewerber selbst angeführt werden. Wer also unbedingt schummeln will, hat dazu noch reichlich Chancen.

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