Bei teurer Abo-Umstellung

Schwacher Euro stärkt SAP den Rücken

21. April 2015
Der starke Dollar und die Übernahmen von anderen Softwareanbietern geben SAP im ersten Quartal Rückenwind. Doch das Wachstum hat seinen Preis: Die Umstellung auf Abo-Modelle, das sogenannte Cloud Computing, kostet viel Geld.

Der starke Dollar hat das Wachstum des Softwarekonzerns SAP im ersten Quartal beflügelt. Zwar schrumpfte der Gewinn deutlich, weil Investitionen in das neue Geschäft mit Abo-Modellen, des sogenannten Cloud-Geschäfts, kosten. Doch SAP-Chef Bill McDermottBill McDermott versprach, dass sich die Kosten mit einem stärkeren Umsatzwachstum mehr und mehr ausgeglichen würden. "Wir haben kein Interesse daran negatives Wachstum, aber ein gutes Kosten-Management zu verkünden", sagte McDermott am Dienstag. An der Börse glaubt man dem SAP-Chef: Die Aktie legte zum Handelsstart kräftig zu. Profil von Bill McDermott im CIO-Netzwerk

Der starke Dollar sowie die jüngsten Übernahmen des Reisekosten-Spezialisten Concur und des Personaldienstleisters Fieldglass haben SAP zum Jahresauftakt im ersten Quartal einen kräftigen Schub verliehen (PDF-Link). Die Umsätze legten um 22 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro zu. SAP macht dank der Übernahmen inzwischen 32,5 Prozent seiner Umsätze in den USA. Alle Regionen hätten aber zu dem starken Wachstum beigetragen, betonte McDermott. Dank der Übernahmen konnte SAP auch seine Umsätze im neuen Cloud-Geschäft mehr als verdoppeln. Die Kehrseite: Der starke Aufbau des Abo-Geschäfts drückte auf den Gewinn. Nach Steuern verdiente SAP mit 413 Millionen Euro 23 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Der Trend ist nicht neu: Schon zu Jahresbeginn hatte SAP wegen des Umbaus seine mittelfristige Prognose bis 2017 kassiert. Beim Umsatz setzt sich der Softwarekonzern ein Ziel von 21 bis 22 Milliarden Euro - zuvor war man von mindestens 22 Milliarden Euro ausgegangen. Auch der Gewinn soll niedriger ausfallen als zuvor anvisiert.

Der Softwarekonzern ist zwar Marktführer für Programme zur Unternehmenssteuerung, die Buchhaltung, Logistikprozesse oder Personalmanagement abbildet. Doch sein angestammtes Geschäft mit Softwarelizenzen wuchs in der Vergangenheit kaum noch, im ersten Quartal nur dank des starken Dollars. Deshalb setzt SAP mehr und mehr auf Software, die vermietet wird, das sogenannte Cloud-Modell.

Da SAP für die Umstellung auf das Miet-Modell erst einmal Geld in die Hand nimmt, die Umsätze aber über einen längeren Zeitraum gestreckt werden als früher, drückt das auf den Gewinn. Hinzu seien im ersten Quartal Kosten für Übernahmen, aktienbasierte Boni für Mitarbeiter sowie für den angelaufenen Personalumbau gekommen, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Weil durch die Umstellung auf Cloud ComputingCloud Computing Jobs überflüssig werden, hat SAP kürzlich ein Abfindungsprogramm aufgelegt. Damit sollen drei Prozent oder rund 2000 der weltweit etwa 74.000 Mitarbeiter zum Wechsel bewegt werden. Im ersten Quartal seien dafür schon 50 Millionen Euro angefallen, sagte Finanzchef Mucic. Auf das Jahr gesehen werden es 150 bis 250 Millionen Euro sein. (dpa/tc) Alles zu Cloud Computing auf CIO.de