USA führen Data Center-Ranking an

Schweden kickt Deutschland vom Podium

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Deutschland ist in der Rangliste der sichersten Rechenzentrumsstandorte aus den Top Three gefallen. Die Aufsteiger kommen aus Skandinavien. Asiatische und südamerikansiche Offshore-Paradiese zieren das Ende des Feldes.
Die Karte zeigt, welche Platzierungen im Gesamtranking die dargestellten Länder erreichten. Hellgrün ist gut, blau eher mau.
Die Karte zeigt, welche Platzierungen im Gesamtranking die dargestellten Länder erreichten. Hellgrün ist gut, blau eher mau.
Foto: Cushman & Wakefield

Die besten Bedingungen für Rechenzentren weltweit gibt es in den USA, gefolgt von Großbritannien und Schweden. Deutschland folgt direkt dahinter auf einem sehr guten vierten Rang, verlor im Vergleich zum Vorjahr aber seinen Podestplatz an Schweden.

O.k., das mit den „besten Bedingungen" ist eine etwas verkürzte, aber nicht ganz falsche Wiedergabe. Die genannten Länder führen den „Data Center Risk Index" an, den die Beratungshäuser Hurleypalmerflatt, Cushman & Wakefield und Source8 erstellt haben. Abgebildet werden in der Studie die wichtigsten Risiken, die den erfolgreichen Betrieb eines Rechenzentrums gefährden. Bemerkenswert ist dabei, dass die Vereinigten Staaten auch im Jahr des Hurrikans Sandy im Großraum New York ihre Spitzenposition hielten. Zwar bedeutete das den vorletzten Platz in der Kategorie Naturkatastrophen, aber diese genießt – anders als in der öffentlichen Wahrnehmung – im Ranking nicht die höchste Bedeutung.

30 Länder, 13 Kriterien

Die drei Consulting-Firmen haben insgesamt 30 Länder in ihre Rangliste der Data Center-Standorte gepackt. Bewertet wurde nach 13 Kriterien mit unterschiedlicher Gewichtung. Als wichtigste Kategorien galten den Studienautoren Energiekosten, internationale Bandbreite und die Möglichkeit, störungsfrei Geschäfte zu machen. Es folgen sieben Kriterien, die wenig stark gewichtet wurden: Unternehmensbesteuerung, Arbeitskosten, politische Stabilität, Nachhaltigkeit, Naturkatstrophen, Bildungsniveau und Energiesicherheit. Noch weniger Bedeutung wurde den verbliebenen drei Kategorien zugemessen: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, Inflationsrate und Verfügbarkeit von Wasser.

Ein erster unbefangener Blick auf das Ranking macht deutlich, dass von der Gewichtung der Faktoren vieles abhängt und man die komplexe Frage der Rechenzentrums-Risiken sicherlich auch ganz anders beantworten könnte als die drei Beratungshäuser. Kein Standort ist frei von eklatanten Schwächen. Die USA als souveräner Gesamtsieger liegen wie erwähnt bei der Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen nur knapp vor Japan und sogar auf dem letzten Platz bei den hohen Steuern, die Firmen zu zahlen haben. Der Spitzenplatz bei der Breitbandverkabelung sowie Top-Plätze auch bei den beiden anderen Top-Kriterien bedeuten am Ende aber unangefochten Platz Eins.

Katar demgegenüber wartet wenig überraschend mit den niedrigsten Energiekosten auf, dazu mit dem höchsten Bruttoinlandseinkommen pro Kopf und der zweitniedrigsten Unternehmensbesteuerung. Wegen der schlechtesten Breitbandversorgung reicht das am Ende nur zu einem mittelprächtigen zehnten Platz. Sogar noch einen Platz schlechter schneidet die Schweiz ab, obwohl die Eidgenossen ebenfalls in den genannten Kategorien in Teilen sehr gut sind, die niedrigste Inflationsrate aufweisen und bei der Breitbandverkabelung immerhin im Mittelfeld liegen. Die Energiekosten in der Alpenrepublik sind selbstredend deutlich höher als in Katar.

Beispiele für zumindest diskussionswürdige Bewertungen finden sich in der Studie so manche, da sie für alle 13 Kategorien auf einem vergleichenden Ranking basiert. Dass die USA vor Kanada in der Kategorie Bildung dominieren stimmt vielleicht, offenbart vielleicht aber auch eine typisch angloamerikanische Brille der Autoren. Dass das US-amerikanische Schul- und Hochschulsystem seine unübersehbaren Stärken, aber auch eklatanten Schwächen hat, scheint nicht unbedingt reflektiert worden zu sein. PISA-Siegerländer wie Finnland und Südkorea mit ihren sich voneinander stark unterscheidenden System kommen in dieser weichen Kategorie übrigens lediglich auf die Plätze 15 und acht, Deutschland auf Rang 16. Die USA wiederum landen im Ranking nur auf Platz 20 bei der politischen Stabilität, vermutlich ein Ausfluss der Terrorgefährdung dort. Ob man deshalb zwingend Polen, Irland, China und Indien für politisch stabiler halten muss als die Vereinigten Staaten, bleibt am Ende wohl eine Geschmacks- und Interpretationsfrage.

Schlusslicht Brasilien, Indien schlecht

Diese Anmerkungen sollen nur verdeutlichen, dass es bei derartigen Bewertungen große Spielräume für anders gelagerte Beurteilungen gibt und einzelne IT-Anwender bei eigenen Überlegungen aus guten Gründen zu anders Ergebnissen gelangen werden. Als um Objektivität und Umfänglichkeit bemühtes Grundgerüst bietet das Ranking der drei Beratungshäuser gewiss eine gute erste Orientierung.

Die eindeutigste Botschaft ergibt sich sicherlich, wenn man neben den Positionen auf den Gesamtpunkte-Index schaut. Die USA werden als Sieger mit 100 Punkten bewertet, die genannten Verfolger und Kanada auf Platz Fünf liegen noch über 80 Punkten. Am Ende des Tableaus meistert Russland auf Rang 24 nur knapp die 60-Punkte Hürde. Dahinter reihen sich eine Handvoll Länder ein, die zum Teil wegen gewissen Kostenvorzügen den Ruf als Offshoring-Paradiese genießen. In der Studie wird hingegen nicht empfohlen, Rechenzentren in China, Japan oder Mexiko zu betreiben. Indonesien und Indien verfehlen sogar die 50 Punkte, Schlusslicht Brasilien endet mit lediglich 35 Punkten.