Berliner gestalten eZürich

Schweizer sauer über deutsche Web-Firma

22. Dezember 2010
Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Zoff um das E-Government-Projekt eZürich: Der Berliner Dienstleister Zebralog bekam den Zuschlag für Gestaltung und Betreuung. Schweizer Firmen sind irritiert.

Wie Berlin, München und andere Städte wollte auch die Stadt Zürich eine Online-Plattform haben, auf der Bürger Wünsche, Ideen und Vorschläge einreichen können. "Zürich will Europas Silicon Valley werden", schrieb dazu unsere Schweizer Schwesterpublikation Computerworld.ch auf ihrer Internetseite. Die Schlagzeile lautete: "eZuerich mit deutscher Starthilfe".

Das Logo der zunächst umstrittenen Plattform www.ezuerich.ch.
Das Logo der zunächst umstrittenen Plattform www.ezuerich.ch.
Foto: Stadt Zürich

Das Berliner Unternehmen Zebralog war von der Stadt Zürich damit beauftragt worden, die Website zu gestalten und den dahinterstehenden Ideenwettbewerb zu betreuen. Zebralog rühmt sich auf der eigenen Website "als Pioniere der E-Partizipation". Die Mitarbeiter dort sehen ihre Aufgabe darin, "den Austausch zwischen verschiedenen Institutionen und Interessensgruppen effektiv und überzeugend" zu gestalten.

Die Projektleiterin und Geschäftsführerin des Bereichs Stadtdialoge Daniela Riedel von Zebralog sagte gegenüber CIO.de: "Wir hatten in der ersten Woche eigentlich nur mit dieser Geschichte zu kämpfen. Die Medien schrieben alle gegenseitig voneinander ab." Mittlerweile hätten sich die Gemüter aber wieder beruhigt. Die verantwortlichen Politiker der Stadt Zürich stünden hinter ihnen und hätten ihre Entscheidung stets öffentlich verteidigt.

Kritik über die Vergabe des auf einen fünfstelligen Betrag veranschlagten Projekts gab es in der Schweiz am Anfang genug: Der Geschäftsführer des Luzerner Webspezialisten Nextage, Marco Eggenschwiler, sagte laut Computerworld.ch, die Auftragsvergabe an ein deutsches Unternehmen sei "eine Frechheit, da sich in der Schweiz fähige Firmen für solche Projekte anbieten." Ivan Kellenberger, IT-Chef der Zürcher Webagentur Futurecom interactive, meint, die Auftragsvergabe sei "leicht befremdlich". Ralph Hutter, Leiter Marketing und Kommunikation Schweiz beim E-Business-Spezialisten Namics, ist "unglücklich, dass ein deutsches Unternehmen das Webportal eZuerich gestaltet hat und betreut". Stephan Handschin, CEO des Internet-Dienstleisters Unic Schweiz, sagte: "Dass gerade ein Portal, welches Zürich als Topstandort im Bereich ICT etablieren soll, von einem deutschen Dienstleister entwickelt und betreut wird, ist etwas unglücklich."