Ausblick

Selbstfahrende Autos stehen noch vor vielen Hürden

09. August 2016
Dass selbstfahrende Autos in wenigen Jahren zum Alltag im Straßenverkehr gehören werden, gilt bereits als Sicher. Die Branche macht sich jetzt daran, die neuen Probleme zu lösen, die sie mit sich bringen.
Selbstfahrende Autos werden kommen. Da sind sich die Experten in der Automobilbranche einig.
Selbstfahrende Autos werden kommen. Da sind sich die Experten in der Automobilbranche einig.
Foto: riopatuca - shutterstock.com

Autos, die nicht von allein fahren können, werde auf lange Sicht das Schicksal von Pferden ereilen, sagt Tesla-Chef Elon Musk. "Man wird nur aus sentimentalen Gründen eins besitzen", prophezeihte der Milliardär hinter dem Elektroauto-Hersteller jüngst die künftige Dominanz der Computer am Steuer.

Nun ist Musk, der seit Jahren versucht, dem Verbrennungsmotor auf der Straße Konkurrenz zu machen und in diesem Jahr gerade einmal gut 50000 Autos baute, bekannt für markige Sprüche. Aber auch im Rest der Branche hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass die Roboterwagen in den Alltag einziehen. "Selbstfahrende Autos werden kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche", sagt Ralf Lenninger vom Autozulieferer Continental. Das Tempo, in dem sich die IndustrieIndustrie wandelt, zieht an. Top-Firmen der Branche Automobil

Allein in den vergangenen Wochen überschlugen sich die Nachrichten. ToyotaToyota kündigte die Investition von einer Milliarde Dollar in die Arbeit an künstlicher Intelligenz für Fahrzeuge an. Die Gruppe französische PSA-Gruppe von PeugeotPeugeot und CitroenCitroen gab bekannt, dass ihr selbstfahrendes Auto rund 3000 Kilometer von Paris nach Madrid fuhr. Tesla schaltete seine Autopilot-Software frei, mit der das Auto unter anderem Spur und Abstand zum vorderen Fahrzeug hält. Im kommendem Jahr soll es eine eigene Renn-Serie für selbstfahrende Fahrzeuge geben, angekoppelt an die Formula-E für Elektroautos. Und in der Schweizer Stadt Sion sollen im Frühjahr zwei autonom fahrende Busse den Betrieb aufnehmen. Top-500-Firmenprofil für Citroen Top-500-Firmenprofil für Peugeot Top-500-Firmenprofil für Toyota

Die Stimmung ist eindeutig: Beim autonomen Fahren geht nur noch um "wann" und "wie" und nicht mehr um das "ob". Jetzt können sich die Anbieter auf das Lösen der neuen Probleme konzentrieren, die selbstfahrende Autos mit sich bringen, während sie andere - wie Unfälle durch menschliche Fehler - lösen.

Dazu gehört, die Rolle des Menschen am Steuer zu klären. Im Moment heißt es, der Fahrer solle jederzeit bereit sein, die Steuerung seines Automobils wieder selbst zu übernehmen. Aber genauso klar ist auch, dass es selbst erfahrenen Autofahrern schwer fallen wird, sich im Verkehrsgeschehen zurechtzufinden. Die Industrie sucht nach Antworten.

"Wir müssen erst einmal feststellen, ist der Mensch überhaupt in der Lage, wieder die Verantwortung zu übernehmen", sagt Lenninger. Continental entwickelt deshalb Systeme zur Fahrerbeobachtung. Dabei kommen Kameras zum Einsatz, aber auch die Position im Sitz wird ausgewertet. Aus den Daten wird eine Reaktionszeit prognostiziert. Sie kann extrem gering sind - aber auch bei 13 bis 15 Sekunden liegen, wenn der Mensch am Steuer eingenickt sein sollte. Für solche Fälle wird ein "Notfallprogramm" benötigt - zum Beispiel dass das Auto einen Warnblinker einschaltet und an den Straßenrand fährt.

Google arbeitet seit 2009 an selbstfahrenden Autos. Das Unternehmen entschied sich für eine radikalere Lösung. Die zukünftigen Google-Autos sollen ganz ohne Pedale und Lenkrad auskommen und die Kontrolle komplett beim Computer liegen.

"Es war eine schwierige Entscheidung", räumt Chefentwickler Chris Urmson ein. "Aber wenn sie in einem Auto sitzen, dass die ganze Zeit von allein alles richtig macht, schwindet Ihre Aufmerksamkeit. Wenn Sie sich dann plötzlich ins Verkehrsgeschehen einschalten müssen, haben Sie nicht den Überblick über die Situation, wie Sie ihn üblicherweise hätten."

Daraus entsteht auch die nächsten Fragen: Wie soll sich ein Computer in einer nicht mehr vermeidbaren Unfall-Situation verhalten? Wen soll er zuallererst schützen? Google will dieses auch ethische Problem mit Algorithmen lösen. "In unserem Fall versucht das Auto zuallererst, Fußgängern und Radfahrern auszuweichen", sagt Entwickler Urmson. "Dann vermeidet es den Kontakt mit anderen fahrenden Fahrzeugen. Und erst an dritter Stelle kommen stillstehende Objekte wie Bäume."

Der schwedische Autobauer VolvoVolvo, inzwischen in chinesischer Hand, preschte jüngst mit einem radikalen Lösungsvorschlag für eine damit verbundene zentrale rechtliche Frage vor. Volvo will bei eventuellen Unfällen mit seinen selbstfahrenden Fahrzeugen die volle Haftung übernehmen. Nach bisherigen Regelungen sind die Fahrer am Steuer verantwortlich. Top-500-Firmenprofil für Volvo

Bei Continental hofft man auf die Fähigkeit der Software, Unfälle zu vermeiden. "Wenn ich ein selbstfahrendes Auto habe, werde ich in eine solche Situation gar nicht erst kommen", sagt Lenninger. "Das ist ja schließlich der Gag am selbstfahrenden Auto." (dpa/rs)