Verwirrende Strategie der Anbieter

Server-Markt im Umbruch

01. Mai 2006
Von Hartmut Wiehr
2005 brachte eine Wende im Server-Markt. Zum ersten Mal setzten die Hersteller mit Windows-basierten Systemen mehr um als mit der Unix-Variante. Große Anbieter wie Sun, IBM oder HP lassen keine klare Strategie erkennen.

Die Zahlen von IDC ließen aufhorchen. Laut dem jüngsten Server-Tracker des Marktforschers verkauften die Computerhersteller im Jahr 2005 mit einem Umsatz von 17,7 Milliarden Dollar mehr Windows- als Unix-Server (17,5 Milliarden Dollar). Damit war es gewissermaßen amtlich, was Insider schon länger behaupteten: Unix verliert im Server-Bereich an Boden. IDC-Analyst Matthew Eastwood: „Das ist das erste Mal seit dem Start des Trackers im Jahr 1996, dass Unix nicht vorne liegt.“ Nicht zuletzt seien es die niedrigeren Betriebskosten, die die Kunden zu Windows-Systemen treiben. Auch verbesserte MicrosoftMicrosoft seine Position, indem das Unternehmen sein Betriebssystem kontinuierlich weiterentwickelte und eine höhere Stabilität sowie Clusterfähigkeit erreichte. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Rekordergebnis: Mit einem Gesamtumsatz von mehr als 51 Milliarden Dollar weltweit erzielten die Server-Hersteller im Jahr 2005 den höchsten Umsatz seit fünf Jahren. Dabei überrundeten Windows-Systeme erstmals die Einnahmen mit Unix-Servern.
Rekordergebnis: Mit einem Gesamtumsatz von mehr als 51 Milliarden Dollar weltweit erzielten die Server-Hersteller im Jahr 2005 den höchsten Umsatz seit fünf Jahren. Dabei überrundeten Windows-Systeme erstmals die Einnahmen mit Unix-Servern.

In der Server-Branche lässt sich nun das beobachten, was Clayton M. Christensen in seinem 1997 veröffentlichten Bestseller „The Innovator’s Dilemma“ als den Kampf zwischen „disruptive“ (zerstörende) und „sustaining“ (bewahrende) Technologien bezeichnete: Hersteller beziehungsweise Marktführer, die zu spät auf neue Techniken setzen und an ihren bewährten Produkten festhalten, geraten in die Defensive. Wer den richtigen Zeitpunkt zum Wechsel verpasst, läuft Gefahr, über kurz oder lang aus dem Anbieterkarussell zu fliegen. Komplizierter wird es im Server-Markt dadurch, dass nahezu sämtliche Hersteller die gesamte Server-Palette im Programm haben.

Open Source als Option

Zum Beispiel Sun. Zu lange hatte sich das Unternehmen darauf verlassen, dass Windows nicht Server-tauglich sei. Das änderte sich schlagartig, als mit Microsoft im April 2004 ein Burgfrieden geschlossen wurde. Nachdem der Absatz von Highend-Servern (E10000 und E12000) stark zurückging und der Versuch scheiterte, Mainframe-Kunden von IBMIBM abzuwerben, bietet Sun nun auch x86-Server mit Opteron-Prozessoren von AMD an. Gleichzeitig versucht das Unternehmen einen Relaunch der hauseigenen Unix-Server. Gelingen soll dieser durch Preisreduzierungen, günstige Einstiegs-Server und dadurch, Solaris zu einem Open-Source-Projekt zu machen. Das hauseigene Betriebssystem bietet der Konzern inzwischen auch wieder für x86-Rechner an. Alles zu IBM auf CIO.de

Mit der Öffnung von Solaris steuert Sun einen gewagten Kurs: Man ist auf das Wohlwollen freier Entwickler angewiesen. Sie sollen aus einem proprietären Betriebssystem plus Servern ein offenes System machen, das letztlich zum Wachstums- und Profitmotor werden soll. Auch für IBM ist Open SourceOpen Source ein Thema. Mit einem Anteil von 32,9 Prozent führt der Konzern laut IDC den Server-Markt an. Die Stärke, in allen Segmenten vertreten zu sein, könnte sich noch als Schwäche erweisen.Mit den Mainframes iSeries (Unix-Server mit AIX) und zSeries (Intel-basierte Server) verfügt IBM über zwei Linien, die schon lange im Markt sind. Neue Kunden gewinnt der Konzern allerdings kaum noch. Alles zu Open Source auf CIO.de

Durch gemeinsame Standardkomponenten wie den Power-Prozessor und das Betriebssystem Linux, das als Klammer von Mainframe-Systemen bis herunter zur eSeries angeboten wird, versucht IBM, Homogenität in der Heterogenität zu erzeugen. Den Kunden kann die sich überlappende Strategie bei den Betriebssystemen AIX und Linux nur verwirren – es wird zunehmend fragwürdig, ob IBM dabei bleibt, mit AIX ein eigenes Unix-Derivat zu pflegen.