IT-Kosten-Allokation bei Infineon

Service-Verrechnung statt Kostenumlage

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Infineon hat die reine Umlage der IT-Kosten auf Fachabteilungen abgeschafft. Jetzt rechnet die IT nach 33 Servicepaketen mit 157 Services ab. Allerdings musste CIO Michael Schmelmer erst das IT-Controlling davon überzeugen.
Michael Schmelmer CIO, Infineon: "Es war nicht von vornherein entschieden, dass wir das Modell auch einführen."
Michael Schmelmer CIO, Infineon: "Es war nicht von vornherein entschieden, dass wir das Modell auch einführen."
Foto: Infineon Technologies AG

"Ich habe mich erst mal geweigert." IT-Controller Stefan Betz von der Infineon Technologies AGInfineon Technologies AG war gar nicht begeistert vom Plan seines CIOs: Mit einem neuen Modell zur IT-Kosten-Allokation sollten sie die Komfortzone verlassen, die sie sich mühsam erkämpft hatten. Durch Restrukturierung und Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre war der einst "ordentliche Kostenblock" der Infineon-IT auf 2,5 Prozent vom Umsatz halbiert worden, und die obligatorische Kritik der Fachbereiche an der Höhe der IT-Ausgaben war verstummt: "Transparente Kosten, keinerlei Diskussionen - kein Kaufmann würde das freiwillig ändern", sagt Betz. Top-500-Firmenprofil für Infineon Technologies AG

Dann kam CIO Michael Schmelmer mit seinem mittelfristigen Masterplan daher: Service-Portfolio-Management. Der Haken: "Dafür benötige ich die Kosten und die Konsumenten jedes Services", argumentierte Schmelmer.

Die Unternehmenszahlen von Infineon.
Die Unternehmenszahlen von Infineon.
Foto: Redaktion CIO

Die Manager entwickelten mit externen Beratern ein "vereinfachtes Verrechnungsmodell" der IT-Kosten zu den Verbrauchern: "Ich wollte zusammen mit dem Controlling zeigen, dass die bisherige Umlage der IT-Kosten auf die Geschäftsbereiche nichts mit dem tatsächlichen Konsum der IT zu tun hat", beschreibt CIO Schmelmer einen Beweggrund. Es galt, die "Corporate Tax" der IT abzuschaffen und den jeweiligen Aufwand mit dem tatsächlichen Verbrauch abzugleichen. "Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, wenn die pauschale Steuer verfeinert wird - dass nicht einer alles zahlt und die anderen davon profitieren", so der CIO.

Dabei sollte es keinesfalls das direkte Gegenteil von der IT-Steuer werden, also die Verrechnung Gerät für Gerät. In einem zweistufigen Prozess werden die Kosten nun teilweise variabel dem Verursacher berechnet, während der Rest nach einem Schlüssel auf die einzelnen Geschäftseinheiten umgelegt wird. Wie groß der Anteil der festen und der variablen Kosten bei einem Service ist, muss ausgehandelt werden. "Mit einer direkten Verrechung hätten wir uns verkünstelt", argumentiert IT-Controller Betz und plädiert damit für den Goldenen Mittelweg: "Wir wollten das System nicht komplizierter machen, sondern transparenter." Zudem seien sie von anderen Unternehmen mit Erfahrungen in der kompletten Verrechnung vor dem Mehraufwand gewarnt worden.