Post-Packstationen

SMS statt Bote

02. Februar 2004
Von Andreas Schmitz
Rund 65 000 Postkunden nutzen bereits Packstationen. Zusteller bringen Pakete nicht mehr zur Haustür, sondern zu Fächern an Bahnhöfen, Tankstellen und Einkaufszentren. In einer SMS oder E-Mail erfährt der Kunde, wo er das Paket abholen kann.
Rund um die Uhr können Postkunden ihre Pakete abholen. Manko: Bislang gibt es den Service nur in ausgewählten Städten.
Rund um die Uhr können Postkunden ihre Pakete abholen. Manko: Bislang gibt es den Service nur in ausgewählten Städten.

Neben privaten Paketabholern nutzen immer mehr Firmen die neue Paketlogistik der Deutschen Post. Der Chemiekonzern Roche und die Deutsche Telekom etwa verzichten, wo es geht, auf die bisher praktizierte "Kofferraumlogistik": Dabei wurde am Abend vor der Arbeit ein Auto mit den Ersatzteilen an der Baustelle oder beim Kunden abgestellt. Jetzt fahren Techniker Packstationen an und holen sich ihre Ersatzteile dort ab. Auch Internet-Shops wollen sich in das Logistik-Konzept einklinken, darunter der Online-Buchladen AmazonAmazon, der Pinneberger Modeversandhändler Conleys und das Versandhaus Quelle. "Wir versprechen uns von unserem Konzept nicht nur Einspareffekte, sondern auch neue Impulse für den Versandhandel", sagt der Projektleiter der Deutschen Post, Boris Mayer. Alles zu Amazon auf CIO.de

Weniger Stopps der Kuriere - weniger Kosten

Deshalb weitet die Deutsche Post das Netz ihrer Packstationen in diesem Jahr aus. Der Grund ist eine einfache Rechnung: "Der Halt eines Kuriers kostet etwa 15 bis 20 Euro", sagt Anja Schmitz von der Münchener Beratungsgesellschaft Avinci, die den Business-Plan für die Deutsche Post mitentwarf. "Je weniger vergebliche Halts nötig sind, umso mehr Geld spart die Post." Passen in die bisher 90 Packstation je 70 Pakete, ließen sich täglich bis zu 120 000 Euro an Zulieferkosten einsparen.

In Frankfurt, Mainz, Dortmund, Offenbach und Bad Vilbel gibt es bislang Packstationen, die rund um die Uhr zugänglich sind. Frankfurt ist mit 50 Stationen bisher am besten erschlossen, gefolgt von Mainz mit 14 und Dortmund mit 11. Wo der Kunde die Station findet, erfährt er als Besitzer der "Golden Card der Deutschen Post" aus einer elektronischen Nachricht - per SMS oder E-Mail.

Post entdeckt die ersten Stammkunden

Nun soll das Konzept auch in Hamburg, München, Köln, Wiesbaden und Darmstadt ausgerollt werden. Die Kunden nehmen das Konzept einer internen Marktstudie zufolge gut an. Die durchschnittliche Kundenbewertung liegt nach Angaben von Projektleiter Mayer bei 1,75 (1 = sehr gut; 6 = schlecht). In einer Umfrage unter 5800 Kunden lobten die Befragten die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten (96,5 Prozent), die Zeitersparnis (62,6 Prozent) und die bequeme Nutzung (55,5 Prozent).

In Einkaufszentren, Tankstellen und Bahnhöfen sind die Packstationen zu finden: Nach Hineinschieben der Goldenen Packstationskarte und Einloggen mit einer Pin ins System springt das Schließfach auf. Das ist wenig charmant - aber es funktioniert. Fast drei Viertel der Kunden schnuppern nicht nur einmal in den Service hinein, sondern nutzen ihn nach Angaben von Mayer aktiv.