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Geld und Kommunikation

So gelingen IT-Innovationen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Dass IT-Innovationen das Geschäft ankurbeln, zeigen Finanzindustrie und Automotive. Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens ist nicht nur eine Frage des Budgets, sondern auch der Kommunikation.
Innovationen kommen eher von den Sales-Mitarbeitern und der Marketing-Fachgruppe als aus der IT-Abteilung.
Innovationen kommen eher von den Sales-Mitarbeitern und der Marketing-Fachgruppe als aus der IT-Abteilung.
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Seit etwa fünf Jahren hat sich die Innovationskraft der IT zum Top-Thema von Entscheidern gemausert. Das erklärt zumindest der Berater A.T. Kearney in der Studie "IT innovation spurs renewed growth". Die Consultants untersuchen seit über zehn Jahren, wie Unternehmen verschiedener Branchen IT einsetzen. Laut ihrer aktuellen Analyse ist die IT, überspitzt gesagt, das Geschäftsmodell jeden Unternehmens geworden.

Beispiele dafür liefern etwa die Auto- und die Finanzindustrie. Auf dem Automarkt wird künftig reüssieren, wer die Fahrzeuge durch IT mit Wohnung oder Arbeitsplatz des Fahrers vernetzt. BankenBanken und VersicherungenVersicherungen statten Kundenberater mit iPads aus. So können Mitarbeiter der Barmenia seit Ende vorigen Jahres eine App nutzen, die komplett durch Gesten auf dem Touchscreen gesteuert wird und Texteingaben überflüssig macht. Die Versicherung hat noch vor dem Jahreswechsel den Verkaufsanlass Unisex mitgenommen (nach einer Gesetzesänderung mussten die Tarife für beide Geschlechter angepasst werden). Top-Firmen der Branche Banken Top-Firmen der Branche Versicherungen

A.T. Kearney wollte über solche Beispiele hinaus wissen, wie es faktisch um den Umgang mit IT-Innovationen bestellt ist. Dabei zeigt sich ein Widerspruch: Zwar reden Top-Manager mehr über die Notwendigkeit von Innovationen, sie stellen aber immer weniger Geld dafür bereit. Im Jahr 2002 flossen satte 35 Prozent in IT-Innovationen (Business Enablement: 37 Prozent, IT Operational Excellence: 28 Prozent). Im Jahr 2012 waren es nur noch zwölf Prozent (Business Enablement: 50 Prozent, IT Operational Excellence: 38 Prozent). Angesichts zunehmender Digitalisierung der Welt eine Fehlentwicklung, so die Analysten. Sie haben sich auf Ursachensuche begeben.

Das größte Problem lässt sich demnach mit einem Wort umschreiben: Kommunikation. Laut A.T. Kearney gelingt es Informatikern noch immer nicht, dem Business die Vorteile von IT-Innovationen verständlich darzustellen. Unternehmen geben denn auch an, Innovationen kämen eher aus Sales und Marketing als aus der IT-Abteilung.

Das hat auch mit der Komplexität der IT zu tun. Die Studienautoren zitieren aus einem langen Gespräch, das sie mit einem CIO geführt haben. Dieser berichtete von einem Projekt: Er wollte seine Anwendungslandschaft erfassen und eine Fünf-Jahres-Strategie entwickeln. Sein Team habe mehr als sechs Monate gebraucht, um sämtliche Applikationen zu katalogisieren. Von einer Analyse der TCOTCO (Total cost of ownership) oder einem Plan zur Transformation des Anwendungsportfolio sei er noch immer weit entfernt. Nach sechs Monaten hatte er nichts, was er vorzeigen konnte, sagte der CIO. Alles zu TCO auf CIO.de

IT-Chefs beklagen außerdem, das Tagesgeschäft lasse ihnen wenig Zeit. Darüber hinaus haben sie mit inkonsistenten Daten zu kämpfen. Veränderungen bräuchten oft lang, bis sie wirksam werden.

A.T. Kearney hat noch einen weiteren Grund ausgemacht: viele Entscheider kooperieren mit einer großen Zahl an Dienstleistern. Das Klein-Klein der Outsourcing-Verträge bindet Energie. Glaubt man den Analysten, sind die innovativsten Unternehmen ohnehin diejenigen, die Innovationskraft im eigenen Hause nutzen und nicht von außen hereinholen.

Für die Bankenbranche beispielsweise sollte das kein Problem sein - behauptet jedenfalls Samad Masood von Accenture. Er verantwortet Accentures Technology Research in Großbritannien und das Forschungsfeld Infrastructure-Services weltweit. Anlässlich einer Konferenz von Accenture sagte Masood im März gegenüber cio.de: "Banken haben einige der besten Informatiker der Welt, das können sie sich auch leisten." Masood lobt, dass die Geldinstitute genug Etat bereitstellen.

Allen Unternehmen, die die Innovationskraft der IT besser nutzen wollen, gibt A.T. Kearney folgende sechs Tipps mit auf den Weg:

1. Ein erstklassiges IT-Team aufbauen: A.T. Kearney spricht von "Weltklasse"-Fähigkeiten, die das unternehmenseigene IT-Team mitbringen sollte. Nur so gebe es Raum für IT-Innovationen.

2. Koordination und Erfolgsmessung: Innovationskraft muss kontrollierbar sein, ihre Wirkung muss gemessen werden. Das gelingt umso besser, je stärker die Initiativen koordiniert werden. Nicht in isolierten Projekten herumwerkeln!

3. Ein Gremium etablieren: Die Analysten raten, ein Gremium aus IT-Entscheidern und der Business-Seite zu etablieren. Die Erfahrung zeige, dass Unternehmen mit einem solchen Council erfolgreicher sind.

4. Die Perspektive der IT im gesamten Unternehmen verankern: Die Frage, wie die IT Produkte und Services verbessern kann, soll sich durch das gesamte Unternehmen ziehen.

5. IT-Innovation zu einer Herzensangelegenheit machen: Nicht nur IT- und Business-Entscheider, auch die Anwender müssen die Relevanz des Themas IT-Innovation verstehen.

6. Geschäftsentscheidungen auf Basis neuer Technologien treffen: Egal, in welcher Branche ein Unternehmen operiert - es muss neue Technologien aufgreifen und für die eigenen Angebote umsetzen. (Leider verrät A.T. Kearney nicht, wie Entscheider echte technologische Neuerungen von kurzfristigen Hypes unterscheiden).