Business Enabler

So schaffen CIOs mit OpenStack einen Wertbeitrag

14. Juli 2015
René Büst ist Senior Analyst und Cloud Practice Lead bei Crisp Research mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
OpenStack ist grundsätzlich erst einmal nur eine Infrastrukturmanagementlösung und leistet damit keinen direkten Wertbeitrag zum Unternehmenserfolg. Allerdings müssen sich CIOs mittlerweile genau daran messen lassen um sich als Business-Enabler zu positionieren.

Die Frage die sich stellt ist, wie OpenStack einen relevanten Mehrwert für ein Unternehmen liefern und aus dem Schatten einer simplen Open-Source Cloud-Managementsoftware heraustreten kann. CIOs müssen also die grundsätzliche Frage klären, wie ihnen OpenStack einen strategischen Vorteil bieten kann.
Dies ist nur dann der Fall, wenn sie OpenStack anders einsetzen als ihre Mitbewerber und sich somit nicht ausschließlich auf die Operational Excellence beschränken. Vielmehr geht es darum, die OpenStack-Technologie als Teil der IT-Strategie zu erkennen, um darüber einen echten Nutzen für das Unternehmen zu stiften.

Die OpenStack-Strategie besteht darin, zu schauen, was die OpenStack-Community zu bieten hat, die notwendigen Services zu adaptieren und individuelle Enablement-Services und Lösungen selbst zu entwickeln.
Die OpenStack-Strategie besteht darin, zu schauen, was die OpenStack-Community zu bieten hat, die notwendigen Services zu adaptieren und individuelle Enablement-Services und Lösungen selbst zu entwickeln.
Foto: Andrea Danti-shutterstock.com

Spielwiese: Enablement-Platform für Entwickler

CIOs die mit OpenStack einen Wertbeitrag für ihr Unternehmen erzielen wollen, müssen darin mehr sehen als nur eine reine Managementlösung für ihre Cloud-Infrastruktur. In diesem Fall geht es um weit mehr als nur Kosteneinsparungen und die Infrastruktur zu betreiben. CIOs müssen OpenStack als eine Enablement-Plattform für ihre Entwickler verstehen und die Open-Source-Lösung gleichermaßen so einsetzen.

CIOs die sich lediglich auf die Operational Excellence konzentrieren möchten und damit nur einer von vielen sein wollen, die können sich an einer der vielen Standard OpenStack-Distributionen bedienen.
Für diejenigen, die in OpenStack ein strategisches Vehikel sehen, eignet sich eine Distribution hingegen als eine gute Basis, um OpenStack zu erweitern und als Enablement-Plattform auszubauen.

OpenStack als Enablement-Plattform bedeutet, den Entwicklern viel mehr als nur virtuelle Maschinen, Speicherplatz und Datenbanken zur Verfügung zu stellen. Es geht dabei um die Bereitstellung von höherwertigen Services, wie sie in den Service-Portfolios von Amazon Web Services und Microsoft Azure zu finden sind. Dabei handelt es sich um Microservices, die bei der Applikationsentwicklung unterstützen.
Konkret handelt es sich dabei um fertige Elemente die selbst nicht mehr entwickelt werden müssen und sich stattdessen direkt als Bausteine im eigenen Quellcode verwenden lassen.

Die OpenStack-Community hat die Bedeutung erkannt und versucht langsam bestimmte Teile aus dem AWS- beziehungsweise Azure-Service-Portfolio ebenfalls in den OpenStack-Funktionsumfang zu übernehmen. Erste Services sind Sahara (Elastic Map Reduce) und Zaqar (Multiple Tenant Cloud Messaging). Das reicht natürlich bei weitem noch nicht aus und es werden weitere Microservices benötigt, um OpenStack als eine Enablement-Plattform zu gestalten.

Verschiedene Einsatzvarianten von Openstack
Verschiedene Einsatzvarianten von Openstack
Foto: Crisp Research AG

Eines sollte in diesem beschriebenen Szenario allerdings nicht unterschätzt werden: die signifikanten Investments die dafür notwendig sind. Eine massiv skalierbare und global verfügbare Cloud-Infrastruktur beziehungsweise Enablement-Plattform aufzubauen ist zum einen komplex und zum anderen sehr kostenintensiv.
Dies muss CIOs jedoch nicht davon abhalten, in eigener Regie und Kontrolle eine auf OpenStack basierende Plattform zu betreiben. Hierfür eignen sich zum Beispiel Partnerschaften mit Hosting-Anbietern, um OpenStack in unterschiedlichen Deployment-Modellen einzusetzen. Welche Varianten dafür geeignet sind, beschreibt das Research Paper "Managing OpenStack: Heimwerker vs. Smarte Cloudsourcer".

Trotz einer hohen Komplexität können sich CIOs die Offenheit und Flexibilität von OpenStack zu Nutze machen und auf Basis der zahlreichen Sub-Projekte ihre maßgeschneiderte Lösung entwickeln.

Innovation: Raus aus der Community-Ecke

Die gemeinsame Arbeit innerhalb einer Community ist wichtig, um ein Projekt wie OpenStack erfolgreich nach vorne zu bringen. Zudem profitieren alle Beteiligten von den Ideen anderer Community-Mitglieder. Der große Nachteil besteht jedoch darin, dass man damit nur genauso gut ist wie die Community selbst. Zur Diversifikation gegenüber dem Wettbewerb eignet sich der Community-Gedanke also nicht. Am Ende läuft es wieder nur darauf hinaus, dass die Konzentration voll und ganz der Operational Excellence gewidmet wird. Ein technologischer gar strategischer Vorteil lässt sich damit nicht erreichen.

Der Cloud-Markt zeigt, dass Alleingänge zum Erfolgskonzept gehören. Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure, ProfitBricks in Deutschland oder CloudSigma in der Schweiz haben individuelle Infrastrukturumgebungen aufgebaut.

Ein anderes Paradebeispiel aus dem Open-Source-Umfeld ist Canonical. Der Linux-Primus ist bekannt dafür, sich gerne an dem Open-Source-Code zu bedienen, aber wenig zurückzugeben - zum Beispiel Patches. Selbiges Verhalten ist ebenfalls im OpenStack-Projekt zu erkennen und mit Zahlen zu belegen. Für Idealisten mag es schwierig sein, die Einstellung des Canonical Gründers Mark Shuttleworths zu verstehen. Allerdings geht es am Ende für jeden ums Geschäft und damit um schwarze Zahlen.

OpenStack eignet sich ideal für CIOs, um als Unterbau für die Cloud-Infrastruktur zu dienen. Hierfür lassen sich Standard OpenStack-Services von der Stange wie Rechenleistung, Speicherplatz oder Identity Management hervorragend einsetzen. Am Ende zählt aber nur eines: Individualität. Das bedeutet, dass sich ein CIO von dem Community-Gedanken verabschieden muss, um sich ganz alleine auf Innovationen zu konzentrieren.
Die Strategie besteht also darin, zu schauen, was die OpenStack-Community zu bieten hat, die notwendigen Services zu adaptieren und individuelle Enablement-Services und Lösungen selbst zu entwickeln. Denn der Einsatz eines Standard OpenStack reicht nicht aus, um sich konkret vom Wettbewerb abzuheben geschweige denn einen Mehrwert fürs Unternehmen zu schaffen.

Business Value: Unterstützung neuer Geschäftsmodelle

Mit dem Internet of Things (IoT) rollt ein Megatrend auf die Unternehmen zu, der sie dazu zwingt, einmal mehr mit der individuellen digitalen Transformation zu beginnen. Mit OpenStack halten CIOs ein mächtiges Tool und einen globalen Standard in der Hand, um diese Individualität zu unterstützen. OpenStack ist dabei zwar nur das Mittel zum Zweck und bietet hierfür bis jetzt nur rudimentäre Funktionen. Auf Basis des Open-Source Ansatzes lässt sich OpenStack jedoch zu 100 Prozent an die eigenen Bedürfnisse anpassen und damit als ideale Basis für individuelle Backend-Lösungen einsetzen, um mobile und IoT Applikationen zu unterstützten.

Hierfür sollten CIOs jedoch Abstand von einem Standard-OpenStack nehmen, eine Distribution als Basis einsetzen und mit individuellen Funktionen erweitern. Das bedeutet gleichzeitig, dass sie sich auf die Komplexität die OpenStack mit sich bringt, einlassen müssen. Aber genau diese Technological Excellence wird es später sein, die sie konkret vom Wettbewerb abhebt und dem Unternehmen damit einen technischen Vorsprung ermöglicht und damit einen Wertbeitrag leistet.